Wenn heute ein neues Schulhaus gebaut wird, müssen auch neue Trends und Unterrichtsformen berücksichtigt werden. Vor allem: Das Raumprogramm muss flexibel sein.
Wenn 13 Gemeinden gemeinsam ein Schulhaus bauen
Nr.01 2007: Schon vor 30 Jahren wurde der Zweckverband Kreisschule Äusseres Wasseramt gegründet. Und schon damals beschloss man, gemeinsam ein Kreisschulhaus für die Oberstufe zu bauen. Doch die 13 beteiligten Gemeinden waren sich über den Standort des Neubaus nicht einig. Es bedurfte sogar eines Bundesgerichtsentscheides und einiger Abstimmungen, bevor die Bagger auffahren konnten. Doch jetzt ist alles auf bestem Wege. Das neue Schulzentrum in Subingen nimmt Gestalt an und wird vermutlich für weitere Schulbauten Vorbildcharakter haben.
Das solothurnische Wasseramt besteht aus kleineren und grösseren Landgemeinden. Wie der Name sagt, leitet sich die Bezeichnung von seinem Wasserreichtum ab: Emme, Oesch, Burgäschisee und Inkwilersee, in stiller fruchtbarer Landschaft. Die 13 Gemeinden, die in Subingen gemeinsam ein modernes Schulzentrum bauen, sind: Aeschi, Bolken, Deitlingen, Etziken, Halten, Heinrichswil Winistorf, Horriwil, Hüniken, Kriegsstetten, Oekingen, Steinhof und Subingen.

Der vorherige Zustand war einfach unhaltbar  

Der Subinger Gemeindepräsident Hansruedi Ingold freut sich nicht bloss darüber, dass das neue Schulhaus in seiner Gemeinde gebaut wird, sondern noch viel mehr, dass es überhaupt gebaut wird. «Der vorherige Zustand war einfach unhaltbar», sagt er. Die Kinder wurden auf den Höfen abgeholt und in verschiedenen Gemeinden unterrichtet. Je nach Fach mussten sie dann nochmals die Gemeinde wechseln. «Etwa ein Fünftel der Schulzeit ging für den Schülertransport verloren», stellt Ingold fest.

Junges Architekten-Team erhielt eine Chance  

Den Projektwettbewerb für das neue Schulzentrum gewann zur grossen Überraschung nicht ein bekanntes Architekturbüro, sondern ein noch völlig unbekanntes Team aus Langenthal: planundwerk. Die freien Architekten, die diesem Team angehören, sind alle unter 40. Sie haben zuvor noch nie einen Wettbewerb gewonnen oder ein Schulhaus gebaut. «Dank diesem Auftrag konnten wir erst den Schritt in die Selbstständigkeit wagen», sagt Architekt René Zollinger.

Damit das junge Team auch von den Erfahrungen bereits bestandener Fachleute profitieren kann, wurde die Architekturgemeinschaft Graf Stampfli Jenni/ planundwerk gegründet, die nun für die Planung und Realisierung des Schulzentrums verantwortlich ist.

Idealer Standort mit einem zusätzlichen Juwel  

Jede der 13 Gemeinden hätte gerne einen Bauplatz zur Verfügung gestellt. Doch nach einer eingehenden Standort-Evaluation der in Frage kommenden Standorte entschied sich der Zweckverband die Brunnmatte in Subingen. «Wir fanden bei allen Besichtigungen keinen schöneren Platz», sagt Zollinger. Die offene Landschaft und der Blick auf die Jurakette sind einzigartig. Geradezu ein Juwel ist der angrenzende Bach, der noch revitalisiert wird. Das sind Qualitäten, welche die Schulanlage bereichern.

Dieser Standort liegt zwar nicht genau in der geografischen Mitte des Einzugsgebietes, ist jedoch für alle zentral gelegen. Ob mit Bus, Velo, Moped oder zu Fuss erreichen alle Schülerinnen und Schüler das neue Schulzentrum in Subingen in kürzester Zeit. Einzelne Verkehrswege sollen noch ausgebaut werden. 

Ein Gesamtkunstwerk  

Die jungen Architekten haben nicht nur zahlreiche Schulhäuser besucht und die Fachliteratur studiert, bevor sie mit der Planung begannen. Sie orientierten sich ebenso über neue Unterrichtsformen und Trends im Schulunterricht. «Hinter einem solchen Projekt sollte auch eine Philosophie stecken», ist Zollinger überzeugt. Für ihn ist eine Schulhausanlage ‑ wenn alles berücksichtigt wird ‑  ein Gesamtkunstwerk. «Das Ganze ist ein Räderwerk, das sauber ineinander greifen muss, damit am Schluss alles funktioniert.»

Für den Schulhausbau stand eine Fläche von 35’500 Quadratmetern zur Verfügung. Die Architekten bauten nicht in die Höhe, sondern nutzten die zur Verfügung stehende Fläche. Das Projekt oz 13, wie es genannt wird, steht in der Tat auf dem Boden. Auch formal unterscheidet sich dieser Bau von andern Schulhausanlagen. Der Beton der Fassaden wurde schwarz eingefärbt und verleiht dem Bau mehr Körper. Ein Nebeneffekt dürfte sein, dass er nicht zum Sprayen einlädt.

