Der Um- und Neubau des Bahnhofsplatzes Bern ist in die Intensivbauphase gestartet.
«Operation am offenen Herzen»
Nr. 07/08 2007: Mit diesen Worten eröffnete Gemeinderätin Regula Rytz den Auftakt der Intensivbauphase der Gesamterneuerung des Bahnhofplatzes mit der Totalsperrung des motorisierten Verkehrs. Vorangegangen waren die Vorarbeiten der Erneuerung der Bundes-, Wall-, Christophel- und Schwanengasse mit neuen Werkleitungen und Tramwendschlaufen («Baukader» berichtete). in die Intensivbauphase der Gesamterneuerung des Bahnhofsplatzes mit der Totalsperrung des individuellen Verkehrs. Die grossen Pendlerbewegungen zu Fuss zum und vom Bahnhof Bern müssen auf recht grossen Umwegen vor allem über die neue Welle der SBB dicht an den Baustellen vorbeigeleitet werden. Die beiden Abgänge aus der Spittelgasse sind geschlossen und werden rückgebaut. Drei Tramlinien neun, fünf und drei fahren den Bahnhof nicht mehr an, so dass eine temporäre Bus-Ringlinie von Bern Mobil während der Intensivbauphase als Ersatz dient. Damit nicht genug: Spektakulärer Rückbau der Tramhäuser, und der gewaltige 100 Tonnen Schienenhobel von Eberhard reisst nun auch am Hirschengraben und fast in der gesamten Spittelgasse dicht an den Passanten die maroden Tramgeleise aus der Gasse. 
Insgesamt rund 250 000 Pendler und Passanten sowie Velofahrer und Fussgänger aus Bus, Tram und auch rund 26 000 Autofahrer täglich haben es zur Zeit nicht leicht: Die normalen und die Ersatzbusse von Bern Mobil weisen verschobene Stationen auf, so dass sie trotz Helfern von Bern Mobil und Securitas-Leuten erstens nicht leicht gefunden werden und zweitens meist massiv überfüllt sind. Zweitens sind die Umwege zu oder von den Zügen der SBB lang und umständlich und an gewissen schmalen Stellen herrscht Gedränge. Die Projektleitung hat aber alles unternommen, die Unbill der betroffenen Passanten optimal  in Grenzen zu halten. Bis jetzt hat erstaunlicherweise alles soweit ohne Murren der Passanten geklappt und bei einem einzigen kleinen Zwischenfall ist ein Passant von Steinsplittern getroffen worden, die ihn jedoch nicht verletzt haben.

Die Passanten sind jedoch nicht nur Opfer des grossen Bauprojekts, sie sind gleichzeitig auch faszinierte Schaulustige des attraktiven Grossprojekts. Es heisst schon was, wenn auf dem Weg zum Zug gleich nebenan zwei schwere Rückbaugeräte die überdachten und beglasten Tramstationen mit Krachen und Knirschen niederreissen, mittels zwei hohen Kranen Container verschoben werden, Pressluftgeräte hinter Fliesmatten ins müde Morgen-Ohr  hämmern und dort der Gerätebagger-Sporn in den Aspahlt oder den Beton bohrt und rüttelt.

Der motorisierte Verkehr wird zur Zeit hauptsächlich über die kleine Westtangente, also durch die Tunneldurchfahrt zum Bahnhofparking, sowie über Laupen- und Schanzenstrasse und Stadtbachstrasse umgeleitet.

Gigantische Logistik für das 80 Millionen-Projekt  

Noch selten oder nie hat man bei einem 80 Millionen-Projekt so viele und auch schwere Baumaschinen gleichzeitig im Einsatz gesehen. An allen Ecken und Enden des gesamten Platzes und der angrenzenden Strassenabschnitte wird rückgebaut, eingebaut, Werkleitungen in tiefen Gräben und Tramgeleise ersetzt, Strassendurchfahrten versetzt, Bahnhofzugänge verlegt. Dazu sind zur Sperrung des gesamten Platzes die Verkehrsströme umgeleitet worden. Die Passantenströme sind an den Baustellen gefahrlos vorbeizuführen, die zahllosen Bauteams und den Bauprozess zu koordinieren und täglich auf neue Verhältnisse anzupassen. Das verlangt von den Projektleitern und den Baukadern und ihren Bauteams und insbesondere von den Maschinisten der schweren Baumaschinen, Dumpern usw. besondere Umsicht. Ganz zu schweigen, was die Planung und Koordinierung dieses Projekts mit allen beteiligten Playern, wie Tiefbauamt der Stadt, Bernmobil, EWB, SBB, Swisscom, allen Anrainern, Strassenverkehrsamt usw. zu leisten war und ist. Die allermeisten Arbeiten führt ein Totalunternehmen unter der Führung der Walo Bertschinger AG durch, bestehend aus den Baufirmen Ramseier AG, Bern, Wirz AG Bern, Stucki AG Bern sowie Furrer und Frey AG Bern.

