07. Mai 2019

Digital Power am Badischen Bahnhof in Basel

Digital Power am Badischen Bahnhof in Basel

Seit Mitte August 2018 und noch bis im Juli 2020 ist die Vanoli AG im Auftrag der Deutschen Bahn DB in Basel im Einsatz. Das Projekt: Werksanpassung Basel für ICE4. Tatort: eine rund 120jährige denkmalgeschützte Werkstätte.

Die Sonne brennt auf die Geleise am Badischen Bahnhof in Basel. Polier und Baukader-Mitglied Andreas Riesen steht grinsend und von Kopf bis Fuss in orange gekleidet vor seiner Baracke. Hinter ihm steht die Werkstätte der Deutschen Bahn, an der er momentan mit seinem Team arbeitet. Hier werden die der Deutschen Bahn DB ICE Züge revidiert, gereinigt und die Fäkalientanks abgesaugt und das während 365 Tagen im Jahr und 24 Stunden pro Tag.

Die Vanoli AG hat den Auftrag, Gleis 84 zu modernisieren. Die Gleisgrube wird an die neusten Gegebenheiten angepasst und mit einem Messgeleise mit einer Toleranz von plus/minus 0,5 Millimeter versehen. Auf einer 120 Meter langen und 5 Meter schmalen Baustelle, einer einseitigen Zufahrt zur Grube und unter laufendem Betrieb ist das eine Herausforderung, auch für die Profis bei der Vanoli AG.

Denkmalschutz und Staubschutz
Riesen dirigiert mich zur Baustelle. Hier fällt sofort der schwarze Schleier auf, mit der die Baustelle verhüllt ist. «Allein die Montage des Schutztunnels, die die verbleibenden 5 Geleise in der Werkstätte gegen Staub und Spritzer schützt, hat uns rund zwei Wochen beschäftigt», sagt Riesen. Die Netze in einem denkmalgeschützten Gebäude mit alten Holzbalken, Fahrleitungen und einigem an Flickwerk anzubringen, war herausfordernd. Riesens Hilfsmittel waren Spannset und Schlaufen.

Danach ging es in folgenden Arbeitsschritten los:

  • Ausbrechen
  • Unterfangen
  • Armieren des Bodens mit 216 Aussparungen für die Gleisstützen
  • Erstellung der Streifenfundamente mit verschiedenen Leitungen
  • Betonieren der Bodenplatte und der Seitenwände
  • Abschleifen des Betons als Vorbereitung für den Flüssigkunststoff zur Beschichtung
  • Stützen für die Geleise versetzen und richten mit Protokoll an den Bauherrn
  • Stützen ausgiessen
  • Flüssigkunststoff anbringen, absanden
  • Gleise justieren, Feinjustierung mit Zwischenplatten

Ausbruch und Beton
Der Ausbruch der der Grube und deren Unterfangung von 2.7 Meter hat das Team in 42 Etappen ausgeführt. Dabei musste das Gewicht der ausgebrochenen Teile genau eingehalten werden, damit der Bagger diese auch abtransportieren konnte. Anschliessend wurde sie in einem Container zwischengelagert, da der Abtransport über die schmale Zufahrt und mit Zugsverkehr bis 13.00 Uhr genaustens koordiniert werden musste.

Und wie berechnet man das Gewicht des Ausbruchs, wenn keine alten Pläne vorhanden sind, und man nicht weiss, auf was man unter der Erde stösst? Riesen schmunzelt. Neben der Auswertung mit Kernbohrungen habe er sich alte Fotos beschafft und aufgrund der darauf abgebildeten Einrichtung relativ genau sagen können, wo er und sein Team auf grössere Mengen Beton im Boden stossen könnten. Und so war es denn auch: «Im Mittelteil sind wir auf Fundamente gestossen, die eine alte Verbindung unter den Geleisen abgestützt haben.»

Eindrücklich ist, wie dicht und eng hier verschiedenen Arbeitsschritte passieren: Auf der Länge von 120 Metern montieren zwei Männer auf der einen Seite Hebebühnen und die Baustelle glänzt, auf der anderen Seite spritzt Beton aus dem Rohr und zehn Bauprofis rufen sich gegenseitig Befehle zu.

Und vergleicht man die 42 Etappen für den Ausbruch mit den 3 Etappen, die für das Betonieren der Bodenplatte gebraucht wurden, wie komplex für Polier Riesen die Planung dieser Baustelle war und ist.

Menschen und Maschinen
Die grossen Unterschiede im Baufortschritt auf 120 Metern brauchen Köpfchen und individuelle Lösungen. Das eine hat Riesen, das andere kennt Polier Riesen nicht anders: «Ich habe in meiner Berufskarriere immer spezielle Dinge gemacht», grinst er. So habe er zum Beispiel die 8.5 Meter lange, 1.5 Meter hohe einhäuptige Schalung mit Einlage selbst gezeichnet und auch sein Team vor allem zu Beginn auf dieser Baustelle intensiv geschult.

Bis zu 45 Bauprofis (Inklusiv Sub- und Nebenunternehmer) von der Vanoli AG sind hier im Einsatz. Unterstützt werden sie von einem 20-Tonnen-Gleisbagger, einem gleisgängigen Dumper, einem 14-Tonnen-Pneubagger und drei Bagger mit 10, 5,8 und 3,8 Tonnen.

Und was macht Polier Riesen denn besonders Freude? Er lobt er sein Team: «Die machen das alle super!» Und was freut ihn persönlich? «Das Endresultat macht mir Freude. Wenn das, was ich geplant habe, aufgeht», ergänzt er und lacht verschmitzt, aber man spürt, dass er seinen Job sehr ernst nimmt.

Digitalisierung und gesunder Menschenverstand
Auf die Frage nach seinem Verhältnis zum Thema Digitalisierung auf der Baustelle, reagiert er fast ein wenig verständnislos. Für ihn sei’s mit digitalen Hilfsmitteln viel einfacher geworden. Rapporte, Pläne und Dokumentationen seien digital vorhanden und werden nur noch ausgedruckt, wenn’s nötig sei. Laptop, Tablet und Handy seien ständige Begleiter. Trotzdem brauche es auch Berufserfahrung und gesunden Menschenverstand, um Dinge bisweilen zu hinterfragen, denn Entscheide könnten Roboter zum heutigen Zeitpunkt noch nicht fällen. Und zum Schluss sagt er mit Nachdruck: «Digitalisierung? Ich will sie, ich finde sie toll, und mir macht sie Spass!»

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