Das um- und neu gebaute und jetzt wieder eröffnete Dolder Grand Hotel in Zürich ist in seiner Art einzigartig und gehört zu den Top Tens.
Luxus und Noblesse hoch über Zürich
Nr. 05 2008: Nach einem fast vierjährigen Umbau konnte das Dolder Grand Hotel in Zürich am 3. April wieder eröffnet werden. Die Wiederherstellung des aus dem Jahre 1899 stammenden Hotels und der Neubau des Stararchitekten Normen Forster kosten 440 Millionen Franken. Unvergesslich bleiben wird diese Baustelle jenen 650 Bauleuten, die hier zeitweise gearbeitet haben. Kaum einer wird Gelegenheit erhalten, nochmals bei einem solchen aufwendigen Projekt dabei zu sein. BAUKADER berichtete über das Bauprojekt «Dolder» in Nr. 2/2006.

 

Im Jahr 1899 wurde das «Dolder Grand Hotel & Clubhaus» eröffnet. Nach Umbauten in den 20er Jahren war das Hotel in den Neunzigern in die Jahre gekommen. Durch die Übernahme der Aktienmehrheit durch Urs E. Schwarzenbach 2001 war die Finanzierung für einen grösseren Umbau gesichert. 2004 wurde das ehemalige Dolder Grand Hotel geschlossen. Nach dem Umbau unter der Federführung des Londoner Architekturbüros Forster + Partners feiert das neue «Dolder Grand» seine Wiedereröffnung. Ende März erhielt auch die Öffentlichkeit Gelegenheit diesen teuren Umbau zu besichtigen.

 

Luxuriös und teuer

Falls sich einer der am Bau beteiligten Bauarbeiter den Luxus leisten möchte, im Dolder Grand Hotel zu übernachten, muss er tief in die Tasche greifen, denn für das günstigste Doppelzimmer bezahlt man pro Nacht 850 Franken. Falls er aber gerade im Lotto gewonnen hat kann er sich noch etwas Besseres leisten: Für 14'000 Franken pro Nacht erhält er die 400 Quadratmeter grosse Top-Suite im Türmli.

 

Auch ein 4000m2 grosses, luxuriöses Spa fehlt nicht

Im umgebauten Hotel gibt es 173 Zimmer. Ein Restaurant mit 54 Sitzplätzen und ein Garten Restaurant mit 137 Sitzplätzen. Für Bankette steht der 400 Quadratmeter grosse Ballraum zur Verfügung. Eine besondere Attraktion ist das Dolder Grand Spa: eine Einladung zu Gesundheit und Wohlbefinden. Die Oase bietet ein Wohlgefühlangebot auf 4'000 Quadratmetern. Mit europäischen und japanischen Einflüssen ist das einzigartige Spa geprägt von der Architektur von Forster + Partners.

 

«Dubai-Frage»

Bei der ersten öffentlichen Besichtigung des Hotels wurde auch die «Dubai-Frage» gestellt: Geht es auch hier in erster Linie um Luxus um jeden Preis: Noch grössere Zimmer, noch mehr Luxus, noch mehr vergoldete Spiegel und Badewannen? Diese Frage wurde eindeutig verneint. Urs Simeon von der Fazun AG, welche die Bauherren vertrat, sagt dazu: «Hier geht es in erster Linie um die Geschichte von alt und neu. Das Dolder hat eine hundertjährige Geschichte und hat deshalb eine Seele. Das kann in Dubai kein Hotel bieten.»

Das Dolder Grand Hotel ist in seiner Art einzigartig und gehört zu den Top Tens. «Amerikaner, die hier absteigen, werden immer im alten Teil des Hotels logieren wollen, denn attraktiv ist für sie nur der historische Teil des alten Hotels, alles andere haben sie zu Hause schon gehabt. Japaner oder auch Europäer hingegen bevorzugen eher den Neubau», stellt Simeon fest.

