Editorial Baukader 04 2006
Gute Aussichten
Liebe Baufachleute

Laut Erhebungen des Schweizerischen Baumeisterverbands hat das Baustellenpersonal 2005 mit 76 300 Beschäftigen erneut um -2.8 Prozent abgenommen. Demgegenüber weist der SBV in seiner Quartalsstatistik IV ein gutes Baujahr 2005 (+ 5 Prozent) und positive Aussichten auch für 2006 für das Bauhauptgewerbe vor allem für den Hochbau, aber auch einer Belebung des Tiefbaus aus (vgl. Artikel und Grafik). Das ist eine mehr als erfreuliche Entwicklung, von der leider niemand prognostizieren kann, wie lange sie anhalten wird.

Was aber bedeutet die Abnahme um -2.8 Prozent der Beschäftigten des gesamten Baustellenpersonals? Als ich 1999 bei Baukader Schweiz zu wirken begann, beschäftigte die schweizerische Bauwirtschaft noch rund 96 000 Arbeitnehmer. Das bedeutet in bald sieben Jahren eine Abnahme um 20 000 Beschäftigte im Bauhauptgewerbe. Das wirkt doch einigermassen dramatisch. Dies bei ungefähr konstanter Anzahl von Bauunternehmen, wie es Branchenkenner beurteilen. Die angeblich unumgängliche Flurbereinigung angesichts von Überkapazitäten der Bauunternehmungen ist nicht eingetroffen.

Was aber hat die rund 20 000 beschäftigten Bauleute denn ersetzt? Unter anderem heisst das Zauberwort «Effizienzsteigerung» oder anders ausgedrückt «akzelerierte Baustelle». Die Baustellen haben sich verändert. Die gesamte Baulogistik ist ganz wesentlich optimiert worden. Effizienzsteigerung ermöglichen neuartige Baustoffe wie zum Beispiel ultrahochfester Faserfeinkornbeton und andere Spezialbetone, optimierte Bauprozesse und Schalungssysteme und andere optimierte Bauprodukte. Unsere Baukader kennen dies alles aus erster Hand. Lebenslanges Lernen und Flexibilität ist hier gefragt. Das macht den Baualltag unserer Kader hochinteressant. 

Es ist denn auch hauptsächlich unqualifizierteres Baustellenpersonals auf der Strecke geblieben. Für gut qualifiziertes Baustellenpersonal fürchtet der SBV bereits heute wieder Personalengpässe. Effizienzsteigerung hat jedoch Auswirkungen auf die Baufachleute. Im Baustellenalltag hat der Stress zugenommen. Die Bautermine werden immer kürzer, die Nachtarbeit und der Bau im Schichtbetrieb (Intensivbauweise) haben zugenommen, was Auswirkungen auf das Sozialleben der Arbeitnehmer hat. Die Unterakkordanten und Subunternehmen sowie die Verlagerung von Temporäranstellungen von Baustellenpersonal sind für Arbeitnehmer, aber auch für Baustellenkader nicht immer von Vorteil. Und dies manchmal auch für Arbeitgeber. Wie hat sich doch einer von ihnen mir gegenüber geäussert: «Bei komplexen und anspruchsvollen Baustellen kommen für mich, insbesondere federführend in einer ARGE, nur sehr gut eingespielte, gut geführte Bauteams in Frage, die ich genau kenne. Denn so macht bauen Spass und ich kann mich darauf verlassen, dass die Arbeitssicherheit optimal greift. Zumal auch dies ins Geld gehen kann». 

Denn es ist ein hohes Gut, wenn sich alle am Bau Beteiligten sagen können, «Bauen macht Spass»! Dann ist oft der Billigste der Teuerste und umgekehrt. Denn wer mit Spass baut, baut auch Qualität und schafft Zufriedenheit auf allen Seiten.

Herzlich 

Andreas

andreas.moning@baukader.ch



  

 



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