Der Baumeisterverband hat die Medienwelt zur Baustellenbesichtigung bei laufenden Bauarbeiten vor Ort und mit Helikopterflug eingeladen, um der Öffentlichkeit zu zeigen, welche Anstrengungen das Bauhauptgewerbe für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz unternimmt und welche Fortschritte erzielt wurden und weiter werden.
Das Jahr der Sicherheit auf Baustellen — eindrücklich auf der Baustelle Sanierung A2 Verzweigung Wiggertal/Reiden
Am 12. Mai 2005 hat der Schweizerische Baumeisterverband die Medienwelt nach Reiden eingeladen, vor Ort auf den 7 Kilometern der Autobahnsanierung sich einen interessanten Augenschein des Sicherheitskonzepts zunehmen. Interessante Referate zum Jahr der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes und die direkte eindrückliche Begehung der Baustelle im Baugeschehen unter kompetenter Führung zu Fuss und mit dem PTT-Car und schliesslich dem Helikopterflug über die gesamte Bausstelle war ein lohnendes und bestens organisiertes Medienereignis. Auch Baukader war dabei.

Die Delegiertenversammlung des Baumeisterverbands hat das Jahr 2005 zum Jahr der Sicherheit im Bauhauptgewerbe erklärt. Die engagierten Anstrengungen der optimierten Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutz des Baustellenpersonals der vergangenen Jahre (seit 1975 bzw. 1985 bis heute) verzeichnen einen drastischen Rückgang leidvoller Ereignisse auf Baustellen wie Un- oder sogar Todesfälle. 1985 ereigneten sich noch 106 Todesfälle, 2003 noch 38. Die Unfälle konnten um rund ein Drittel gesenkt werden.

Die Statistiken über Unfälle und Berufskrankheiten und Todesfälle im Bauhauptgewerbe sprechen eine deutliche und erfreuliche Sprache. 2005 ist vom Baumeisterverband als Jahr der ausgerufen worden. Er will die Sensibilisierung aller am Bau Beteiligten weiter vorantreiben. Dazu gehört auch die Branchenlösung Arbeitssicherheitssicherheit und Gesundheitsschutz «sicuro», die von der Trägerschaft der svb, Unia, Syna, Baukader Schweiz und der SKO getragen wird: Erklärtes Ziel der Branchenlösung Arbeitssicherheit sicuro ist die Senkung der Berufsunfälle und Berufskrankheiten und der damit verbundenen Kosten im Bau. Im Rahmen von «securo» mit Ausbildung der Kopas (Kontaktperson Arbeitssicherheit) und dem gesamten ASA-Konzept bestehen für alle beteiligten Sparten prozessbezogene Risikobeurteilungen und Risikominderungen.

Der SBV will mit der Umsetzung von sicuro zeigen, dass das Bauhauptgewerbe eine Branche mit sicheren Arbeitsplätzen ist und will die Mitglieder motivieren, ihr Engagement zugunsten von Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz auf breitester Basis noch weiter zu intensivieren.

Sicherheits-Inhalte von «sicuro»

Das ASA-Konzept umfasst die Sicherheitsorganisation 10 Punkte:

1 Sicherheitsleitbild und Sicherheitsziele, 2 Sicherheitsorganisation, 3 Ausbildung, Instruktion, Information, 4 Sicherheitsregeln, Sicherheitsstandards, 5 Gefahrenermittlung, Risikoermittlung, 6 Massnahmenplanung und –realisierung, 7 Notfallorganisation, 8 Mitwirkung, 9 Gesundheitsschutz, 10 Kontrolle und Audits. Dabei werden natürlich die EKAS-Richtlinien berücksichtigt und die Suva ist ein gewichtiger Partner.


