12. November 2018

«Mädchen – bauen – los» am Zukunftstag 2018

«Mädchen – bauen – los» am Zukunftstag 2018: Ein Erinnerungsstück und ein Meisterstück entstehen

Fast gespenstisch ruhig ist es an diesem Donnerstag Nachmittag in der Maurerlehrhalle Burgdorf, wenn man weiss, dass hier 12 Mädchen im Rahmen des Projektes «Mädchen – bauen – los!» von Baukader Schweiz ihren Zukunftstag verbringen. Seitenwechsel heisst das: Mädchen schnuppern typische Männerberufe, Buben lernen typische Frauenberufe kennen. Wie das ist? Wir fragen nach.

Jael poliert ein Windlicht, das sie heute Vormittag unter Anleitung von Pascal Rettenmund, Ausbildern an der Maurerlehrhalle Burgdorf, und Annina, Maurerin im 3. Lehrjahr gemacht hat. Fragt man Annina, wieso sie Maurerin geworden ist so sagt sie ohne zu zögern: «Genauso, wie vielleicht eines der Mädchen hier.» Sie sei am Berufserkundungstag gewesen, habe anschliessend in verschiedenen Berufen geschnuppert und sich für eine Ausbildung zur Maurerin entschieden. Weshalb? «Ich wollte draussen arbeiten.» Ob das denn nicht manchmal auch hart sei, bei Wind und Wetter? Annina lacht: «Mein Übername ist Hummel, weil ich bei Hudelwetter jeweils so warm eingepackt bin, wie ein Michelin-Männchen.» Und auf meine letzte Frage, wie es dein sei, vorwiegend mit Männern zusammenzuarbeitet antwortet sie ehrlich: «Nicht immer einfach. Es gibt sie schon noch, die Kollegen, die finden, eine Frau gehöre nicht auf den Bau. Aber denen kann man aus dem Weg gehen», sagt sie und schon ruft eines der Mädchen nach ihr. Annina wird gebraucht.

Ein Erinnerungsstück…

Mittlerweile ist die Bauluft erfüllt von Hammerschlägen. Ein Werkzeugkistli entsteht. Rettenmund findet es wichtig, dass die Teilnehmerinnen ein Erinnerungsstück nach Hause nehmen können. Geduldig erklärt er, was die Mädchen machen müssen, hilft Nägel einschlagen und auch wieder entfernen, wenn sie zu krumm geworden sind. Er ist einmal mehr fasziniert, wie engagiert und motiviert die Teilnehmerinnen sind. «Dass die Mädchen wie diesmal sogar die Mittagspause um die Hälfte kürzen, damit sie sofort wieder zu Mörtel und Maurerkelle greifen können, habe ich aber noch selten erlebt», sagt er.

…und ein Meisterstück

Langsam wird es wieder leiser in der Maurerlehrhalle. Die Holzkistli werden geschliffen, und anschliessend ist eine Pause angesagt. Diejenige die fertig sind, haben dem Haus, das am Vormittag aus Sichtmauerwerk entstanden ist, ein Flachdach verpasst. Deshalb ist auch sofort klar, wo die Pause stattfindet: In der selbst gebauten Einzimmer-Villa, einem Meisterstück. Rettenmund versorgt die stolzen Bewohnerinnen mit einem Schoggistängeli, das die 12 auf engstem Raum verspeisen.

Anschliessend geht’s Richtung Feierabend: Im Klassenraum lobt Rettenmund die Mädchen: «Ihr könnt stolz sein auf euch. Ich bin sehr zufrieden. Ihr habt gut gearbeitet.» Wie ihnen denn der Tag gefallen habe, fragt er. Alle sind sich einig. Obwohl ihr Traumberuf Ärztin, Polizistin oder Tierpflegerin ist, können sie sich vorstellen, auf dem Bau zu arbeiten. «Vielleicht wäre das ein Beruf für mich. Die Zeit verging schnell und Mauern bauen hat mir sehr gefallen», sagt eine Teilnehmerin und strahlt. Ausbildner Rettenmund verpackt mit der angehenden Maurerin Annina die Betongefässe in Zeitungspapier und verabschiedet sich bei jeder Teilnehmerin. Wer weiss, wann man sich das nächste Mal sieht?

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