Baukader auf der Spur der grossen Mysterien dieses Erdballs
64 Baukader der Sektion Interlaken-Oberhasli nutzten die Möglichkeit, sich über die Projektentwicklung des Mystery Parks Interlaken zu verschaffen. Sie erhielten einen faszinierenden Einblick in die werdenden sieben Mysterien dieser Welt.
Am 24. März verzeichnete die Sektion Interlaken-Oberhasli den absoluten Rekordbesuch der organisierten Exkursionen der Sektion. Der die teilnehmenden Baukader und ihre Begleiterinnen begrüssende Sektionspräsident Ewald Wellig war sichtlich beeindruckt über diesen Aufmarsch, der die Aufteilung von zwei Besichtigungstouren erforderte. Auch «Baukader» liess sich diese Gelegenheit nicht entgehen. Schon von weitem grüsst der hohe Tower mit origineller Kuppel des Zentralgebäudes des Mystery Parks und weckt die Neugierde.
Seitens des Mystery Parks begrüsste Bernhard Zysset, Projektleiter Bau und designierter Betriebsleiter und Chef der Bereichsleiter, die Baukadergäste im Info-Pavillon des Mystery Parks. Er würzte seine Einführungsworte mit gutgelauntem Humor und niemand würde dabei vermuten, dass Bernhard Zysset den äusserst anspruchsvollen Job am Morgen um 05.00 Uhr begonnen hat und Sechzehnstundentage und mehr sein Alltag sind.

VERRÜCKTER JOB DES PROJEKTLEITERS BAU

Bernhard Zysset gestand mir im Gespräch: «Als ich mich aus sicherer Anstellung für diesen Job als Projektleiter Bau entschloss, dachte meine Familie, ich sei verrückt». Denn damals schüttelten noch manche über das Projekt Mystery Park die Köpfe und die Finanzierung war alles andere als gesichert. Bernhard Zysset ist ein Mann der ersten Stunde und er ist mit Herzblut dabei. Es gibt praktisch nichts, was nicht über seinen Tisch liefe. Bernhard Zysset bestätigt, dass alle im Bauteam und die Unternehmungen, die von allem Anfang dabei seien, ein besonderes Feu sacré für den Mystery Park antreibe.
Noch im Juni 2002 stand das Projekt Mystery Park auf unsicherem Grund. Doch über eine Wandelanleihe in der Höhe von 32 Millionen wurde die Finanzierung durch zwölf Privatpersonen, Pensionskassen und Investoren, sichergestellt, zudem durch 12'000 Kleininvestoren. 91 bis 100 Millionen wird im Projekt Mystery Park Interlaken insgesamt verbaut.

ZUR ZEIT SIND ÜBER 300 TÄGLICH (BAU)SPEZIALISTEN TÄTIG

Während sich die Oberländer Baukader mit dem süffigen neuen Werbefilm des Mystery Parks («nur der Ton ist hier noch alt...)» im Info-Pavillon auf die Besichtigung einstimmen, schuften die Bauleute, Animationsspezialisten, Realisatoren von Special Effects, Dekorateure und Handwerker jeglicher Provenienz mit zur Zeit über 300 Baufachspezialisten was das Zeug hält im Park. Denn am 24. Mai öffnen sich zum ersten Mal die Tore für die Öffentlichkeit.
Die Realisierungsarbeiten konzentrieren sich zur Zeit natürlich intensiv auf die Ausgestaltung im Innern der sieben Pavillons. Darüber sei hier nichts verraten. Doch soviel: Was sich im Innern der architektonisch und bautechnisch selbstredend «ungewöhnlichen» Spezialbauten entwickelt, ist viel versprechend. Vom Projektleiter sind denn auch häufig spontane Problemlösungen auch bautechnischer Art gefragt. Wer jedoch die Neugier nicht bezähmen kann, surfe auf www.mysterypark.ch unter Mysterien. Ebenso ist davon auszugehen, dass animationstechnologisch keine Stangenlösungen für «Mysterien» in Frage kommen.

Auch die Umgebungsarbeiten sind in vollem Gange. Denn die Besucher sollen nicht nur die attraktive Bergkulisse von «Inter Lacus» (zwischen Seen) geniessen, sondern sich im Parkgelände gerne aufhalten. Erstaunliches Detail: Das grosse Biotop ist per Auflage von Umweltverbänden mit einem Schnellentleerungssystem ausgerüstet, falls sich kleineres oder grösseres Getier oder gar Mensch zum darin Ertrinken anschicken sollten, wie Bernhard Zysset berichtet.

