Für die Planung der Flüge war es wichtig, zu wissen, wie schwer die einzelnen Holzelemente sind. Die Grösse spielt keine Rolle. Das Idealgewicht ist, so Kempf, etwa 850 kg. Der Helikopter «Lama» der „Alpinlift“ kann Lasten bis zu einer Tonne transportieren. Allerdings nur, wenn der Kraftstofftank nicht voll ist.
Bauen mit dem Helikopter
Nr. 10 2007: Wer im autofreien Ferienort Braunwald ein Haus baut, hat ein Problem: Er kann das Baumaterial nicht direkt auf die Baustelle transportieren, sondern muss es auf die Braunwaldbahn verladen. Auf 1300 m ü. M. angekommen, übernimmt es eines der beiden einheimische Transportunternehmen und befördert es, meist mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen, an den gewünschten Ort. Eine Alternative bietet ein Helikoptereinsatz. Das Baumaterial wird in Linthal deponiert und von dort direkt auf die Baustelle geflogen.
René Hochuli von der Althammer Hochuli Architekten AG besitzt hoch über Braunwald in einer prächtigen Lage ein 200-jähriges Bauernhaus, wo er sich immer wieder aufhält und neue Kräfte tankt. Zu diesem Bauernhaus gehören auch Nebengebäude, so ein Stall. «Weil wir uns hier immer wohl fühlen, entschlossen wir uns hier neben dem Bauernhaus ein Ferienhaus zu bauen», berichtet René Hochuli. Der Architekt entschied sich für ein Holzhaus aus vorgefertigten Elementen. Als idealer Standort bot sich der Stall an, der rückgebaut wurde. Die Grundmauern liess der Architekt stehen und baute darauf zwei Stockwerke. Im ehemaligen Stall befindet sich der Keller, im ersten Stock, ein grosser Wohnraum mit einer breiten Fensterfront und einem prächtigen Ausblick die Glarner Alpen: Ortstock, Tödi, Biferten und Hausstock. 

Fertigelemente aus der Werkstatt  

Das Ferienhaus entspricht nicht genau einem Renggli-Standard-Haus, es handelt sich um ein Designerhaus mit einigen Abweichungen. Insbesondere um besondere Lösungen für Fenster und Türen. Viele Architekten, die sich im Holzbau noch nicht so gut auskennen, liefern den Holzbauern meist zu ungenaue Pläne ab. Und diese müssen dann in mühsamer Arbeit vervollständigt werden. Nicht so war das bei den Plänen von René Hochuli. «Bei diesen Architektenplänen war alles minutiös geplant. Da hat man gemerkt, dass der Architekt auch der Bauherr ist. Jedes Detail war vom Feinsten», rühmt Martin Otti, Techniker HF Holzbau und Projektleiter Holzbau. Um möglichst rationell arbeiten zu können, bemüht sich die Holzbaufirma, die Prozessabläufe zu vereinfachen und vereinheitlichen. «Um den Wünschen des Architekten zu entsprechen, mussten besondere Detaillösungen gesucht werden. Diesen Abweichungen von unsern Standards mussten wir uns anpassen. Das war für uns eine grosse Herausforderung», betont Martin Otti.

Dreischichtplatte aus Lärchenholz  

Der Ablauf in der Werkstatt ist immer gleich. Zuerst wird die Grundkonstruktion zusammengeschraubt, darauf eine Dampfbremse und die innere Beplankung mit einer Dicke von 26 mm, die innen sichtbar ist. Es handelt sich um eine Dreischichtplatte aus Lärchenholz, die sichtbar aufgeschraubt wird. Mit den Wendetischen, die zur Verfügung stehen, wird die nun fertige Innenseite nach unten gewendet. Anschliessend werden die rohen Elektroinstallationen, welche bei der inneren Beplankung bereits vorbereitet sind, eingelegt und die Konstruktion mit Mineralwolle ausgedämmt. Die äussere Beplankung wird mit einer 15 mm Grobspanplatte ausgeführt. Die fertige Stülpschalung wird dann erst auf der Baustelle vor Ort ausgeführt, dies aus zwei Gründen: Erstens von den Detaillösungen der Fenster und Türen her und zweitens vom Gewicht der einzelnen Elemente für den Flug.

