Editorial
Das darf nicht mehr sein!
Nr. 04 2009: Liebe Baufachleute

BAUKADER, die Fach- und Verbandszeitschrift von Baukader Schweiz, hat in zahlreichen Ausgaben in den «Arbeitstipps» davor gewarnt, unsachgemässe Grabenspriessungen mit zu beklagenden Opfern zu verhindern, weil hier eminente Gefahren lauern. Nun hat am 19. März 2009 bei einem Arbeitsunfall in einem 4 Meter tiefen Graben in Ecuvillens FR durch den Einsturz der Grube einen toten 49-jährigen Bauarbeiter und einen verletzten 27-jährigen Kollegen gefordert.

 

Immer wieder haben wir darauf hingewiesen, dass heute zahlreiche Anbieter von absolut sicheren Grabensicherungen auf dem Markt sind, die in solch tiefen Gräben oder Baugruben jeglichen Einsturz verunmöglichen. Wir kennen die näheren Sachverhalte des bedauerlichen Todesfalls nicht. Doch wir sind der Meinung, dass Verschüttungen in Gräben oder Baugruben zu 100 Prozent vermieden werden können.

 

Themenwechsel: Ob für inländische oder ausländische Unternehmer, die in der Schweiz bauen, gelten die allgemein gültigen Gesamtarbeitsverträge und die darin verbindlich festgelegten Löhne. Dagegen gibt es inländische- und ausländische Anbieter, die dagegen verstossen. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) hat die Aufgabe, die Einhaltung des Entsendegesetzes zu kontrollieren und die flankierenden Massnahmen zur Einführung des freien Personenverkehrs mit den EU-Staaten umzusetzen. Das Schwergewicht liegt hier in der Verhinderung von Lohndumping.

 

«Ausländische Betriebe haben in der Schweiz die gleichen Bedingungen wie Ansässige. In Branchen, die über einen allgemeinverbindlich erklärten Gesamtarbeitsvertrag (GAV) verfügen, überträgt das SECO diese Aufgabe den Sozialpartnern der Branche bzw. deren paritätischen Kontrollorganen sowohl im Bauhauptgewerbe wie auch im Holzbau.

 

Der Kontrollprozess beginnt, wenn bei einem Kanton eine Entsandtenmeldung eintrifft. Die Meldung einer ausländischen Firma umfasst die Angaben von Baustelle, Art der auszuführenden Tätigkeit und die Deklaration der eingesetzten Mitarbeiter. Sie muss mindestens acht Tage vor Arbeitsaintritt erfolgen. Dank dieser Meldungen, die unverzüglich an die Kontrollorgane weitergeleitet werden, ist es möglich, gezielt auch ausländische Firmen vor Ort zu kontrollieren. Die Kontrolleure sind durch dank eingehender Schulung und der ausgeklügelter Kontrollsoftware, bestens gerüstet für die Untersuchungen vor Ort.

 

Die dafür dienlichen Instrumente sind Unterlagen wie Lohnabrechnungen, Arbeitszeitapporte usw. Verstösse werden mit Konventionalstrafen und Kontrollkosten geahndet. Möglich ist als letztes Druckmittel, dem zuständigen Kanton zu empfehlen, eine fünfjährige Dienstleistungssperre in der ganzen Schweiz auszusprechen.

 

Im Bereich Holzbau wurden 2008 300 Baustellenkontrollen bei Entsendebetrieben mit rund 1000 Arbeitnehmern durchgeführt. Rund 70 Firmen mit Mindestlohnverstössen und 10 weitere mit Verstössen gegen den GAV Holzbau wurden verzeichnet.» (Aus: Schweizerische Paritätische Berufskommission Holzbau [SPBH] in Schweizer Holzbau 3/2009)

Vergleichbar ist das im Bauhauptgewerbe.

 

Das darf nicht mehr sein!

 

Allerdings zeigt sich im Bauhauptgewerbe und im Holzbau aus Perspektive der paritätischen Kontrollorgane, dass die Kontrollen der flankierenden Massnahmen zu greifen beginnen. Es zeigt, dass sich in der Schweiz ein sämtliche Baubranchen umfassendes, professionelles Kontrollnetzwerk etabliert, das von den jeweiligen Erfahrungen gegenseitig profitiert.

 

Das darf, ja das muss sein

Was hingegen sein darf sein, ja sein muss, ist ganz besonders in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten, die Mitgliedschaft in den Berufsverbänden wie Baukader Schweiz für die Baukader der Schweiz. Für umfassenden Schutz des GAV, Löhne, Rechtschutz  und vieles mehr. Das wissen unsere Mitglieder. Wir müssen bloss diejenigen davon überzeugen, die das noch nicht wissen und die nicht davon profitieren.

 

Herzliche Grüsse

 

Euer Andreas

 



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