Liebe Kolleginnen und Kollegen

«Die Schweiz verlottert»

Jahrelang hätten die SBB Geleise, Fahrleitungen, Brücken und Tunnel vernachlässigt. Der Nachholbedarf lasse nun die Erneuerungskosten explodieren: Bis 2016 müssten die SBB pro Jahr zusätzlich 850 Millionen Franken in den Unterhalt stecken.
Auch bei Strassen gebe es Erneuerungsdefizite, noch mehr bei der Trinkwasserversorgung und am meisten beim Abwasser. Die wichtigsten Netze Schiene, Strassen, Strom, Gas, Trink- und Abwasser seien zwischen 1950 und 1980 gebaut worden und näherten sich in weiten Teilen dem Ende ihrer Lebensdauer. «Im Vergleich zum Ausland verfügen wir zwar noch über gute Infrastrukturen», äusserte sich Benedikt Koch, Geschäftsführer des Fachverbands der Infrastrukturbauer (Infra). Aber man müsse in den nächsten Jahren der Sanierung grosse Beachtung schenken.
Urs Weber, Fachreferent im Direktionsstab des Infrastrukturdepartement UVEK bilanzierte in seinem Bericht «Zukunft der nationalen Infrastrukturnetze», wir lebten von der Substanz. Sauber kalkuliert müsste jährlich so viel investiert werden, dass die Netze nach 60 bis 80 Jahren rundum erneuert werden. Doch das passiere kaum.
Hochgerechnet ergäben sich für die Verkehrsinfrastruktur und Energie-, Wasser- und Energie- und Telekommunikationsnetze theoretisch mindestens 500 Milliarden Franken Wiederbeschaffungskosten als Wert, der während der Lebensdauer der Anlage in deren Erneuerung gesteckt werden müsste, um den volkswirtschaftlichen Nutzen zu erhalten. Denn man wisse, wenn dies nicht geschehe, müsse später viel umfassender saniert werden. Nach Urs Weber würden verzögerte Ersatzinvestitionen bedeutend höhere Kosten erfordern.

Eigentlich könnte und müsste die Bauwirtschaft in Jubel ausbrechen. Für den Unterhalt der Nationalstrassen sind gemäss Bund bis 2030 19,1 Milliarden zu rechnen. Für Kantons- und Gemeindestrassen werden rund 174 Milliarden Franken Erneuerungskosten geschätzt, für die anderen Netze rund 265 Milliarden Franken. Doch die Budgets seien vor allem beim Kanton und den Gemeinden deutlich tiefer. Zwar hätten Bund und viele Kantone zweckgebundene Mittel, doch in manchen Kantonen gebe es keinen reservierten Topf für Erneuerungsprojekte. Und die meisten Gemeinden setzten kaum mehr als 1 Prozent dafür ein.

Nun weiss man aber füglich durch die Medien über die angespannten Finanzlagen beim Bund, den Kantonen und Gemeinden Bescheid. So dürfte der Jubel in der Bauwirtschaft über die Notwendigkeit der Erhaltungskosten ziemlich verhalten klingen. Zumindest aber ist aus dem Dargelegten zu erkennen, wie unglaublich wichtig die Bauwirtschaft für die gut erhaltenen Infrastrukturen und die gesamte Volkswirtschaft ist.

Jedenfalls sind wir Schweizer Baukader bestens gerüstet, unseren so wichtigen Beitrag für den perfekten Unterhalt unserer Infrastrukturnetze zu gewährleisten.

Mit kollegialen Grüssen

Urs Bendel, Vizepräsident Zentralvorstand


drucken | empfehlen | zurück | top