Der Architekturwettbewerb «Les Arts Gstaad» ist entschieden.

Gstaad will mit einem neuen Kulturzentrum seine internationale Ausstrahlung erhöhen


Mit einem grossen Konzertsaal und Ausstellungssälen für Kunstwerke will der Verein «Les Arts Gstaad» ein Kulturzentrum schaffen, das international zu den besten gehört. Quasi mitten im Dorf anschliessend an den Bahnhof am Riedhubel soll es laut Roger Seifritz, Direktor von Gstaad Saanenland Tourismus und Mitglied der Projektjury gegenüber den Medien am 5. Februar als «neues Wahrzeichen von Gstaad» gebaut werden. Der Trägerverein in Saanen hat den Gewinner des internationalen Architekturwettbewerbs an diesem Freitagabend bekannt gegeben.

Zum grossen Teil unter der Erde, wie eine Kristallgrotte

22 Architekturbüros aus der Schweiz und Europa haben daran teilgenommen. Der zuletzt einstimmige Entscheid der 12-köpfigen Jury plädierte für eine wellenförmige Holzkonstruktion, sozusagen ein hölzerner Felsen. Den Konzertsaal und die Ausstellungsräume plant der Gewinner zum grossem Teil unterirdisch. Im Innern erinnert das Projekt mit vielen gebrochenen Kanten an den Wänden an eine Kristallhöhle. Hinter dem preisgekrönten Wettbewerbsentwurf entpuppte sich der international renommierte Architekt Rudy Ricciotti aus Südfrankreich, der sich bereits mit Kulturbauten in Potsdam, Venedig und Marseille einen Namen geschaffen hat. Gemäss Kurt Aellen, Berner Architekt und Mitglied der Jury, verstehe es Ricciotti, sensibel mit dem gewachsenen Ortsbild umzugehen. Und Jurypräsident Prof. Dr. Vittorio Lampugnani erläuterte, der Bau müsse sich in das Dorf einfügen und dennoch ein Zeichen mit internationalem Anspruch setzen.

Raumvolumen geschickt in der umliegenden Topografie

Laut Jury gliedere Ricciotti das grosse erforderliche Raumvolumen geschickt in die umliegende Topografie und Dörflichkeit ein und schaffe für Gstaad einen neuen, markanten visuellen Bezugspunkt. Neben dem Siegerprojekt ist aber auch ein zweiter Preis vergeben und weitere fünf Vorschläge hinsichtlich ihrem Beitrag zur herausfordernden Aufgabe gewürdigt worden, mitten im Dorf Gstaad hinter dem Bahnhofsareal ein Kulturzentrum zu realisieren. Zu den Projektvorgaben gehörten zusätzlich ein neues Bus-Terminal und eine Einstellhalle.

Rudi Ricchiotti gewinnt den Architekturwettbewerb

Der konzeptionelle Ansatz des Projektes des französischen renommierten Architekten Rudy Ricciotti fesselt und verleitet zum Träumen. Er besteht aus einer sichtbaren organischen, wellenähnlichen Kubatur, die in Holz eingekleidet ist. Diese beinhaltet einen in seiner Ausgestaltung einzigartigen und spannenden Konzertsaal mit dem Charakter einer grossen Kristallgrotte. Alle weiteren Räumlichkeiten wie Kunsthalle, Foyer usw. sind unterirdisch angelegt und treten dadurch nicht in Erscheinung. Dadurch wird einerseits schonend mit der anspruchsvollen lokalen Topographie und dem Dorfumfeld umgegangen. Andererseits verstärkt diese Projekt-Anlage die Dramatik und Alleinstellung des Konzerthaus-Baukörpers deutlich.

Mögliche Stolpersteine

Die Überbauungsordnung für den Riedhubel und die Umzonung der Parzelle hat die Einwohnergemeinde das letzte Wort. Die Gemeinde Saanen hat eine strenge Bauverordnung, welche das einheitliche Ortsbild erhalten soll. Für öffentliche Bauten bestehen aber Ausnahmen. Die Gemeinde will aber die Baubewilligung nur erteilen, wenn nachgewiesen ist, dass durch die Architektur der Dorfcharakter nicht gestört wird. Nun hofft man darauf dass sich die Bevölkerung an der Diskussion beteilige und hinter dem Projekt stehe.

Bis spätestens 2015 soll das Kulturzentrum «Les Arts» realisiert sein. Das heisst jedoch auch, dass die Suche nach Geldgebern erfolgreich sein wird und die möglichen Stolpersteine aus dem Weg geräumt werden können.

Der Wettbewerbsgewinner

Der Wettbewerbsgewinner Rudy Ricciotti ist freischaffender Architekt im südfranzösischen Bandol. 1995 erhielt er einen Ruf als Professor an die Kunsthochschule Marseille. 2006 wurde er vom französischen Kultusministerium mit dem höchsten Architekturpreis Frankreichs geehrt. Ricciotti hat zahlreiche international beachtete Architekturprojekte umgesetzt. Dazu gehören zum Beispiel das Centre National de Choréografie in Aix en Provence oder das Palais des Festivals de la Mostra in Venedig oder die Neugestaltung des Nikolai-Saals in Potsdam. Rudy Ricciotti ist bekannt für aussergewöhnliche Bauten und ihre Integration in ein anspruchsvolles Umfeld.

Die nächsten Schritte

Rudy Ricciotti wird sein Projekt in Zusammenarbeit mit der Bauherrschaft, unterstützt durch eine Delegation der Jury, weiter entwickeln. Insbesondere müssen die Fragen der Fussgängererschliessung von der Bahnhofseite und die Beziehung zum Aussenraum noch detailliert ausgearbeitet werden. Parallel dazu wurde die Finanzierung des Projektes in Angriff genommen.



Gewinner:
Rudy Ricciotti, Bandol, (Frankreich)

2. Preis:
SLIK Architekten, Zürich

Weitere Preisträger:
Claus en Kaan, Amsterdam (Niederlande)
Grazioli / Krischanitz, Berlin (Deutschland)
Fuhrimann & Hächler, Zürich
Brauen & Wälchli, Lausanne
Gigon & Guyer, Zürich

Text: Andreas Moning (Quelle Les Arts)
Fotos: Les Arts Gstaad



Die Jury des Architekturwettbewerbs

Jurypräsident:
Prof. Dr. Vittorio Lampugnani, Zürich / Milano

Preisrichter:
Kurt Aellen, Architekt BSA/SIA, Bern
Christian Denzler, dipl. Arch. ETH, freischaff. Künstler, Brüssel
Prof. Kenneth Frampton, Columbia University, New York
Stephan Jaggi, dipl. Architekt, Gstaad
Prof. Dr. Werner Oechslin, Architekturhistoriker, Einsiedeln
Claudio Schmidt, dipl. Architekt ETH, Vertreter Gde. Saanen
Baronesse Lambert, Genf
J. Markus Kappeler-Steffen, Präs. Stiftung Les Arts Gstaad
Richard Kummrow, Direktor Montreux Oberland Bernois (MOB)
Christoph Müller, künstl. Leiter Menuhin Festival, Gstaad
Roger Seifritz, Direktor Gstaad Saanenland Tourismus, Gstaad

Beratende Fach-Ingenieure
Eckhard Kahle, Akustik-Ingenieur, Brüssel
Prof. Dr. Aurelio Muttoni, Bau-Ingenieur, Masagno TI


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