Lehrabschlussprüfungen mit 300 Berufskandidaten an den Maurerlehrhallen Sursee.
Maurer - ein Beruf der kognitive und handwerkliche Fähigkeiten fördert
Einmal mehr gaben rund 300 Prüfungskandidaten aus 11 verschiedenen Kantonen in den Maurerlehrhallen Sursee ihr Bestes. Dort wurden in den vergangenen Wochen die ordentlichen Lehrabschlussprüfungen der Maurer durchgeführt. Doch nicht nur die Kandidaten waren gefordert, steht doch hinter den Prüfungen ein enormer administrativer Organisationsparcours.

Das Material - offeriert von zahlreichen Gönnern - muss bereit stehen, es muss geplant sein, wann wo welcher Lehrling arbeitet oder das Prüfungsgespräch absolviert, es muss klar sein, welcher Experte zu welchem Zeitpunkt im Einsatz steht und die Verpflegung und Unterkunft der Kandidaten und Experten muss gewährleistet sein. Zusätzlich entwarfen Instruktoren vorgängig - gestützt auf das Reglement über die Durchführung der LAP - die Prüfungsobjekte. Diese müssen alle vorgeschriebenen Details enthalten und gewisse Schwierigkeitsgrade aufweisen. Experten klassieren darauf Vorschlag für durchführbaroder nicht und geben Verbesserungsvorschläge ab bis schlussendlich der Chefexperte Urs Waldispühl das ausschlaggebende Einverständnis abgibt und der Entwurf zum Prüfungsobjekt wird.

Es wird Zeit für einen Imagewechsel

Studiert man zusätzlich den Aufwand seitens der Maurerlehrhallen die Jahre vor der Prüfung, wird die Seriosität der Ausbildenden bezüglich Unterrichtung und Sicherheit der Lehrlinge transparent - diese Komponenten sind ständigen Überprüfungen und Novationen unterworfen - und man kommt schnell zur Erkenntnis: Es wird Zeit für einen Imagewechsel des Maurerberufes. Es wird Zeit für ein Umdenken bezüglich des Gespenstes, das in vielen Köpfen umhergeistert, der Maurer sei ein fluchender, biertrinkender Arbeiter, der mit kaputtem Rücken frühpensioniert werden müsse.

Attraktiver Beruf, der für komplexe Bauobjekte Kompetenz mit Kopf und Hand verlang

Beweis für diese Behauptung brachten die diesjährigen Lehrabgänger. Bevor sie sich während fünf Stunden schriftlichen und mündlichen Prüfungen bezüglich Berufskenntnisse stellten, waren die praktischen Kenntnisse gefragt. Die Kandidaten mussten in der Lage sein, innerhalb von 15 Arbeitsstunden ein Mauerwerk zu erstellen, das sogenannte Masterobjekt, welches unter anderem drei Versetzarbeiten enthielt, einen Stahltonsturz, einen Durchblick und einen applizierten Grundputz. Beeindruckend war auch das Schalungsobjekt, das in fünf Stunden fertiggestellt sein musste. Die Prüflinge erstellten aufgrund eines Planes eine Schalung für ein Einlaufbauwerk, dessen Schwierigkeit vor allem darin bestand, den Eckbund mit dem Ratioschalsystem gekonnt zu meistern.

Optimale Berufsaussichten

Wenn auch nicht alles für Bauberufe spricht, spricht trotzdem einiges dafür. Ein ganz wesentlicher Faktor bei der Berufswahl muss die Weiterbeschäftigung nach Ablauf der Lehrzeit sein.

Eine Umfrage unter den rund 300 Prüfungsabsolventen hat ergeben, dass kein einziger bangt, nach Auslauf des Lehrvertrages eine Anstellung zu erhalten. Knapp 80% der Befragten haben eine gesicherte Anstellung oder zumindest eine mündlich zugesicherte Anstellung angegeben. Die Übrigen gut 20% haben noch keine diesbezüglichen Bemühungen getroffen, sei es weil sie vorerst die Rekrutenschule absolvieren wollen oder sonst aus verschiedenen Gründen eine Pause einschalten wollen.

Dringender Bedarf an kompetenten Nachwuchskräften

Das Baugewerbe braucht dringend junge Nachwuchskräfte, sei es auf der Baustelle oder in Kaderpositionen als Polier oder Bauführer. Dies ist ein deutliches Zeichen, dass Fachleute im Bauberuf trotz Wirtschaftsflaute, begehrte Leute sind. Die Beweisführung für die Wertschätzung des Berufes lässt sich übrigens bis nach Bundesbern ausweiten: Der Gesetzgeber stellt dem Maurer nämlich ein gesetzliches Pfandrecht zur Verfügung, das Bauhandwerkerpfandrecht (Art. 837 ZGB). Er argumentiert, dass der Bauhandwerker durch seine Arbeit regelmässig zu einer Wertvermehrung von Grundstücken und Bauten beiträgt - letztendlich also durch sein Können einen wichtigen Beitrag zum Volksvermögen leistet.

Text und Fotos: Christa Bucher

 



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