Bauherausforderungen sind sehr vielfältig, unterschiedlich, bautechnischer Art, bauorganisatorischer Art, in der Komplexität, in nicht vorhersehbaren Problemen und deren Lösung, unterschiedlichem Baugrund, in der sicheren Führung der Mitarbeiter und mit optimalen Bauabläufen, in der Baulogistik und vielem mehr. Das ist die Faszination Bauen, die auch immer Schaulustige anzieht.
In 16 Monaten wird der Berner Bahnhofplatz für 80 Millionen völlig umgebaut
Nr. 03 2007: Am 29. Januar war der Spatenstich für die umfassenden Bauarbeiten für den Umbau des Berner Bahnhofplatzes. Damit ist die beinahe lange, nicht einfache Vorgeschichte, welche die Linienführung der Durchfahrt für den Individualverkehr und die Glasüberdachung über den Perrons von Bern Mobil betraf, endlich zu Ende. Doch die Bauarbeiten drängten auch insofern, als die Tramschienen im Bahnhofsbereich sehr marode sind. Nun aber sind die Baumaschinen aufgefahren. Zurzeit beschränkt sich der Baueinsatz auf die Christoffel- und Schwanengasse, die Bundes- und Wallgasse, wo die gesamten Werkleitungen erneuert werden und die beiden neuen Tramwendeschleife für Bern Mobil eingebaut werden. Diese ersetzen die Wendeschleife um die Heiliggeistkirche, mit bisher entsprechender Lärmstörung im Kirchenraum. Baukader war auf der Baustelle.
Vorgängig wurde die Öffentlichkeit auf allen möglichen Infokanälen (auch in den Verkehrsmitteln von Bern Mobil) informiert, dass die öffentlichen Verkehrsmittel teilweise an verlagerten Haltestellen verkehren und die zahllosen Pendler von SBB und Buslinien usw. nicht stets den gewohnten Weg verfolgen können. Jeden Tag sind Zehntausende von Pendlerinnen und Pendler vom Umbau betroffen. Die Buslinien 10, 13, 14, 17 und 19 verkehren nicht mehr an den gewohnten Haltestellen. Am schlechtesten haben es die Fahrgäste der Buslinien 13 und 14 Richtung Bümpliz und Gäbelbach im Westen der Stadt. Sie müssen zu Fuss bis zur Seilerstrasse marschieren.

Ein fataler Rohrbruch zu Beginn  

Insbesondere die Christoffel- und Schwanengasse sind zurzeit im intensiven Bau und völlig aufgebrochen, um die alten Werkleitungen freizulegen. Dabei sind die Maschinisten der Schaufelbagger besonders gefordert, um die Werkleitungen nicht zu verletzen. Dennoch ist am 2. Februar durch einen schweren Bagger eine Wasserleitung in der Schwanengasse beschädigt worden. Der Rohrbruch bzw. das Schadenereignis betraf ausgerechnet auch eine Trafostation, so dass auch noch die Stromzufuhr unterbrochen wurde. Verschiedene Anrainer, unter anderem auch ein Restaurant, waren gar mehrfach betroffen, mit Wasserschaden und überfluteten Kellern, dann fehlender Wasserzufuhr und über einige Stunden unterbrochener Stromzufuhr, so dass mit Ausfallentschädigungen von verschiedenen betroffen Anrainern zu rechnen ist. Die genaue Schadensumme ist noch nicht bekannt. Stadt und Bauunternehmen sind für Schadenfälle jedoch versichert. 

Luftreinhalteverordnung wird auf der Baustelle gelebt  

Schon bei der Submission wurde den beteiligten Unternehmen Vorgaben zur Einhaltung der Luftreinhalteverordnung gemacht. Das heisst, beim Umbau des Bahnhofplatzes Bern wird keine Baumaschine ohne Partikelfilter zugelassen, so wie es in Bern und auch in anderen Städten üblich sei. So der Stadtingenieur Hans-Peter Wyss. Und dies gilt für alle Baumaschinen auf der Baustelle. Und dies wird durch das städtische Amt für Umweltschutz und Lebensmittelkontrolle stichprobenartig kontrolliert. Die Partikelfilterpflicht gilt auch für die Lastwagen auf der Baustelle.