VERANTWORTLICH ÜBER 100 MILLIONEN SCHWEIZER FRANKEN UND 300 (BAU)FACHLEUTE

Die wichtigste Devise für den Projektleiter war: «Wir haben stets nur soviel gebaut, wie Geld zur Verfügung stand», fasst er das offensichtlich ausserordentlich hohe Mass des Verantwortungsbereichs seines Jobs als Projektleiter zusammen. Das hiess, dass sämtliche Verhandlungen, Vereinbarungen, Submissionen, Offerten, Verträge sowie Aufträge zentral über seinen Tisch laufen mussten, damit die absolute Übersichtlichkeit über das laufende Budget ohne unliebsame Überraschungen im Finanzcontrolling gewährleistet werden konnte. Dadurch blieben auch nie Rechnungen offen.

RUNDGANG DURCH DIE PAVILLONS DER SIEBEN WELTGEHEIMNISSE WECKT NEUGIER

Während des Werbefilms ist der Projektleiter Bau schon wieder am Natel. Doch auf dem Rundgang ist Bernhard Zysset ebenso kompetenter Bauprofi mit Kenntnissen über die kleinsten Details wie auch gutgelaunter Marketingleiter mit sattem Zeitpolster. Einzig der Redaktor von «Baukader» realisiert, dass der Projektleiter am Abend anschliessend ins Büro zur Weiterarbeit rast, während auf der Baustelle die Arbeit schon längst ruht.

Der Rundgang durch die Sieben Mystery-Pavillons vermag bei den Baukadern bereits erkleckliche Neugier zu wecken: «Vimana» verführt in indische Mysterien, «Orient» ins alte Agypten, «Maya» in die Geheimnisse der Azteken und weiterer Völker der Maya, «Megastones» in die zahlreichen Rätsel gigantischer gruppierter Steine. Von Menschen zu Kultzwecken behauene Riesengesteine benötigten heute zur Anhebung vier der zur Zeit schwersten Pneukräne. Rätsel über Rätsel. «Nazca» ermöglicht den Flug über die riesigen Felsspuren in Peru. Gespiegelte Special Effects machen dies möglich. «Challenge» ortet die Erde und ihre Beziehung zu den Geheimnissen im interstellaren Raum. Schliesslich ermöglicht «Contact» eine völkerkundliche Zeitreise zu rätselhaften Kultformen von der Gegenwart in die tiefe mythologische Vergangenheit.

MYSTERIEN-BAUTECHNIK

Auf die Bautechnik angesprochen führt Zysset mehrere Aspekte an. Es sei noch nie ein solcher Turm in der Schweiz gebaut worden. Es stellte sich die Frage, wie optimal eingerüstet werden konnte. «Es erwies sich, dass wir mehrmals umrüsten mussten.» Aber Auch die Aspekte der Statik und deren bautechnische Umsetzung stellte hohe Anforderungen. Nach einem schweisstreibenden Aufstieg (Liftanlagen sind noch nicht in Betrieb) öffnet sich für die Besucher in der grossen Kuppel der freie Blick rundherum in die Landschaft des «Bödeli» (Gebiet zwischen Thuner- und Brienzersee). Diese Kuppel erfordert natürlich auch ein spezielles System zur Aussenreinigung der grosszügigen Verglasung.
Weiter stellte sich entgegen landläufiger Meinung heraus, «dass wir in der Projektrealisierung des Mysteryparks mit Eigenentwicklungen verschiedentlich wesentlich günstiger fuhren als mit Standardlösungen.» Aber dabei sind Ideen und Innovationen gefragt. So zeigte sich nebst vielem z.B. eine einfachere und günstigere Lösung für die Montage der Treppengeländer, die nicht der üblichen Verschraubung mit den Grundplatten entspricht.

Ein spezieller Einbau verlangten auch die ausgesprochen grossen Gläser beim kreisrunden und glasgeschützten Rundweg zu den Pavillons. Und eine innovative Lösung war für die Belüftung des Besucherrundwegs durch Gewindestangen vonnöten, welche zur Zirkulation der Luft die Glasscheiben oben und unten öffnen. Dabei mussten auch Sicherungen eingebaut werden, damit sich beim Absenken der Gläser niemand verletzen kann.
Spezielle Lösungen verlangten auch die pyramidalen Bauten in Gestaltung des «Gesteins» und der Verankerung der «Quader». Offenbar ist die Lösung in Leichtbauweise geglückt: mehrmals erkundigten sich auf der Autobahn vorbeifahrende Automobilisten per Natel, wo diese spezielle Quadersteine bezogen werden können.

