Ein halber Nachmittag mit dem begeisterten Strassenbaupolier der Marti AG Solothurn, Hansueli Wyss unterwegs auf zwei Solothurner Baustellen.
Strassenbauprojekte in Solothurn mit Hansueli Wyss
Nr. 09/2008: Hansueli Wyss, Präsident der Sektion Solothurn von Baukader Schweiz, ist ein begeisterter Strassenbaupolier der Marti Tiefbau- und Strassenbau AG Solothurn. Das war nicht immer so. Doch sein Erstberuf durch die zunehmende Industrialisierung mit Fliessband gefiel ihm immer weniger. So fand er zum Bau, zum Strassenbau. Und war begeistert vom Platz weg. Vorerst als Maschinist. Dann folgten die Vorarbeiterschule, Polierschule und nach allen glanzvollen Prüfungen auch der noch anspruchsvollere eidg. Fähigkeitsausweis als Strassenbaupolier. Nun sind wir auf dem Weg zu seinem jüngsten Projekt. Strassenbau  sei heute hochkomplex geworden und werde zu Unrecht manchmal von anderen Baubereichen etwas gering geschätzt.

Vorerst sind wir auf dem Installationsplatz für die gerade abgeschlossene und eröffnete Westumfahrung von Solothurn, wo sich bautechnische Herausforderungen stellten weil sie durch Schwemm- und Moosgebiet hindurch führt. Schliesslich erwies sich die altbewährte Technik der Lagerung auf Baumstämmen als Lösung. Nämlich Stämme von Weisstannen. Und zwar alle aus der Region. Bleiben sie stets von Wasser umschlossen, halten sie unbegrenzt, wie ich vernehme. Nur wechselnde Phasen zwischen trocken und nass machen ihnen durch Fäulnis den Garaus. Doch nicht die Westumfahrung ist unser Ziel.

 

Das Strassenbauprojekt der Luzernstrasse B und C FLAMA A5 Zuchwil

Die Luzernstrasse ist eine wichtige Ausfallstrasse vom Stadtrand Solothurn in Zuchwil, die im Sinne einer Gesamterneuerung in zwei Etappen von 560 und 730 Metern während einer fast einjährigen Bauzeit saniert worden ist. Dazu zählen ausser den umfassenden Belagsarbeiten mit einem neuartigen Schwarzbelag, neue faserverstärkte betonierte Haltestellenplatten für die Busbetriebe, Schachtarbeiten, eine Verschmälerung der Fahrspuren von zwei Spuren auf eine Fahrspur zur optimierten Lenkung des Verkehrs. Damit wird dem Verkehr aber auch mehr Raum gegeben zu ihrer Sicherheit.

Es ist klar, dass auch neue Werkleitungen, vor allem auch elektrische Leitungen für die neuen Lichtsignalanlagen LSA, für neue Beleuchtungskandelaber, ebenfalls eingebaut wurden, verbreiterte Fahrradstreifen auf 1.5 Meter und Sanierung der Trottoirs mit neuen Deckbelägen. Zudem wurden auf der gesamten Strecke neue Randabschlüsse eingebaut, Schächte hochgezogen und neue Schlücke eingebaut.

Die neuen eingebauten LSA taugen zukünftig sogar, falls erforderlich, ein Verkehrsmanagement zur Steuerung des Verkehrsaufkommens.

 

Neue Haltestellen für die Busbetriebe

«Die bisherigen Busbuchten haben ausgedient und wir haben sie rückgebaut und die neuen faserverstärkten Betonplatten eingebaut.» Die metallischen Fasern werden je nach der gewünschten Mixtur beispielsweise 1 Kilo pro Kubik angeliefert und eingebaut. Bei den heutigen Belastungen der schweren Brummer und den entsprechend Fliehkräften werden auch die neuen oder sanierten Kreisel entsprechend betoniert.

Auf der Ausstiegsseite der neuen Haltestellen wurden Kasseler Sonderbord mit 18 cm Höhe eingebaut, an welche die Busse direkt heranfahren und so den Ein- und Ausstieg für Passagiere wesentlich erleichtern. Dies wird in Solothurn seit drei Jahren verstärkt verwirklicht.

Zwischen Strasse und Radstreifen und den Trottoirs werden Bäume gepflanzt als zukünftige Allee. An der Stelle des alten Zeughauses ist diese Allee nicht vollendet, weil  hier der Hauptsitz der  Synthes gebaut wird.

 

Neue Baustoffe im Strassenbau

Im Schwarzbelagsbereich zeichnet sich eine vergleichbare Entwicklung wie im Bereich der Betone ab. «Vorerst haben wir die Bindeschicht 7 cm tief abgefräst und eine 8 cm Bindeschicht neu eingebaut.» Als Deckschicht wurde ein RM 8 Stärke 2.5 cm eingebaut, ein Deckbelag mit Kunststoff, ein relativ neuartiger Belag, der auch seinen Preis hat. «Er ist hochqualitativ und geräuscharm. Zudem absorbiert das Wasser, so dass kaum Wasserfontänen hinter den Wagen aufspritzen.» Wichtig ist dabei, dass der Belag oberflächlich offen bleibt. Das heisst, dass er nicht mit Radwalzen, sondern Flachwalzen bearbeitet wird, damit das Korn nicht zerstört wird. So sollte er wohl  trotz sehr hohem Verkehr gegen 15 Jahren halten.

Zur Qualitätssicherung wurde der Belagseinbau immer wieder auf Temperatur und Dichte gemessen und durch Bohrkerne durch ein Baustofflabor geprüft.