Die Gebäudeabmessungen: 67.00 m x 85.00 m, Höhe 8.00 m. Die Grundstückfläche exklusiv Gebäude: 31'235 m2. Betonkubaturen: ca. 4'060 m3, Boden- Deckenplatten ca. 977 m3, Aussenwände Sichtbeton eingefärbt / Stahlarmierung. 

Ausser Funktionalität und Ästhetik sind auch die Kosten von Interesse  

Bei jedem öffentlichen Bau geht es nicht nur um die Funktionalität und Ästhetik; die Steuerzahler möchten auch wissen, was das kostet. Aus Kostengründen wurde das erste Projekt abgelehnt. Demzufolge wurde das Raumprogramm reduziert. Nicht zuletzt auch deshalb, weil es auch im Wasseramt unterschiedliche Schülerzahlen gibt. Um Kosten zu sparen, verzichtete man auf ein Untergeschoss, entschied sich für ein anderes Tragwerk- und Pfahlsystem. So kam man auf die veranschlagten 32 Millionen Franken, ohne das Konzept zu ändern.

Eine grosse Halle im Zentrum  

Die Schulanlage wird über zwei Eingänge, West und Ost, erschlossen. Ein separater Eingang sorgt für die unabhängige Nutzung der Turnhalle durch die Vereine (Abendbetrieb). Eine mögliche Erweiterung der Turnhalle, Schulküche und Aula ist konzeptionell nachgewiesen. Das Herz der gut gestalteten Anlage bildet die grosse Halle, die als Aufenthaltsraum genutzt werden kann (Mittagstisch). Hier können auch Veranstaltungen stattfinden. Schüler und Lehrer werden sich auch über die Bibliothek freuen. Mit der Liftanlage ist die Behindertengängigkeit gewährleistet. 

Ökologische Aspekte  

Im neuen Schulhaus gibt es 22 Klassenzimmer, 11 Gruppenräume, 25 Spezialräume, 1 Turnhalle sowie Räume für die Schulleitung und Lehrerschaft.

Das Konzept der Schulanlage ermöglicht innerhalb des Gebäudes eine flexible Raumnutzung. Auch ökologische Bedürfnisse wurden berücksichtigt: Auf Wunsch der Bauherrschaft dient für die Wärmeerzeugung eine Holzschnitzelheizung, eine erneuerbare Energie. Die Dachflächen sind schwach geneigt und extensiv begrünt. Die begrünten Dachflächen dienen auch zur Retention des Regenwassers.

Baukader-Mitglieder vor Ort: Ein Schulhaus baut man nur einmal in seiner Karriere  

Als wir die Baustelle in Subigen besuchten, war Halbzeit. Die Sichtbetonfassaden und Ortbetondecken sind erstellt. Ende Februar ist der Baumeister, Firma Sterki aus Solothurn, mit seiner Arbeit fertig und zieht ab. Danach kann mit dem Innenausbau begonnen werden und im Herbst 2007 können die Schüler die neue Anlage beziehen.

Unterwegs auf der Baustelle begegneten wir auch dem Baukadermitglied Bruno Koller aus Zuchwil. Der Vizepräsident der Baukadersektion Solothurn ist einer der beiden Poliere auf der Baustelle. Er arbeitet hier schon seit anfangs Mai. «Für mich ist diese Arbeit hier eine Herausforderung, denn das ist etwas ganz Spezielles. Von der Grösse wie vom Termin her.» Einfamilienhäuser oder Wohnblöcke baue er immer wieder. «Ein Schulhaus hingegen baut man nur einmal in seiner Karriere», sagt der Baufachmann. Auch der zweite Polier auf der Baustelle, Giordanelli Biagio, ist Mitglied von Baukader Schweiz.

Vertreter der Lehrerschaft  

Thomas Zimmermann aus Subingen ist Vertreter der Lehrerschaft. Er war von Anfang an dabei. «Für mich als Nichtbaufachmann ist das eine unwahrscheinlich spannende Aufgabe», sagt der Lehrer. «Spannend vor allem deshalb, weil ich es mit Fachleuten zu tun habe, die alles mit andern Augen sehen. Qualitäten, die ich vorher einfach übersehen hätte.» Er freut sich aber auch, dass er mithelfen darf, seinen Arbeitsplatz zu gestalten. «Wer kann das heute schon?», fragt er.

Die Lehrformen haben sich verändert  

«Als ich vor 25 Jahren als Lehrer meine Karriere begann, kannten wir nur den Frontalunterricht. Wir standen vor die Klasse und unterrichteten», berichtet Zimmermann. Das ist heute anders. Die Lehrformen haben sich geändert, man kennt Gruppenarbeiten oder den individualisierten Unterricht. Es gibt den Werkunterricht, Musikunterricht, den naturwissenschaftlichen Unterricht und viele andere Spezialgebiete. «Für diese Unterweisung benötigen wir zum Teil spezielle Räume», stellt der Vertreter der Lehrerschaft fest. Zudem gibt es im gleichen Schulhaus verschiedene Schulstufen zu berücksichtigen: Oberschule, Sekundarschule und Bezirksschule. 
 
So sehr sich der Vertreter der Lehrer über seine Tätigkeit in der Baukommission freut, stellt er fest, wie aufwändig diese Arbeit ist. «Weil ich alles in meiner Freizeit erledigen muss, stosse ich an meine Leistungsgrenze.» – Gut nur, dass das auch Lehrer einsehen. 

Text und Fotos: Roland Beck  

 








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