Helikoptereinsatz muss geplant werden  

«Für uns war es eine kleine Sensation, ein Haus mithilfe eines Helikopters zu bauen, das haben wir noch nie gemacht», sagt Martin Otti. Beide Varianten, der Transport mit Bahn und Helikopters wurden gerechnet. Der Helikoptereinsatz war teurer, er wurde trotzdem dem konventionellen Weg vorgezogen. Der Lufttransport wurde der Alpinlift Helikopter AG in Buochs vergeben. Dazu sagt Sascha Kempf, Projekt- und Einsatzleiter: «Die Vorausplanung dauerte ein halbes Jahr. Wir erhielten die Daten der einzelnen Elemente und konnten daraus entnehmen, dass etwa 60 Helikopterrotationen notwendig sein würden.» Für die Planung der Flüge war es wichtig, zu wissen, wie schwer die einzelnen Holzelemente sind. Die Grösse spielt keine Rolle. Das Idealgewicht ist, so Kempf, etwa 850 kg. Der Helikopter «Lama» der «Alpinlift» kann Lasten bis zu einer Tonne transportieren. Allerdings nur, wenn der Kraftstofftank nicht voll ist. Die Holzteile der Firma Renggli waren aber nicht so schwer: sie wogen 250 bis 800 kg.

Alles lief perfekt  

Der erste Holzwand für den Keller traf um 7.45 Uhr auf der Baustelle ein. Und um 9.00 Uhr, nach 18 Flügen, war die erste Etappe schon abgeschlossen. Nach einer kurzen Pause, während der alle Elemente befestigt wurden, konnte mit der Montage der oberen Wohnräume begonnen werden. Alles verlief perfekt. Jedes Element, das der Helikopter brachte, passte haargenau. Die eingespielte Crew der Firma Renggli packte zu und sorgte für eine fachgerechte Montage. Als Beobachter konnte man da nur noch staunen über diese Präzision. Und als um 16 Uhr das letzte Dachelement montiert wurde und das Haus stand, spendeten die Zuschauer, unter denen sich auch der Bauherr und Architekt mit seiner Frau befand, den Bauleuten Beifall.

Pilot wird von Flughelfer informiert  

Dass eine so perfekte Montage möglich war, war nicht zuletzt auch dem erfahrenen Helikopterpiloten Guido Baumann und dem Flughelfer Sascha Kempf zu verdanken. «Für uns war das eine Millimeterarbeit», sagt Sascha Kempf. «Ich sage jeweils dem Piloten, wenn er sich genau über dem Gerüst befindet und absinken kann. Er schaut hinunter und sieht alles 1:1. Aber die letzten Details kann er nicht sehen und er weiss nicht, wie wir die Elemente einfahren müssen. Deshalb hört er auf meine Kommandos: 50, 40, 20,10, 5 cm: Kontakt. Das sind Feinheiten, die ich dem Piloten noch durchgebe. Dann schwebt er auf dieser Höhe und wir übernehmen das Holzelement. Das ist höchste Präzisionsarbeit», sagt der Projekt- und Einsatzleiter, der manchmal auch als Flughelfer tätig ist. Und er fügt dem bei: «Wenn wir einen neuen Flughelfer einstellen, geht es ein Jahr bis wir ihn für eine solche Montage einsetzen können.»

Auf gutes Wetter angewiesen  

Eine perfekte Hausmontage gelingt nur, wenn die Masse der einzelnen Elemente stimmen und der Helipilot sie millimetergenau an der richtigen Stelle ausklinken kann. «Wir haben auch schon anderes erlebt, aber heute stimmte alles», freut sich Kempf.

Eine wichtige Rolle bei diesen Helikopterflügen, und das ist wohl ein Nachteil gegenüber dem Strassentransport, spielt das Wetter. Geflogen wird nur bei guter Sicht. Das hat den Nachteil, dass solche Transportflüge immer wieder verschoben werden müssen. In Braunwald musste der Bauherr 14 Tage warten, bis sich Petrus seinem Unternehmen gnädig erwies. 

Bauboom auch in den Alpen  

Nicht nur im Mitteland, sondern auch in den höheren Regionen wird eifrig gebaut. Besonders viele Ferienhäuser. Dazu sagt Sascha Kempf: «Wir erhalten nicht regelmässig solche Aufträge. Manchmal nur einen pro Jahr. Dieses Jahr ist es aber schon der 14. Das ist für uns aussergewöhnlich.»

Text und Fotos: Roland Beck  

 








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