Der Schienhobel 100 Tonnen-Raupenbagger Cat 385B von Eberhard  

Seit der Totalsperrung des gesamten Bahnhofplatzes und der wichtigsten Durchgangachse durch die Innenstadt verfolgen der Passant und auch der Baukader-Redaktor den täglichen Baufortschritt dieses sehr komplexen Projekts. Nun war in diesen Tagen auch der riesige 100 Tonnen-Raupenbagger Cat 385B der Zürcher Firma Eberhard zuerst am Hirschengraben und jetzt in der Spitalgasse, die zum Käfigturm führt, mit roher Gewalt am Werk, um mit dem schweren Tieflöffel und Schienenhobel die maroden Tramgeleise aus dem Strassenbankett zu reissen. Es gab an den Sperrungen und in den Lauben kaum Passanten, die sich das Spektakel nicht entgehen lassen wollten. «Es ist eine heikle Arbeit», kommentierte der Baumaschinenführer Herbert Elsener, «wenn die Passanten so nahe vorbeigehen.» Da trage er eine besonders grosse Verantwortung. Er überwache permanent, was oberhalb und unterhalb der Schaufel passiere oder ob sich ein Hindernis  hinter oder neben dem Bagger befindet.

Dazu hat der Cat 385B hinten und an den Seiten Kameras, so dass Elsener gleichzeitig über Displays diese Bereiche überwachen kann. Der hochmoderne 1.2 Millionen teure Cat hat einen schall- und stossgedämpften Führerstand, der auch vergittert ist. «Das ist meine Lebensversicherung.» Die gewaltige Kraft des Raupenbaggers ist enorm. «Es wäre ein Klacks, auch gleich die Häuser links und rechts abzubrechen», meinte der Baumaschinenführer Elsener mit sichtlichem Berufsstolz, der oft von Baustellenfans belagert wird. Es ist stets beeindruckend, wie Elsener die ungeheure Kraft des Baggers mit einer Behutsamkeit und Präzision des Tieflöffels oder des Schienenhobels mit geringsten Bewegungen der Joysticks bedient. Das erfordert höchste Aufmerksamkeit und gute Nerven.

5000 Tonnen Asphalt, Metall, Gussrohre als Abbruchmaterial ...

Es versteht sich heute, dass eine umsichtige Baustofftrennung selbstverständlich geworden ist und entsprechend dem Recycling zugeführt wird. Neben den 5000 Tonnen Asphalt usw. fallen auf dem Bahnhofplatz 25 000 m2 Strassenabbruch an sowie auch einige Tonnen rückgebauten Betons. Während der Intensivbauphase arbeiten rund 150 Bauarbeiter gleichzeitig.

Faszination Baustelle  

Das besondere dieser Baustelle ist einerseits die Ausdehnung, die Komplexität und die mehr als komplexe Logistik. Besonders ist aber vor allem, dass sich das Projekt inmitten der rund 250 000 Passanten täglich im Bereich der Baustelle befindet. Dadurch haben die Passanten einen direkten Einblick in das komplexe Baugeschehen, wie sie es gemeinhin selten oder nie haben. Dieser Einblick in die Faszination Baustelle erklärt denn auch, dass trotz Umständlichkeiten und längeren Wegen praktisch nie Ärgernis, Unmut oder Ungehaltenheit bei Passanten festzustellen sind. Dies ist aber auch das Werk der optimalen Kommunikation vor und während der Bauphase.

Baukader setzt die Berichterstattung über das Grossprojekt Bahnhofplatz weiter.


Text und Fotos: Andreas Moning 


www.bahnhofplatz08.ch

www.bernmobil.ch/bahnhofplatz

www.ebund.ch/bahnhofplatz

 

 








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