Die heutige, sehr erfolgreiche und führende Familienholding Eberhard Bau AG mit den Schwerpunkten Erd-, Tief- und Strassenbau und vor allem dem ökologischen Rückbau- und Altlastenspezialisten, hat bei der Firmengründung damals aus Not eine Tugend gemacht. Heute zählt sie mit modernsten Recyclinganlagen zum Marktleader mit rund 300 Mitarbeitern und Spezialisten.
Vom Traxunternehmer zum Altlastenspezialisten
Nr. 06 2006: In Kloten soll ein Landesflugplatz gebaut werden. Der Bauernhof Eberhard steht diesem Projekt im Weg. Die Brüder Heinrich und Rudolf möchten weiterhin in der Landwirtschaft tätig sein, doch sie finden keinen passenden Hof. Weil sie schon immer gerne mit Maschinen arbeiteten, gründen sie ein Bagger- und Traxunternehmen. Ihre ersten Aufträge kommen von Gartenbaufirmen. 1959 der erste grosse vom Flughafen. Das Kleinunternehmen entwickelte sich innerhalb von 50 Jahren zu einer Familienholding. Heute ist Eberhard schweizweit als Rückbau- und Altlastenspezialist bekannt.
«An die Gründerzeit mag ich mich nicht erinnern, ich war noch zu jung», sagt Heinz Eberhard, der für den kaufmännischen Bereich und das Marketing verantwortlich ist. «Mein Vater hat Maschinenschlosser gelernt und war nachher in der Landwirtschaft tätig. Schon damals war er mit seinem Onkel auf der Suche nach einem zweiten Standbein», erzählt Heinz Eberhard. Weil sie in der Landwirtschaft keine Zukunft sahen, gründeten die beiden Brüder ein eigenes Unternehmen. Die beiden Selbstständigerwerbenden begannen ihre Laufbahn mit einem Occasions-Trax Cat HAT 4. Später kam noch ein Lastwagen aus zweiter Hand dazu. Damit verdienten sie ihr erstes Geld. 

Sonntagsausflug auf die Baustelle  

Das Traxunternehmen führte in den Anfängen Aufträge für andere Unternehmungen aus. «Es sprach sich herum, dass sie gute Arbeit leisteten und irgendwann haben sie es selbst gewagt, Aufträge entgegen zu nehmen», berichtet Heinz Eberhard. Der Aushub für die Werft 2 des Flughafens war ihr erster Direktauftrag. Jetzt herrschte auch bei den Eberhards Aufbruchstimmung. Sie kauften weitere Maschinen und suchten neue Erwerbszweige. Ihre Vorbilder waren immer die Marktleader.

Die Firmengründer besuchten daher regelmässig die grossen Baustellen, wie einer Aufzeichnung von Hansruedi Eberhard zu entnehmen ist. Er schreibt: «Am Sonntag fuhr Vater Heinrich mit dem Oldsmobile oder Onkel Rudolf mit dem Buick über Land. Meist war der 6-Pätzer voll beladen mit «Kind und Kegel». Die Routenwahl war normalerweise nicht abgesprochen. Zufällig lagen immer Kieswerke und Grossbaustellen am Wege, die wir besichtigen mussten. So lernten wir damals die Spezialisten im Erdbau kennen: Losinger, Bless, Schafir + Mugglin, alles Firmen, deren Maschinenflotte wir bestaunten oder vielmehr von deren Scrapern Bulldozern usw. träumten.»

Spezialbereiche gesucht  

Die Baufirma suchte immer wieder neue Spezialbereiche oder Marktlücken. Fanden sie etwas, wollten sie unbedingt zu den Spitzenreitern der Branche gehören. Ihr erstes Spezialgebiet war der Feld- und Wegbau, dem folgten Meliorationen im ganzen Kanton. Erste Erfahrungen mit schwierigen Böden konnten sie schon 1958 beim Bau der Meliorationsstrassen in Seegräben sammeln. So ging es ständig aufwärts. «Wir schufen uns schnell einen guten Namen für Qualität, Termin und Innovation», steht in der noch jungen Firmengeschichte. Von dieser Unternehmerlust war auch die zweite Generation beseelt. 1987 übernahmen die vier Söhne Heinrich, Hansruedi, Heinz und Martin Eberhard das Geschäft. Die Gebrüder Eberhard wurde in die Eberhard Bau AG umgewandelt.

Auf die Ökologie gesetzt  

Die in Kloten ansässige Unternehmung besitzt immer die grössten und leistungsfähigsten Maschinen, die für Erdarbeiten oder den Felsabbau zur Verfügung stehen. Sie investiert aber auch in ökologische Projekte. So verwendeten zum Beispiel 1988 die ersten Eberhard Baumaschinen und Lastwagen abbaubares Hydrauliköl. Und 1992 rüstete die Firma die Lastwagen mit Bordcomputern aus. Dank der Verbrauchsanzeige konnte der Treibstoffverbrauch verringert werden. Viel unternommen wurde auch um den Schadstoffausstoss zu reduzieren.

Die Unternehmung zählte zu den ersten Firmen in der Schweiz, die Partikelfilter einsetzte. «Was nach dem neusten Stand der technischen Entwicklung erfolgversprechend ist, prüfen wir, und setzen es ein, wenn es effizient ist», sagt Heinz Eberhard. So hat sich insbesondere der Einsatz von Partikelfiltern gelohnt: Letztes Jahr konnten 2400 Kilogramm Feinstaub herausgefiltert werden. 