 

Vermehrt auch jüngere Gäste aus dem In- und Ausland

Gäste erwartet werden vor allem aus Deutschland, Amerika, Asien, Russland und natürlich auch aus dem eigenen Land. Auf die Frage, ob die gegenwärtige Bankenkrise sich nicht negativ auf Luxushotels auswirken könnte, meint Hoteldirektor Thomas Schmid: «Wir haben das alles schon vorher abgeklärt. Es gibt noch ein genügend grosses Potenzial von reichen Leuten, die sich unser Hotel leisten können. Insbesondere auch immer mehr jüngere, die sich gerne einen solchen Luxus gönnen.»

 

Luxus im Turmzimmer

Auch im alten Teil des Dolder Grand Hotels fehlt es nicht an Luxus. In der Maestro Suite, die vom Stardirigenten Maestro Herbert von Karajan inspiriert wurde, gibt es zwei Schlafzimmer, die je über ein luxuriöses, in hellem Marmor gehaltene Badezimmer, eines davon ist nebst Whirlpool und Dampfdusche zusätzlich mit einer Sauna ausgestattet. Der klassisch eingerichtete Dyning-Room befindet sich im runden Turmzimmer und kann von der eigenen Küche bedient werden. Im Turmzimmer gibt es dezente Sitzgruppen mit Sofas und Lounges sowie Bar und Kamin. Der grosse Balkon des Turmzimmers ist der höchste Aussichtspunkt des Dolder Grand.

 

Originalgestreu rekonstruiert

Eine der wohl grössten Herausforderung bei diesem Umbau im historischen Teil war die denkmalpflegerische Absicht, das Alte zu erhalten. «Das Hotel hat, wie wir erfahren haben, tatsächlich eine hundertjährige Geschichte. Als wir die Bausubstanz untersuchten, konnten wir gar nicht mehr feststellen, was aus welcher Zeit stammte: Das Haus war nicht mehr analysierbar. Deshalb kam es immer wieder zu intensiven Gesprächen mit der Denkmalpflege», berichtet der Bauherrenvertreter.

Denn: Von der historischen Baumasse wurde 80 Prozent originalgetreu rekonstruiert, Tapeten, Holzpfeiler, Deckenmalereien – und sechs Zimmer. Im Innern dominiert ein Stil, der in Hotels in der ganzen Welt gegenwärtig ist – erst die alte Substanz hebt das Dolder ab. «Wir lagen manchmal meilenweit von den Ideen der Denkmalpflege entfernt, haben dann aber in konstruktiven Gesprächen das gefunden, was wir jetzt haben», sagt Simeon.

 

Wieder klare Raumhierarchie

Der Eingriff von Forster + Partner stellt die ursprüngliche Logik des Gebäudes wieder her indem der Haupteingang wie zu Jacques Gros’ Zeiten um 1899 auf die aussichtsreiche Südseite zurückverlegt wird, und so wieder zu einer klare Raumhierarchie beiträgt. Über die Jahre hinweg hat der Dolder einige Umbauten erfahren. Die natürliche Eingangssequenz des originalen Grand Hotel Entwurfs ignorierend, wurde 1924 die Hauptzufahrt zugebaut und liess so die Besucher fortan einen aufpolierten Hintereingang benutzen.

 

Atemberaubende Sicht

In den 60er Jahren erhielt das Haus einen grossen Anbau im Westen und verlor die meisten seiner ursprünglichen Innenräumlichkeiten. Im neuen Entwurf von Forster & Partner kann der Gast wieder auf der prominenten Südseite eine Grande Arrivé mit atemberaubender Sicht über die Stadt, See und Alpen zelebrieren. «Die Zeit der Geheimnistuerei ist vorbei, man darf die ankommenden Gäste wieder sehen», sagt der Hoteldirektor.

