Für die Sanierung der Sohlhebung wurde ein ganz neues Konzept entwickelt, welches in der Baugeschichte als bisher einmalig bezeichnet werden darf.
Baukader der Sektion Fricktal besuchen die Baustelle «Massnahmen Sohlhebung Chienbergtunnel in Sissach»
Nr. 05 2006: Wir trafen uns am Freitag, 17. März 2006, um 19.00 Uhr auf dem Parkplatz des Bauleitungssbüros der «Massnahmen Sohlhebung Chienbergtunnel» in Sissach. Hier wurden wir von Herr Zahler vom Tiefbauamt Basellandschaft, begrüsst und dürfen uns sogleich zum Infopavillon begeben, wo ebenfalls der Baustellenchef der «ARGE Sohlhebung» Herr Zenz zu den zahlreich erschienen Besucher dieser Führung stiess.
Im Infopavillon wurden wir von Herrn Zahler ausführlich und detailliert über die ganzen Probleme des Chienbergtunnels informiert. Diese begannen bereits im Jahre 2002, wo es am 1. Februar zu einem Tagbruch kam, bei welchem «glücklicherweise» nur Sachschaden entstand.

Hebungen der Sohle durch aufquellenden Gipskeuper  

Da der Einbruch über 100 Meter hinter der damaligen Tunnelbrust eintrat, entstand hinter der Einbruchstelle eine geschlossene Kammer, welche mit einem Umgehungsstollen wieder zugänglich gemacht werden musste.

Als man diese Kammer zirka zwei Monate nach dem Tagbruch wieder mit Fahrzeugen erreichen konnte, musste man feststellen, dass sich die Sohle in derselben um bis zu 120 cm angehoben hatte.

Diese Hebungen entstanden durch aufquellenden Gipskeuper, welcher sich im unteren Bereich des runden Tunnelquerschnittes befindet, während sich über dem Tunnel weichere Schichten befinden. Dies hatte zur Folge, dass die ganze Tunnelröhre örtlich um über 10 cm angehoben wurde und entsprechend auch Risse auftraten.

Um den Tunnel trotz der enormen Kräfte, welche auf ihn einwirken, fertig stellen und dem Verkehr übergeben zu können,  entschied man sich für eine Sanierung der Hebungszone Ost (ca. 60 Meter Lang) und der Hebungszonen West (ca. 370 Meter lang).

Neues Konzept einmalig in der Baugeschichte  

Für die Sanierung wurde ein ganz neues Konzept entwickelt, welches in der Baugeschichte als bisher einmalig bezeichnet werden darf. Unter dem Tunnel werden Knautschelemente eingebaut welche als Puffer zwischen dem aufquellenden Gipskeuper und dem befahrenen Tunnelkörper wirken.

Um diese Knautschelemente einbauen zu können, wird die untere Hälfte des Tunnels etappenweise um 6 Meter vertieft und seitlich unterfangen. Auf der neu erstellten Sohle wird eine Betonplatte aufgebracht, auf welcher 4 Reihen Erdanker in eine Tiefe von 21 – 25 Metern gebohrt und verankert werden.

Um der neu erstellten Betonsohle eine gewisse Elastizität zu geben, wird zwischen derselben und dem jeweiligen Ankerkopf ein Knautschelement eingebaut. Die Knautschelemente auf der Sohle sind einem so grossen Druck ausgesetzt, dass diese im Zuge der Sanierung zum Teil bereits durch so genannte Gleitanker ersetzt werden mussten.

Knautschelemente aus Schaumglas, Zement und Stahlfasern  

Unter den seitlichen Unterfangungen des Paraments (Tunnelseitenwände) wird beidseitig ein Betonsockel eingebaut, auf welchem weitere, rund ein Meter hohe Knautschelemente zu stehen kommen und so, wie ein Puffer zwischen dem aufquellenden Gipskeuper und dem eigentlichen Tunnel wirkt.

Die Knautschelemente bestehen aus einer Mischung von Schaumglas, Zement und Stahlfasern, sie lassen sich auf bis zu 65% ihrer ursprünglichen Grösse zusammendrücken und müssen, wenn dies erreicht wird, ausgetauscht werden.

Im Anschluss an den Einbau der Knautschelemente wird die Fahrbahnplatte auf einer Höhe von ca. 4 Metern ab der neu erstellten Tunnelsohle eingebaut.

So entsteht unter der Fahrbahn ein begehbarer Schacht, in welchem später die anfallenden Unterhaltsarbeiten in den Hebungszonen weitgehend ohne Behinderungen des Verkehrs ausgeführt werden können.

Dank enormer bautechnischer Herausforderung sind die grössten Probleme gemeistert

Die Sanierung der Sohlhebung gestaltet sich als sehr anspruchsvoll, weshalb die Eröffnung des Chienbergtunnels bereits einige Male verschoben werden musste.

Nun sind jedoch die grössten Probleme gemeistert und die Arbeiten schreiten gut voran, weshalb alle Beteiligten guter Dinge sind, den Tunnel Ende dieses Jahres dem Verkehr übergeben zu können. 

Eindrücklich die enormen Kräfte auf den Tunnel in der Hebungszone West  

Im Anschluss an diese sehr detaillierten  und kompetenten Erläuterungen von Herrn Zahler, wurden wir «Tunnelkonform» eingekleidet und durften im Anschluss  den gesamten Tunnel, insbesondere die Hebungszone West, wo die Sanierungsarbeiten in vollem Gange sind, unter der kundigen Führung von Herrn Zahler und Herrn Zenz besichtigen. Hier konnten wir sehen, wie enorm die Kräfte sind, welche auf den Tunnel einwirken. Denn einzelne der Knautschelemente mussten schon einiges an Ihrer Verformbarkeit unter Beweis stellen.

Ebenfalls sehr eindrücklich waren die engen Platzverhältnisse im Arbeitsbereich, und der Zufahrt. Um einen reibungslosen Arbeitsfortschritt zu gewährleisten, sind bezüglich Planung der Logistik und der jeweiligen Arbeitsabläufe grosse Anstrengungen nötig, um von den beteiligten Unternehmungen mit Erfolg gemeistert zu werden. 

Ausklang wieder oberhalb der Erdoberfläche  

Zurück an der frischen Luft, durften wir unsere Fragen von den beiden Führern beantworten lassen und gingen im Anschluss im Restaurant Sonne in Sissach zum gemütlichen Teil dieses gelungenen Abends über.

Herrn Zahler wünschen wir in seinem neuen Lebensabschnitt als Pensionär,  etwas weniger stürmische Zeiten, als er diese in seiner Zeit als Bauherrenvertreter beim Bau des Chienbergtunnels erleben durfte.

Text und Fotos: Beat Suter  








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