Mit je einem Bauteam pro Wochenende von 50 Bauarbeitern der ARGE Weiss+Appetito, Frutiger und Batigoup wurde der wichtigste Verkehrsknotenpunkt Berns unter der Projektleitung des Tiefbauamts Bern umfassend saniert und neu gestaltet.
Vier Intensivbauwochenenden «Exit West» am Bubenbergplatz in Bern mit drei Schweizer Baukadern
An vier Intensiv-Bau Wochenenden ist am Bubenbergplatz, Schanzenstrasse und Laupenstrasse von Bern praktisch rund um Uhr unter dem Projektnamen EXIT West die Verkehrssanierung und Neugestaltung einer der wichtigsten Verkehrskontenpunkte von Bern als Projekt des Tiefbauamts Bern unter der Projektleitung von Reto Zbinden mit nächtlichen Markierungen zum erfolgreichen Abschluss gekommen. Hier verkehren rund 30'000 Verkehrsteilnehmer, Autobusse von Bern Mobil und PTT, Trams von Bern Mobil und es queren bisher rund 30'000 Pendler der SBB. Mit Bahn 2000 werden ab 12. Dezember 2004 mit der im Bau befindlichen neuen Passerelle «Welle von Bern» rund 50'000 Bahnkunden hier den neu gestalteten Verkehrsknotenpunkt queren. Die ARGE mit der federführenden Weiss+Appetito, Frutiger AG und Batigroup haben inklusive Einbau neuer Werkleitungen ganze Arbeit trotz teilweise widrigem Wetter und anderer unerwarteter Schwierigkeiten mit einem Bauteam von jeweils rund 50 Baufachleuten Enormes geleistet. Selbstverständlich musste in vier Intensivbauphasen der Verkehr gesperrt und weiträumig umgeleitet werden. Baukader war mehrmals am Tag und in der Nacht dabei. Jürg Wälchi als verantwortlicher Bauleiter der der ARGE, Bauführer Martin Schönholzer der Frutiger AG und Polier Klaus Messerli als Baukader-Mitglieder standen in intensivem Einsatz.
Mit einer Verlängerung der Perrons 1 - 3 um 100 bis 150 Meter Richtung Westen und der neuen Passerelle «Welle von Bern, der Automatisierung der Zugsteuerung- und Überwachung und in Zukunft Fernverkehrszügen mit bis zu 410 Metern Länge und 20 Prozent mehr Zügen macht sich der zweitgrösste Bahnhof der Schweiz fit für den Fahrplanwechsel. Dabei wird auch die ganze Weichen- und Fahrleitungsstruktur vereinfacht. Über die neue im Bau befindliche Passeelle «Welle von Bern» werden künftig bis rund 50'000 Bahnkunden den neu gestalteten Verkehrsknotenpunkt queren. Durch Neugestaltung und Verkehrsanierung Laupen-, Schanzenstrasse und Bubenbergplatz wird Dreierlei erreicht: Verbreiterte Trottoirbereiche, neue und verbreiterte Fussgängerquerungen- und -Inseln, Sanierung der maroden Verkehrsflächen und die Optimierung der Verkehrsführung und neuer Werkleitungsbau. Diese umfassenden Bauarbeiten waren nur an insgesamt vier Intensivbau-Wochenenden mit lückenloser und minutiöser Bauplanung möglich.

Spektakuläres erstes Wochenende und enger Zeitplan

6. bis 9 August: Der Baubereich ist mit mobilen, brennstoffbetriebenen Leuchtkörpern lichtüberflutet. 9 belagentfernende Bagger, 17 Lastwagen, Presslufthämmer und mehrere Grossfräsen sind am Werk. «Mehr Maschinen liegen auf dem engen Platz einfach nicht drin, sie würden sich sonst gegenseitig blockieren», äusserte sich Reto Zurbuchen, Projektleiter Exit West des städtischen Tiefbauamts.

Schneiden von Beton auf verschiedenen Teilbaustellen: Tramtrassee, Querung RB Schanzenstrasse, Schanzenstrasse, Querung RB Bereich «Weiche». An der Laupenstrasse wird die Insel abgebrochen. Kreischend folgen gegen 04.00 Uhr der Geleiseabbruch und Geleisetrennarbeiten des früheren und überdeckten Tramgeleises, das einst bis zum Inselspital führte, damit sie den neuen Belag nicht wieder beschädigen. Dann folgen Aushub-, Rohrverlege- und Planiearbeiten, Deckelsanierungen, Fräs- und Wischarbeiten. Schliesslich beginnen die Betonarbeiten im Bereich des Tramtrassees, die Anschlussarmierung der Querung RB Schanzenstrasse.
Nach den drei Intensivbau-Wochenenden werden die Verkehrsbereiche jeweils mit einem schnell härtenden Spezialbeton wieder provisorisch «verkehrstauglich» für den Montagmorgen hergerichtet. Bauleiter Jürg Wälchli findet in diesen Intensivbau-Wochenenden mit Einmessarbeiten und Baukoordination kaum eine ruhige Minute und auch nicht allzu viel Schlaf.