 

Sicherheitsdispositive und hohe Sicherheitskultur der Unternehmung

Das wohl Spezielle an diesem Strassenbauprojekt ist wohl, dass es unter sehr hohem Verkehrsaufkommen ablief. Das erforderte ein spezielles Sicherheitsdispositiv und eine Sicherheitskultur. «Ich habe meine Leute immer wieder auf die wechselnden Gefahren seitens des Verkehrs aufmerksam gemacht, auch in der Mittagspause.» Immer wieder wechselnd wurde eine Fahrspur gesperrt und saniert. Dies musste auch stets wieder von der Kantonspolizei abgenommen werden. «Man spürt schon sehr merklich, wenn Autos an einem vorbeifahren, insbesondere natürlich die Lastwagen.»

Hansueli Wyss hat die Feststellung gemacht, dass sich die Automobilisten umso aufmerksamer und rücksichtsvoller verhalten, je häufiger die Durchfahrt sich verändert. Wenn sie sich daran gewöhnen, werden sich rücksichtsloser. Dies gilt aber auch für das Baustellenpersonal: Wenn sie sich daran gewöhnen, werden auch sie unaufmerksamer. Also gilt es immer zu warnen: Passt auf!

Während der Bauzeit wurde die Durchfahrt auf 60 Kmh beschränkt. Die Radarmessungen in vier Abschnitten, durch eine Tochterfirma der Marti AG Solothurn vorgenommen, hat gelegentlich bis 80 Fahrzeuge pro Stunde verzeigt. So hat es sogar einmal Hansueli mit seinem Transporter erwischt, als er zur schnellen Kontrolle vor Ort gerufen wurde.

Die Marti Solothurn AG, Tiefbau und Strassenbau, hat eine sehr hohe und vorbildliche Sicherheitskultur, Durch entsprechende Sicherheitskleidung bis zu Sicherheitsschuhen usw., jedoch auch durch Weiterbildungen verschiedenster Art, wie Baustellenabschrankung (durch Baukader Schweiz), mit der Polizei usw, auch zu Drogenfragen und weiteren Fragen der Arbeitssicherheit. Aber auch andere Themen wie Kurse für die neue Treibstoff-Verordnung und die Baustelle.

Schliesslich geht es ja auch um viel Geld für die Firmen, die hohe oder ein bisschen tiefere Prämien für die SUVA zahlen muss. So hat es auf der eigentlichen Baustelle keine nennenswerten Arbeitsunfälle gegeben. Hansueli Wyss ist aber klar, dass heute bei der totalen Mechanisierung der Bauprozesse die Gefahren nicht kleiner werden. «Wir haben heute für alles, was wir tun eine Maschine oder Bausysteme wie optimierte Spriess- oder Schalsysteme usw.» Zum Vergleich: Vor rund 35 Jahren beschäftigte Marti Solothurn noch 600 Bauleute, heute noch 150.

 

Nicht im Bauteam, sondern im peripheren Bereich zwei schwere Unfälle

Zwei schwere Unfälle, die nicht den Verantwortungsbereich von Hansueli Wyss betrafen, erforderten von ihm starke Nerven. Er hatte einen temporären Radladerfahrer vorschriftsgemäss angewiesen. Unbemerkt stellte sich ein fussfauler Kantonsangestellter vorschriftswidrig auf die Pallette des Radlagers, verlor das Gleichgewicht und geriet mit dem Becken unter ein Vorderrad.

Und ein Lastwagenfahrer liess beim Reinigen seiner Brücke, die Hand unachtsam auf der Kugelkuppe, als er unachtsam die Brücke wieder senken liess, so dass seine Hand fürchterlich bis auf Sehnen und Knochen gequetscht wurden. «Zum Glück reagiere ich nicht panisch und behalte ruhig Blut, mit Betreuung, Krankenwagen usw., aber es beschäftigt mich halt dann schon. «Der eine Verletzte hat mich zwei Tage danach angerufen und hat mir gedankt für meine ruhige Hilfe und dass ich sogar seine Frau angerufen habe.»

 

Wir Strassenbauer sind nicht immer geschätzt

«Nicht immer sind wir Strassen- und Tiefbauer gleichermassen geschätzt.» Denn immer wieder mal müssen sie einen Graben öffnen, für Wasser, Kanalisation, Werkleitungen wie Strom, TV, Internet etc. «Dabei wollen wir doch alle diese perfekten Dienstleistungen. Aber wir wissen schon, dass dies für die Leute dennoch manchmal als lästig empfunden wird. Aber meistens hilft es wunder, wenn ich mit den Leuten rede und den Vorgang erkläre.» Das zeichnet ihn ausser seiner hohen Fachkompetenz in seiner Begeisterung für seinen Job als Strassen- und Tiefbaupolier eben auch aus.

 

Wir danken Hansueli Wyss für den interessanten Nachmittag und auch, dass er uns an diesem garstigen Tag mit strömendem Regen sowohl im Bauwagen und später im Pickup der Marti AG einigermassen trocken hielt.

 

Text: Andreas Moning

Fotos: Hansueli Wyss und Andreas Moning

 

 

Kurz

Bauzeit: zehn Monate

Luzernstrasse B + C FLAMA A5 Zuchwil

Bausumme: 2',2 Mio. Franken

Bauherr: Bau- und Justizdepartement des Kantons Solothurn, Amt für Verkehr und Tiefbau

Bauleitung: Keller und Dällenbach AG

Bauführer: M. Flückiger, Polier H. Wyss

 

 








drucken | empfehlen | zurück | top