Bauführer Daniel Kälin holt die Journalisten ab  

Der Bauführer Daniel Kälin, verantwortlich für das Management der Ausmasse und entsprechendes Abrechnungsmanagement der ARGE Wiggertal, holt einige Journalisten um 09.20 Uhr am 12. Mai in Olten Richtung Reiden ab, darunter auch Baukader. Treffpunkt der Medieneinladung des Baumeisterverbands ist der Konferenzraum des Restaurants Landhaus zum Lerchenhof in Reiden, wo sich nicht ganz so viele Vertreter der Medien eingefunden haben, wie der Baumeisterverband erhofft hat, darunter aber auch Keystone und als Regional-TV TM1. Aber auch die Vertreter von «sicuro», Ekas, bfa, suva und von Partnerorganisationen.

Umfassendes Projekt in Rekordzeit  

Das Autobahnteilstück der A2 der Verzweigung Wiggertal/Reiden gehört zu den meistbefahrenen der Schweiz und die rund sieben Kilometer werden nun 32 Jahre nach seiner Eröffnung saniert. Unter Verkehr wird die A2 in Rekordzeit von Mitte April bis Ende Oktober 2005 mit dem Belagsersatz und die Sanierung von sechs Brücken, zwei Unterführungen, eine Wassersammelstelle sowie mit 3126 Meter Lärmschutzwänden und 550 Meter einer Mittelleitmauer für die spätere Halbüberdeckung bei Zofingen bis zur Kantonsgrenze total erneuert. Rund eine Million Franken werden hier pro Woche verbaut.

Rund 130 Bauarbeiter und 30 – 40 Lastwagen und unzählige weitere Baugeräte sind täglich im Einsatz. An der Baustelle rauschen täglich gegen 40 000 Fahrzeuge vorbei. Die Sicherheit  des Baustellenpersonals, aber auch der Autobahnbenützer (auch viel Schwerverkehr Richtung Luzern, Gotthard und Italien) hat deshalb oberste Priorirät. Deshalb wurde das 4:0-System gewählt, also die konsequente Abtrennung der beiden im Bau befindlichen Fahrspuren.


Arbeitssicherheit ist gleichzeitig Chefsache und jedes einzelnen Bauarbeiters  

Dies betonte Werner Mesmer, Zentralpräsident des Baumeisterverbands in seinen Ausführungen am Medienanlass. An erster Stelle gehe es «um das vermeiden von Leid, Schmerz, Not und Verzweiflung». Mesmer legte jedoch auch dar, dass Un- oder Todesfälle auch eine wirtschaftliche Bedeutung haben, sowohl für Angehörige wie auch für die Unternehmungen. Null Risiko werde es wie auch im Strassenverkehr nie geben. Aber mit einem geschickten Anreizsystem wollen die Baumeister vor allem schwere Fälle vermeiden. Denn nur fünf Prozent verursachten 80 Prozent der Kosten. Via Prämien würden sicherheitsbewusste Unternehmen belohnt. «Bei 30 Mitarbeitern führt das zur jährlichen Einsparung von 44 000 Franken, bei einer Grossfirma kann das bis zu einer halben Million Franken mehr oder weniger Berufsunfallprämien ausmachen.»

Hektik führt zu Unfällen - die  Kurzformel  

«Schon vor dem Einsatz des ersten Baggers werden die Weichen richtig oder falsch gestellt». Diesen Kernsatz prägte Hans Studer, Geschäftsleiter der Vogt Strassenbau AG und technischer Leiter der ARGE Wiggertal. Er sagte gegenüber Baukader vor dem gemeinsamen Helikopterflug, auch im Hinblick auf die Arbeitssicherheit sei es vordringlich, die sieben Firmenkulturen der ARGE Wiggertal unter einen Hut zu bringen. Allerdings sei es von grossem Vorteil, dass man sich von anderen ARGES bereits kenne. Wie Studer am Madienanlass ausführte, wurden für die 27 Wochen Intensivbauweise mit einem Bauvolumen von 27 Millionen «eine eigene Firma gegründet, in der Form einer einfachen Gesellschaft.»

