Pro Tag werden 360 – 400 t Rüben/Std. zu Zucker
Am 4. November 2000 gingen die Baukader der Sektionen Biel und Umgebung und Grenchen auf eine süsse Tour: Gemeinsame Besichtigung der Zuckerfabrik Aarberg.Am 4. November 2000 gingen die Baukader der Sektionen Biel und Umgebung und Grenchen auf eine süsse Tour: Gemeinsame Besichtigung der Zuckerfabrik Aarberg.
Im Vorführraum der Zuckerfabrik werden wir Baukader von Herrn Köhli begrüsst und sehen anschliessend eine Diashow, welche den Ablauf «von der Rübe zum Zucker» aufzeigt. Danach begeben wir uns zum Rundgang der 1912 gegründeten Zuckerfabrik, welche heute während der Kampagne (Oktober – Dezember) pro Tag 360 – 400 t Rüben/Std. verarbeitet. Dies erfordert natürlich eine gut durchdachte Logistik, gilt es doch während der Kampagne nicht nur die Rüben anzuliefern (80 % Bahn, 20 % Strasse). Es müssen auch noch 40'000 t Zucker abtransportiert werden, da von den 100'000 t Zucker nur gerade 60'000 t in Silos eingelagert werden können.
Für die Bauern ist der Zuckerrüben-Anbau sehr lukrativ, da nur gerade 2/3 des gesamten Bedarfs für die Schweiz angebaut wird. Es entsteht also keine Überproduktion, der Preis bleibt stabil. Dennoch zahlt der Bund, zur Sicherung der Arbeitsplätze in der Schweiz, den Zuckerfabrikanten zirka 40 Mio. Franken an Subventionen, da der Preis für das Endprodukt Zucker vom Ausland mit zum Teil ökologisch fragwürdigen Fabriken diktiert wird. Während des Rundgangs sehen wir, wie die Rüben mit Hilfe von Wasserkanonen abgeladen werden und dann mit diesem Wasser transportiert und gewaschen werden.

RÜBENSCHNITZEL IM EXTRAKTIONSTURM, KALKMILCH UND KOHLENSÄUREGAS = ZUCKER
Danach werden die Rüben zu Schnitzeln verkleinert. Im Extraktionsturm erfolgt die Entzuckerung. Diese Flüssigkeit wird mit Kalkmilch und Kohlesäuregas vermischt, um die Ausfällung der Nicht-Zuckerstoffe zu bewirken. Der filtrierte und gereinigte Dünnsaft mit 14 % Trockensubstanz wird in der Verdampfstation zu Dicksaft von 70 % Trockensubstanz eingedickt. Wir erreichen die Kochsilos, wo unter Vakuum der Dicksaft weiter eingedickt und kristallisiert wird. Bei den Zentrifugen angelangt, haben wir das Glück, dass der Kontrolleur gerade zu diesem Zeitpunkt den Deckel öffnet und wir sehen können, wie der Kristallzucker mit Zentrifugalkraft von der Melasse getrennt wird. Von hier gelangt der gewonnene Kristallzucker via Trocknungsanlage auf Förderbändern in die Lagersilos. Abschliessend durchlaufen wir noch die Endproduktion, in welcher Würfelzucker, 3-7 gr. Sachets und eine beachtliche Menge von 1 kg Säcken abgepackt werden. Dies aber geschieht vor allem während den Monaten Januar – September.
Nach dem Erhalt eines Präsents, bedanken wir uns bei Herrn Köhli für die interessante Besichtigung und begeben uns um 12.00 Uhr auf den Heimweg. Was besichtigen wir als Nächstes, vielleicht eine zuckersüsse «Schoggifabrik»?

Text und Foto: Bernhard Schlegel
Fotos Zuckerproduktion: Zuckerfabrik Aarberg


EIN WENIG BOTANIK
Die Zuckerrübe gehört wie Krautstiel, Randen und diverse Unkräuter zur Familie der Gänsefussgewächse (Chenopodiaceen). Sie ist grundsätzlich eine zweijährige Pflanze, die im ersten Jahr in der Wurzel Zucker als Reserve einlagert und im Folgejahr Samenanlagen bildet. Für die Zuckergewinnung erfolgt die Ernte im ersten und für die Samenproduktion im zweiten Jahr.
Durch Selektion neuer Sorten konnte der Zuckergehalt der einstigen Runkelrübe oder Futterrübe von 10 % im Laufe der Jahre zu einer Zuckerrübe mit durchschnittlich 16 % angehoben werden.

VORKOMMEN:
Die Zuckerrübe gedeiht bis auf 700 m.ü.M. Sie bevorzugt mit ihrer Pfahlwurzel tiefgründige, tonreiche und lehmige Böden. Sie verträgt keine schlechten Bodenstrukturen, Staunässe und Verdichtungen.

ZUCKERRÜBEN VERBESSERN DIE ATEMLUFT:
Zuckerrüben erzeugen pro Flächeneinheit mehr Sauerstoff und nehmen mehr CO2 auf als andere Kulturen, mehr als die gleiche Fläche Wald.

ZUCKERRÜBEN SCHÜTZEN DAS GRUNDWASSER:
Bedingt durch die späte Erntezeit entzieht die Zuckerrübe dem Boden bis in tiefe Schichten sehr viel Stickstoff. Ihre Pfahlwurzel wächst bis zu 2 Meter in die Tiefe. Dies führt zu einer deutlichen Verminderung der Nitratauswaschungen während den Wintermonaten.



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