Ab dem 14. Mai wird’s am Bahnhofplatz intensiv  

Die Intensivbauphase am Bahnhofplatz Bern wird zu einer völligen Sperrung der Durchfahrt über den Platz während eines ganzen Jahres führen. Dann sind nicht nur die Pendler der öffentlichen Verkehrsmittel betroffen, sondern auch der Individualverkehr, was zu Verkehrsbelastungen an anderen neuralgischen Stellen führen wird. Gar keine Freude am Umbau des Bahnhofplatzes haben die Taxihalter, die während der Bauzeit nicht im Bahnhofsbereich auf Kunden warten können. Diese sind in einer Nebenstrasse am Bollwerk in der Warteschleife soweit versteckt, so dass die Kunden sie gar nicht sehen können. Ein erboster Taxifahrer macht mir gegenüber keinen Hehl, dass er auch bei Regen ganz vorne am Bollwerk stehen und zum Wagen zurückeilen müsse, wenn er einen Kunden nach einem Taxi suchend ausgemacht hat. Er müsste gar nicht mehr betonen, dass dies auch Umsatzeinbussen für ihn bedeutet.

Enormer Zeitdruck  

Weil noch Einsprachen den Baubeginn verzögert haben, herrscht für die Bauteams, welche Vorarbeiten in der Christoffel-, Schwanen-Bundes- und Wallgasse leisten, um die  Werkleitungen zu ersetzen und die Tramschleifen einbauen, ein enormer Zeitdruck. Die Vorarbeiten waren in den fünf Monaten Juni bis Oktober 2006 geplant. Nun müssen dieselben Arbeiten in drei Monaten bewältigt werden. Vier Bauleiter, davon auch eine Bauleiterin, wirken in den Gassen. Der erfahrene Bauführer Stefan Wurm der Kästli AG ist zuständig für die Bauarbeiten in der Christoffelgasse, welche er als die schlimmste Gasse bezeichnet. Denn hier muss eine Betonplatte abgetragen werden, ohne dass bekannt ist, wie die Leitungen darunter liegen. Zum Bautermin meint er, Zeitdruck auf Baustellen sei man auf dem Bau ziemlich gewöhnt, doch dieser Bautermin sei so knapp bemessen, dass er ihn als unvernünftig bezeichnen müsse. Unter ihm arbeiten ständig drei bis vier Bauteams gleichzeitig mit je einem Polier, einem Vorarbeiter und drei bis vier Arbeitern.

Trotz sehr genauer Planung organisiert Stefan Wurm die Arbeiten seiner Bauteams täglich neu ein, damit sie sich nicht gegenseitig in die Quere kommen und je nach Bauentwicklung. Zudem sind auch die Aspekte der Arbeitssicherheit eine ganz besondere Herausforderung, da in den nicht allzu langen Gassen sehr viele auch schwere Baugeräte im Einsatz, die eine Gefahrenquelle sein können.

Ein komplexes Bauvorhaben  

Allein schon aus der Tatsache, dass nicht nur die Stadt Bauherrin ist, sondern auch die SBB, Bern Mobil, Energie Wasser Bern und noch Weitere zusammen wirken veranschaulicht das komplexe Projekt und entspreche Koordinationen. Heiter dürfte es in der Christoffelgasse werden, wenn auch noch die EWB mit den Wasser- und Stromleitungen ausser den Bauteams in der Gasse wirken. Für die Verlegung der neuen Werkleitungen werden zurzeit die entsprechenden Gräben ausgehoben, die neuen Leitungsrohre herantransportiert, so dass der Baugrund zunehmend grössere Probleme stellt. Dem enormen Zeitdruck etwas entgegengekommen ist der milde Februar, der nicht noch weitere Probleme verursacht wie sie sich in einem eisigen Winter ergeben können. Was jedoch, wie von vielen Baukadern, auch von Bauführer Stefan Würm zu hören ist: Sie lieben auch die Herausforderung. Jede Baustelle ist anders, neu. Und es ist hier eine spezielle Herausforderung, in kurzer Zeit so viele Arbeiten nebeneinander zum Erfolg zu bringen. Gerade die stets neuen Probleme machen diese Bauberufe auch wirklich interessant. 

Die Kosten  

Die Kosten für den gesamten Umbau des Bahnhofplatzes belaufen sich auf 80 Mio. Franken, wovon die Stadt 61 Mio. Franken trägt. Das Eröffnungsfest ist für Mai 2008 geplant, also noch vor der Fussball-Europameisterschaft. Bis dahin werden noch einige weitere Bau-Herausforderungen zu bewältigen sein, werden wohl Überstunden geleistet werden und auch der umstrittene Glasbaldachin über dem neu gebauten Bahnhofplatz realisiert sein. In Bern sind jedoch weitere Grossprojekte im Bau und in der Planung. Baukader wird darüber berichten. 

Text und Fotos: Andreas Moning

 

 







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