«Gefahren lauern auf der riesigen Baustelle überall. Den Bauarbeitern müssen wir immer wieder einhämmern, dass es um ihren Kopf, um ihre Augen, um ihre Ohren geht.» Bei so vielen Baugeräten Bagger, Fräs- und Hobelgeräte, Teermaschinen, Walzen, Dumper und Baustellenverkehr, auch in der Dunkelheit. Denn die 170 000 Quadratmeter Belag (vier Schichten von insgesamt 28 cm) werden in zwei Schichten zwischen 04.30 bis 21.30 Uhr gebaut, also auch nachts gebaut (optimale Lichtverhältnisse nachts als Muss zur Arbeitssicherheit). Absolut wichtig sei auch «eine frühzeitige Schulung aller Bauführer, Poliere und Vorarbeiter und die anschliessende Vermittlung an die Mitarbeiter. Die Organisation muss von der ersten Stunde an und Tag und Nacht so gut sein, dass effiziente Arbeit möglich ist, aber keine Hektik aufkommt.

Wer die Gefahren fürchtet, kommt durch sie nicht um  

Mit diesem Zitat von Leonardo da Vinci leitet Baudirektor Peter C. Beyeler als Bauherr seine Ausführungen. Vermeidbare Unfälle beschäftigen ihn ganz offensichtlich auch persönlich. Der Kanton stehe als grosser Bauherr in der Verantwortung. Der Kanton dürfe nicht nur die Preise drücken, sondern auch Standards für eine optimale Gesundheit und Sicherheit setzen und überwachen. Zur Sicherheit trage auch eine meisterhafte Logistik wie hier bei der ARGE Wiggertal. Der Kanton richte besonderes Augenmerk auf die Sicherheitsaspekte bei der Baustellenplanung und –einrichtung. Hinzu kämen die Not- und Baustellenzufahrten, die besonders bei Autobahnen heikel seien.

Auf der Baustelle  

Anschliessend verschiebt sich der Medienanlass per PTT-Bus auf die Baustelle. Unter kundiger Führung des Baustellechefs P. Blätter und vielen Zwischenhalten und einem Fussmarsch wird einerseits das Sicherheitskonzept im Detail erläutert, eine Schadenanalyse der Autobahn wird augenscheinlich und die Bauarbeiten vor Ort erklärt. Zum Sicherheitsdispositiv gehört ein absolut konsequent geregelter Verkehr von maximal 30 kmh für sämtliche Fahrzeuge. Zusätzlich wurden auf der Zufahrtstrecke der Baustelle im lockeren Zickzag bewusst Materialdepots zur Verlangsamung des Baustellenverkehrs abgesetzt.

Heute stehen aber auf Baustellen überlegtes teamorientiertes Handeln jedes Einzelnen im Bauteam, die Schärfung im Bewusstsein auf Risikobereiche beim gesamten Baustellenpersonal, die optimale Arbeitsplanung und der bestmögliche Geräteunterhalt und perfekte logistische Abläufe auf den Baustellen ebenfalls im Vordergrund des gesamten Sicherheitskonzept. Und vor allem: Auch bei hohem Arbeitstempo niemals unfallträchtige Hektik! 
 
Die Baustelle aus der Vogelperspektive  

Der SBV hat auch zu eindrücklichen Helikopterflügen über die gesamte Baustelle eingeladen. Baukader hatte das Glück, auf dem letzten, verlängerten Flug den technischen Leiter der ARGE Wiggertal, Hans Studer, an Bord zu haben, der natürlich über das gesamte Baugeschehen zwischen der Kantonsgrenze bis Olten jedes Detail aus der Luft erläuterte. Bezüglich der ARGE Wiggertal, unter vielem anderen, wird die Standspur Richtung Luzern massiv verstärkt, weil sie auch als Stauraum bei Stau am Gotthard zu dienen hat. Ein in jeder Beziehung gelungener und gut organisierter Medienanlass des SBV findet in der Heli-Landung und einem Apéro sein Ende. 

Text und Fotos: Andreas Moning  


Die ARGE Wiggertal: 

Vogt Strassenbau AG, Federführung

Astrada AG Solothurn

Marti AG Solothurn

STA AG Olten

Ziegler AG Liestal, kaufmännische Leitung

Züblin-Strabag Zürich

J. Arnet AG Dagmersellen








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