Editorial
Chancen und Risiken des Bauens
Nr. 05 2007: Liebe Baufachleute
Bauen ist generell ein absolut faszinierendes Werk, eine bleibende Hinterlassenschaft von Baufachleuten, die Freude macht, der Allgemeinheit oder der Bauherrenschaft in den meisten Fällen ausgesprochen dienlich ist. Seien es Strassen, Brücken, Tunnels, Tiefbauten, Spezialtiefbauten, Hochbauten, Holzbauten, Bodenbauten, Rückbauten, Ökologie im Bau usw.

Bauen ist zweifellos die schönste Chance, bauliche Wertschöpfung zu schaffen, bauliche Qualität zu gewährleisten, bautechnische Herausforderungen zu bewältigen und dies in immer kürzerer Zeit. Und bleibende Werke in allen Lebensereichen unserer Gesellschaft und in unserem wirtschaftlichen Gedeihen zu realisieren und zu gewährleisten, ist eine der schönsten Chancen unserer Baumeister und der Baufachleute aller Stufen und Baubereiche.

Bauen in allen Facetten: Bautechniken, Bauprozessen, Baukoordinationen, Planungen, Projektierungen und Bauausführungen ist eine tolle Sache. Die Chance ist zur Zeit, dass die Konjunktur prosperiert. Wie formulierte der Zentralpräsident der Baumeister, Werner Messmer: «Geht es allen gut, so geht es auch der Bauwirtschaft gut.»

Tatsächlich: Allein in der Stadt Bern sind zahlreiche Grossprojekte im Bau und zudem weitere zahlreiche Grossprojekte im Entwicklungsschwerpunkt Wankdorf und im alten Schlachthofareal in Planung. Für den Umbau Bahnhopfplatz Bern, Grossüberbauung Bern West, Bau Neufeldtunnel werden täglich rund 350 m3 Beton verbaut. Ganz abgesehen von allen kleineren Bauprojekten, im Strassenbau, im Hoch- und Tiefbau.

Auf die gesamte Schweiz bezogen geht es der Bauwirtschaft zur Zeit gut. Das sind die Chancen im Bau. Dabei geht es auch um viel Geld mit Millionenbeträgen. Ganz besonders in Bauprojekten mit grossen Bauvolumen. Doch der Wettbewerb mit vielen in- und ausländischen Playern ist in der Baubranche hart. Dennoch lässt sich mit Bauen Geld verdienen. Zwar beklagen sich die Baumeister stets, bei dem ruinösen Wettbewerb sei die Ertragslage miserabel. Dagegen überleben die meisten Bauunternehmen ihr bauliches Wirken gar nicht so schlecht, wie sie es immer darstellen. Sonst gingen weit mehr Bauunternehmen in Konkurs. Das sind vielfältige Chancen des Bauens.

Doch das Risiko des Bauens läuft mit. Das hat die unterlegene Bauunternehmung Marti im millionenträchtigen Los unserer neuen Alpenlöcher im Gotthard erfahren müssen. Auch andere Bauunternehmungen kennen schmerzlich den harten Wettbewerb. Oder es gibt bauliche Risiken: Eine Tunnelbohrmaschine verklemmt sich im Gestein, wichtige Werkleitungen können unliebsam unterbrochen werden usw. usw.

Doch auch andere Risiken lauern heute. Die beiden Bauunternehmen, Zschokke und Batigroup haben sich zum börsenkotiertem grössten Baukonzern der Schweiz in der Implenia zusammengeschlossen. Kaum ist die Konsolidierung der beiden Firmen verstrichen, da weckt es bereits den Hedge-Fonds Laxey Partners Ltd , der schon sehr ungenehm in die Saurer und in die Axpo eingestiegen ist, mit gierigen Fingern in die Implenia einzusteigen, vorerst mit 12,2 Prozent, am 19. April jedoch bereits mit 22.89 Prozent. Was die Implenia als sehr unfreundlichen Akt bezeichnet. Aufgrund der Börsenentwicklung sei der Ausbau nicht nachvollziehbar. Der Verwaltungsrat habe deshalb die zuständigen Behörden ersucht, eine Untersuchung einzuleiten. Die von Laxey erworbenen Titel würden nicht ins Aktienregister eingetragen. Das hindert die Laxey nicht, an der GV der Implenia noch in diesem Monat Einfluss zu nehmen. Ganz offensichtlich ist die Implenia als junges Bauprodukt in der europaweiten Konsolidierung der Baubranche aus Investorensicht ein begehrenswerter Baustein geworden.

In diesem gesamten Kräftespiel von vielfältigen Chancen, aber auch vielseitigen Risiken bewegen sich alle am Bau Beteiligten, aber auch insbesondere unsere Baukader. In diesem gesamten Kräftespiel geht es auch um die soziale Sicherheit der Arbeitnehmer. Es kann daher unseren Baukadern nicht egal sein, wie sich dieses gesamte Kräftespiel, von baulichen und bauwirtschaftlichen Chancen und ebensolchen Risiken verhält und entwickelt. 

Herzlich

Euer Andreas

 

 


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