 

Zwei neue Flügel

Der architektonische Eingriff von Forster besteht aus zwei neuen Flügeln, verbunden über einen verglasten Verbindungsgang und mit dem emblemartigen Dolder ‚screen’ umhüllt. Der Spa und der Golf Wing sind zu beiden Seiten des historischen Hotels an den Ballsaal hinter dem Altbau gekoppelt. Die voll verglasten Fassaden der neuen Hotelflügel ermöglichen aus jedem Zimmer eine Sicht auf Zürichsee und Berge. Der gerundete Ballsaal nördlich der Steinhalle ist mit dem Altbau durch einen diskreten Glaskorridor verbunden. Dies ist die einzige Stelle innerhalb der Gesamtkomposition, an welcher sich, wie bei einem ‚Kuss’, Alt und Neu physisch berühren.

 

Kongeniale Lösung von Alt und Neu

Die Geometrie (Formensprache) der neuen Elemente ist fluid und organisch, ihren Kurven folgen die ‚Screens’ mit dem speziell für das Dolder entwickelten Waldmotiv. So ergibt sich eine klare Ablesbarkeit des Neuen während der Farbpalette zugleich die Töne des Altbaus wiederaufnehmen, um mit diesem in der Gesamtkomposition zu harmonisieren. «Konzept war es, Erweiterungsbauten zu schaffen, welche das Bestehende zelebrieren, indem sie in respektvollem Abstand eigenständige, komplementäre Präsenz einnehmen», sagt ein Informant von Forster +Partners.

 

Baumbild-Schablonen

Eine Besonderheit an diesen Neubauten ist die Fassaden der neuen Flügel: Eine individuell wassergestrahlte Aluminium ‚Screens’ wickeln sich um die Fassaden der neuen Flügeln, des Verbindungsgangs sowie der Bahnstation und verleihen dem Dolder seine neue emblemartige Signatur und Identität. Dieser bezaubernde visuelle Filter bezieht sich in Form und Farbe auf die historische Hotelanlage; er entstand aus 14 verschiedenen Baumbild-Schablonen, eine Referenz an den umliegenden Wald. In erster Linie bilden die Screens Balustraden, einen energieeffizienter Sonnen- wie auch einen Sichtschutz in die Privatsphäre des Gastes. Die Einsicht hemmende helle Aussenseite und aussichtsfreundlichere dunkle Innenseite erzeugen einen ungewöhnlichen Lichteffekt, welcher an das Sonnen- und Schattenspiel in einem begrünten Wald erinnert.

 

Wegweisendes Energiekonzept

Der Energieverbrauch des Dolder Grand lässt sich trotz Verdoppelung der Nutzfläche von 20 000 auf 40 000 Quadratmeter dank Geothermie auf die Hälfte reduzieren. Die Erdspeichertechnik beruht auf der Idee der Wärmeverschiebung: Rund 70 Erdwärmesonden wurden dafür 150 Meter tief in die Erde versenkt. Die energieeffiziente Nachhaltigkeitsstrategie wird weiter durch eine hoch isolierte Gebäudehülle, Dreifachverglasungen und externer Verschattung gefördert. Als Ergebnis der nachhaltigen Planung verbraucht die neue Hotelanlage nur die Hälfte der Energie des ursprünglichen Gebäudes – oder anders gerechnet 75 Prozent weniger Energie pro Quadratmeter.

 

Rein logistisches Problem

Simeon gefragt, ob es bei diesem Umbau grosse Überraschungen gegeben habe, antwortet:  «Ja, wir mussten feststellen, dass die Bausubstanz noch viel schlechter war als wir angenommen haben. Das hat uns einige Franken gekostet.» Ansonsten habe es keine Schwierigkeiten gegeben. Auch die Nachbarschaft habe während der Bauzeit grosses Verständnis gezeigt und ihnen keine Steine in den Weg gelegt.

 

Auch die Gegebenheit, dass zuweilen bis 650 Leute auf der Baustelle gearbeitet haben, verursachte keine Probleme. «Das war ein rein logistisches Problem und eine Aufgabe der Bauleitung. Und diese hat die Aufgabe mit Bravour gelöst», resümiert der Vertreter der Bauherrschaft.

 

Text und Fotos: Roland Beck

 











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