MYSTERY-ALLTAG: VON INTERNET, UNTERSEEBOOT, BAHNANSCHLUSS UND HUMOR

Der Mystery Park dokumentiert seit Anbeginn bis aktuell die Bauentwicklung durch professionelles Fotomaterial auf Internet www.mysterpark.ch. Dabei sind auch die Bauarbeiter aus dem Ausland mehrmals fotografiert worden, die Zuhause mitteilten, sie seien im Internet zu sehen. Dazu meint Bernhard Zysset humorvoll: «Diese Aufnahmen musste ich unterbinden, weil jene Arbeiter immer am Mittwoch (Fotografentag) in den Sonntagskleidern zur Arbeit kamen.»
Der Mystery Park hat auch einen Fun Park mit Restaurants, die im Angebot den jeweiligen Kulturraum der sieben Mysterien-Pavillons berücksichtigen. Das Herzstück ist jedoch ohne Zweifel das multimediale Unterseeboot, das eine «echte» Tauchfahrt in die Meerestiefen simulieren wird.

Bernhard Zysset betont abschliessend, dass im Mystery Park, falls erforderlich, eine flexible Weiterentwicklung vorgesehen ist, je nach aktuellen Entwicklungen auch im Publikumsinteresse. Den sympathischen Projektleiter Bau kennzeichnen 1. Nervenstränge aus Stahlseil im persönlichen Stressmanagement, das er offenbar mit Humor zu regeln versteht. Nichts entgeht ihm, über alles weiss er Bescheid. Zusätzlicher Stress in der Zeit vor dem Start ist ihm gewiss. Dass er damit mit beneidenswertem Bravour umgehen kann, hat er in diesem Projekt schon füglich unter Beweis gestellt. Einzig der Zeitplan in Hinsicht auf die Dekorateure kostet ihn etwas Schweiss. Zudem obliegt ihm die gesamte Personaleinstellung.
Die Baukader danken ihm herzlich für die interessante, spannende Führung und auch für den anschliessenden Apéro.

DEN MYSTERY PARK KANN MAN (ABENDS) MIETEN

Wie man hört, wird der Bahnanschluss zum Mystery Park 2004 realisiert. Bis dahin verkehrt ein Shuttlebus der PTT. Oswald Zurbriggen, Geschäftsleiter des Mystery Parks, hat allen Grund zur Zufriedenheit. Bereits sind über 150'000 Franken Einrittskarten verkauft. Der Mystery Park wird nun zum neuen Arbeitgeber im Oberland und führt zur Belebung der Arbeitsplätze in der Region. Nach Hochschätzungen auf Grund der Touristenströme in der Jungfrauregion (auch der Ballenberg usw.) rechnet der Mystery Park mit 4000 Besuchern pro Tag. Ich denke, die 64 Baukader der Sektion Interlaken-Oberhasli werden zu hundert Prozent unter diesen Besuchern sein. Bei allenfalls 6000 Besuchern liegt die Besucherbeschränkung pro Tag, um die Qualität für Besucher im Park zu gewährleisten.

Den Mystery Park bzw. einzelne Räumlichkeiten in originellem Ambiente der Pavillons können von Gruppen, Firmen usw. schon jetzt und während des Betriebs am Abend gemietet werden. Auch an diesem frühen Freitagabend sind Arbeiter mit Industriesaugern dabei, das Zentralgebäude zu reinigen, weil sich eine grosse Unternehmung zu einem Anlass am Abend einmieten wird. Dazu meint Bernhard Zysset launig, «so sauber haben wir bisher die Baustelle nicht an jedem Freitagabend gereinigt.»

WIRKLICHKEIT GEWORDENE VISION

Aus der ursprünglichen Vision des Mystery Parks Erich von Dänikens haben nun Geldgeber, Unternehmungen, Stiftung, Projektteam und alle, die an die Realisierung des Mystery Parks geglaubt und ihn auch gebaut und realisiert haben, diese Vision Wirklichkeit werden lassen. Der Einblick und Rundgang im Mystery Park der Baukader der Sektion Interlaken-Oberhasli macht «gluschtig» auf die Eröffnung des Parks, der eindrückliche Erlebnisse und die Auseinandersetzung mit der Deutung der Mysterien dieser Erde bieten wird, ohne Interpretationsansätze zementieren zu wollen.

Gemäss neuesten Pressemeldungen (17. April) hat der Mystery Park wenige Wochen vor der Eröffnung 500 Boten aus dem All bzw. 500 Meteoriten als Geschenk der Grand Hotel Victoria Jungfrau AG erhalten. Es handelt sich dabei um die Sammlung von Meteoriten der Bally-Museum Stiftung. Henri B. Maier, Verwaltungsrat der Grand Hotel Victoria Jungfrau AG, hat die Himmelskörper für den Mystery Park gekauft. Ihnen wird die Show «Universum» gewidmet. Diese Zeugen aus dem All dürften ein gutes Omen für den Erlebnispark sein.

Text und Fotos: Andreas Moning
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