Zweites Intensivbau-Wochenende

13. bis 15. August: Das zweite Wochenende startet am Freitag um 21.00 Uhr mit Beton- und Belagsausbrucharbeiten, Auffüllarbeiten Grauguss, Rohrblöcken Kabelschutz, Tiefersetzung der Schiebergruppe, Rohrverlegung, Entwässerungen und der Erstellung von Schächten. Dann setzen nebst weiteren Betonabbrucharbeiten Kabelschachtarbeiten ein. Es werden Fundamente für Masten eingebaut, erste Randabschlüsse sowie Einbau von Betonplatten. Der Sonntag schliesst um Mitternacht, nach Erstellung weiterer Randabschlüsse, Schleppplatten und Fertigstellungsarbeiten.

Intensives drittes Wochenende, Abschluss für den definitiven Belagseinbau 17. bis 19. September

20. bis 22 August: Das Faszinierende am Bauprojekt ist, das an «allen Ecken und Enden gleichzeitig gebaut wird. Kein Wunder zieht es auch viele Schaulustige an. Und auch Passanten am Tag und in der Nacht muss von Securitaspersonal geholfen werden, wie sie trotz Sperrung der Baustelle «ans andere Ufer» gelangen können.

Auf dem Bauplan stehen wiederum Arbeiten an Entwässerungsleitungen, Rohrblock und Schächten, Einbau von Fundamenten, Schachtdeckel, Randabschlüsse, Ergänzungen von Betonplatten, was Bohren der Anschlussarmierung, Verlegung der Armierungsnetze und Betonieren der Bodenplatten erfordert. Dann folgen Ergänzungen der Fundationsschicht, Aushubarbeiten für Grauguss und Belagsarbeiten sowie Randabschlüsse.

Definitiver Belagseinbau mit vielen Schaulustigen

17. bis 19. September: Nur selten können Schaulustige einen interessanten Belagseinbau so dicht an der Bau-Abschrankung aus nächster Nähe mitverfolgen. Die Spezialgeräte von Reproad zum Abbruch der Anrampungen mit Fräsen, Anhobeln und Kugelstrahlen verschiedener Betonflächen und der Busplatte Schanzenstrasse und dem Absaugen der Planieflächen vor und nach dem Kugelstrahlen durch Reinhard dröhnen in der Nacht.

Hochinteressant ist die Betonsanierung der teilweise rissigen bisherigen Fahrbahn-Betonunterplatte mit Epoxiharz. Dann wird der Haftkleber G CR 60 P 400gr/m2 aufgetragen. Effektvoll wird die Belagsarmierung Carbophalt G vorbituminiert von S&P/CTW als patentiertes Produkt heiss eingebaut, welche die verschiedenen Kräfte auf die Fahrbahnplatte gleichmässig stabilisiert. Dann folgt die Membromac-Haftemulsion 1,8 kg/m2. Und schliesslich der Auftrag und Einwalzen sowie Absaugen von Split.

Auch jetzt hat Jürg Wälchli alle Hände voll zu tun. Denn die Bauleitung ist jetzt verantwortlich für Höhenabsteckung auf Fahrbahn und Einmessen und Belagshöhen schnüren. Dann folgt Schiften HMT 11/16/22 H olexobit HP je nach Schiftstärke. Wiederum Haftkleber G CR 60 P jetzt 50gr/m2, anschliessend Einbau der Ausgleichsschicht HMT 11 olexobit HP 40 mm. Noch müssen Schächte angepasst werden (2 BEGU, 2 Schieberkappen, 1 Gatik-Deckel). Auftrag 3. Haftkleber G CR 60 P jetzt 50gr/m2. Jürg Wälchli, beachtlich gefordert durch die vier Intensivbauphasen, hetzt auf der Baustelle herum, Besprechungen, Messungen, Koordinationen Logistik und Bauteams und Kontrollen. Für Plauderei bleibt nur kurze Zeit. Für den Einbau der abschliessenden Deckschicht AB 11 PMB 30 mm am Sonntag ist tief in der Nacht alles bereit.

Der Verkehr rollt in der neuen Verkehrsführung problemlos

Es ist tatsächlich eindrücklich, wenn die beiden Asphalt-Radfertiger-Boliden der Frutiger AG parallel an der Laupenstrasse in Position gefahren werden und die Deckschicht des neuen Belags einzubauen beginnen. Entsprechend ist auch die Zahl der Schaulustigen angewachsen. Bauführer Martin Schönholzer, vom Bautechnischen Labor der Frutiger AG ist jetzt dabei, die Rohdichte des eingebauten Belags zu messen, zu kontrollieren und zu protokollieren.

Mitte Oktober sind in einigen Nächten nun auch die Strassenmarkierungen und Fussgängerstreifen und Busspuren aufgespritzt worden. Aufatmen für Projektleiter Reto Zurbuchen! Offenbar rollt der Verkehr in der neuen Verkehrsführung problemlos. Und kaum ein Verkehrsteilnehmer verschwendet wohl seine Gedanken daran, was die Bauteams hier auch durch die Nächte geschuftet haben. 

Text und Fotos: Andreas Moning 

 
Die Sanierung Schanzenbrücke (Los 2) dauert bis 2005.








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