Recyclinganlagen  

Vor dem Eingang zum Hauptsitz der Eberhard Bau AG steht eine Tafel: «Eberhard/ Pioniere in Altlastensanierung.» Bereits in den 1980er-Jahren, als kaum jemand in der Baubranche von der Wiederverwendung alter Materialien sprach, begannen die Gebrüder Eberhard Aushub- und Abbruchmaterialien zu rezyklieren. Denn für sie war schon damals voraussehbar, dass wertvolle natürliche Ressourcen wie Kies nicht unbeschränkt zur Verfügung stehen. Heute muss das Unternehmen kaum mehr auf die firmeneigene Kiesgrube zurückgreifen, wird der Bedarf doch zu 90 Prozent aus der Recyclinganlage in Rümlang gedeckt.

Aus dem zerkleinerten und wieder aufbereiteten Abbruchmaterial entsteht hier nicht nur Kies, sondern auch Recyclingbeton. Dessen Herstellung aus Altmaterial von Baugruben, Hausabbrüchen oder Altlastensanierungen erfordert viel Know-how. Der Rückbau brachte die Firma auch auf die Idee, kontaminierte Böden selbst zu reinigen.

«Treten Altlasten ein, treten wir auf»

Ob in Zürich, Basel oder Bellinzona: Wenn Industrieareale umgenutzt werden, kommt meist der Altlasten-Spezialist Eberhard zum Zuge. Er bietet nicht nur die Reinigung des kontaminierten Materials an, sondern übernimmt ebenso Analysen, Strategien und Berechnungen für Sanierung und Wiederverwertung. «Treten Altlasten ein, treten wir auf», sagt Heinz Eberhard.

Die Sanierung mit Bioremediation (biologische Reinigung) ist die kostengünstigste Verwertungslösung von Altlasten. Je nach Problemlösung kommen verschiedene Varianten der praktischen Durchführung zur Anwendung. Das Einschichtverfahren wird dort eingesetzt, wo verschmutzte Aushubmaterialien ausgebaggert und auf eine vorinstallierte Biobeetanlage zur Sanierung transportiert werden. Während der gesamten Sanierung wird das Einschichtverfahren in einem geschlossenen Kreislauf gehalten.

Das Multischichtverfahren Vacuum Heap System hat sich im Markt einen Namen als leistungsstarkes Mehrschicht-Bioremediations-Verfahren gemacht. Die optimale Bodenkonditionierung erlaubt den Einbau von verschmutztem Material in mehrere Lagen bis 4,5 m hoch in ein abgedichtetes Biobeet. Ein aktives Belüftungssystem mit integriertem Bioventing garantiert einen optimalen und effizienten biologischen Abbauwirkungsgrad.

Grösste Bodenwaschanlage Europas  

1993 eröffnete die Eberhard Recycling AG die erste und grösste Bodenwaschanlage Europas. Die physikalisch-chemische Bodenwäsche ist das einzige Verfahren, das sich zur Sanierung von beinahe allen in der Praxis auftretenden Bodenkontaminationen eignet. Sie unterscheidet sich damit grundlegend von biologischen und thermischen Prozessen, da diese vorwiegend auf die Behandlung organisch belasteten Materialien ausgerichtet sind. Die Eberhard Recycling AG betreibt in Rümlang eine der weltweit grössten Bodenwaschanlagen. Die Durchsatzleitung beträgt 120'000 t im Jahr, bis 100 t pro Stunde.

Vorerst mittels Magnetabscheider ...

Das kontaminierte Erdreich wird zuerst mittels Magnetabscheider von grösseren Eisenteilen befreit. Auf speziellen Sieben für klebriges Gut, sogenannten Sternsieben, wird es aufgelockert und das Überkorn einem Prallbrecher zur Zerkleinerung zugeführt. Nach der Kies- und Sandaufbereitung erfolgt die Abwasserbehandlung: In der anlageinternen Abwasser- und Schlammbehandlung wird der Feinschlamm geflockt, sedimentiert und eingedickt. Der eingedickte Schlamm wird anschliessend auf zwei vollautomatischen Membrankammerfilterpressen zu einem stichfesten Kuchen von 75 – 80 % Trockensubstanzen entwässert.

Neu: die Saugtechnik  

«Statt aufwendig schaufeln und baggern, saugen wir an den unmöglichsten Orten die unmöglichsten Materialien einfach weg», schmunzelt unser Informant. Kies, Sand, Schotter, Schlamm, Pulver, Kohle, Staub, Schlacke, Rückstände, Steine, Innenausbruch, Kelleraushub, Verankerungslöcher für Bauwandreklamen, usw. «Unser Saugbagger kürzt den Arbeitseinsatz und somit die Kosten merklich.»

Erfolgreiches Familienunternehmen  

Auf die Frage, ob ein Familienunternehmen Vorteile habe, antwortet Heinz Eberhard: «Das kann ich nicht beurteilen, weil ich nur in einem Familienunternehmen gearbeitet habe. Wir sind 11 Geschwister und haben das Teilen, Miteinander, Gegeneinander oder Füreinander praktiziert und verstehen uns deshalb.» Dazu beigetragen haben auch ihre Eltern, sie schenkten ihren Kindern das volle Vertrauen.

Heute in der ganzen Schweiz tätig  

Die Eberhard Unternehmungen sind heute in der ganzen Schweiz tätig. Sie haben eigene Büros in Basel, im Welschland und in Luzern. Zu ihrem Team gehören auch Spezialisten wie Geologen, Chemiker oder Bauingenieure. Die Familienholding beschäftigt 300 Angestellte und setzte letztes Jahr 100 Millionen Franken um. Angefangen hat alles mit einem Occasions-Bagger!

Text und Fotos: Roland Beck  

 








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