Die Spezialschalungen mit komplexer Geometrie für das Turbinenhaus erfordern eine äusserst genaue Justierung und sorgfältigste Eisenbetonarbeiten, denn bei diesem Projekt ist quasi Nulltoleranz gefordert.
Massarbeit Betonbaukunst: Kraftwerk Kappelerhof Baden und die Plyfa AG Unterägeri für Spezialschalungen (2. Folge)
Eine Binsenwahrheit: Wer im Fluss baut, muss mit dem Fluss arbeiten. Doch sie bestimmt die Bauprozesse nachhaltig. Je nach Bauentwicklung des Turbinenwerks und der Wehrfelder müssen die Spundwände neu gerammt oder entfernt werden. Zurzeit ist der raupengängige Rammbolide mit dem Rammmeister der Zschokke AG wieder voll am Werk, was mit Lärmimmissionen und Vibrationen verbunden ist. Der für die Bauführung verantwortliche Polier Rolf Seeholzer achtet denn auch minutiös über die Einhaltung der Ruhezeiten. Zudem ist ihm auch die direkte Kommunikation mit der Bevölkerung ausserordentlich wichtig.
Speziell im Bauprojekt der Limmatkraftwerke AG ist unter vielem anderem wie bereits dargestellt die Baustelleninstallation insbesondere mit der Dienstbrücke mit 60 Tonnen Tragkraft, da die Baustellenbestückung ausschliesslich von der Flussseite von Baden erfolgen muss. Das hatte jedoch auch zur Folge, dass die Granitblöcke für den Böschungsbau in einer Parforceleistung mit dem Löffelbagger über die Limmat gewuchtet wurden. Sehr speziell ist, wie Rolf Seeholzer erläutert, der Einbau der insgesamt 350 Meter langen Drainageleitung mit einem Schluckvermögen von 1200l/s entlang der Mehrhalde entlang dem rechten Ufer der Limmat. Damit kann die Mehrhalde trocken gelegt werden. «Nötigenfalls kann das Wasser gesammelt und ins Unterwasser abgeleitet werden, und bei einem Hochwasser mittels Drainagepumpwerk. Dies ist eine Massnahme, damit durch den neuen Staubereich der Grundwasserspiegel für die Anrainer nicht ansteigt und Kellerräume Wasserprobleme erhalten könnten. Doch zurzeit ist sie knochentrocken.»

Eine Genauigkeit, die auf Baustellen nicht üblich ist  

«Die Genauigkeit, die wir haben müssen, ist schon sehr speziell. Die Eisenbetonarbeiten zum Beispiel beim Einlauf in dieser Genauigkeit sind speziell und es ist toll, dass wir dies hier zum ersten Mal machen können. Rolf Seeholzer als begeisterter Bauprofi mag es auch, dass die Abläufe hier ebenso sehr komplex, wie vielfältigst und ausserordentlich anforderungsreich sind. Das versteht sich bei diesem Bauprojekt von selbst. Da ist der für die Bauführung verantwortliche Polier nicht selten auch mal am Sonntag auf der Baustelle. Und im Wechsel ist auch Pikettdienst nachts angesagt für mögliche Notfälle. Mit solcher Baustellenverantwortung lässt sich nicht nach Stechuhr arbeiten!

Zur absoluten Genauigkeit: Quasi andauernd sind Abnahmen fällig. Seitens der Vatech Hydro AG über die Achse auf den Millimeter. Doch alles passte absolut genau. «Auch beim Saugrohr haben wir lediglich eine Toleranz von maximal 2 Millimetern.» Beim 14.5 Meter langen Wehrfeld darf höchstens nur wenige Zentimeter abgewichen werden. «Nein unruhig werde ich keineswegs. Wenn man sich auf die Schalung der Plyfa AG verlassen kann und die Schalung sauber nach Plan gearbeitet ist.»

Tonnenschwere Nulltoleranz  

Es ist auf der Baustelle schon eindrücklich, wenn die tonnenschweren Spezialschalungselemente 7 Meter im Durchmesser und 8.5 Meter Breite via Kran ins Lehrgerüst im Turbinenhaus gesetzt werden. Dann geht Paul Imhof mit seiner Kraftwerkerfahrung, verpflichtet durch die Zschokke AG, ans millimetergenaue ausrichten und die Justierung der Spezialschalungselemente (je nach Baufortschritt in Abständen mit Böcken und Bügeln ans Werk. Das ist trotz absoluter Massgenauigkeit des Elements in der Montage Knochenarbeit mit allen notwendigen Kniffs und Tricks, weil vielleicht ein Gerüstteil ungeplant vorsteht usw. ... Man staunt schlicht auf der Baustelle, dass tonnenschwere Elementteile auf den Millimeter genau justiert werden können! Auch absolute Präzision des Kranführers ist erforderlich. Selbstverständlich wird auch der jeweilige Schalungsbereich des Turbinenhauses jedes Mal vom Vermessungsingenieur abgenommen.

Absolute Flexibilität der Bauführung erforderlich  

«Man hat eine bestimmte Vorstellung in der AVOR wie wir es machen können, dann ist aber wieder das Wasser zu hoch. Oder der Einbau der Böden ist zu trocken oder zu nass usw.. Die grosse Unbekannte ist stets, wie bringen wir das Wasser weg für die nächsten Bauwerkteile. Das ist jedoch spannend, das ist das Schöne, die flexible und umfassende Koordination.» Sie macht ihm ganz offensichtlich Spass, «seine» Baustelle! «Man muss auch damit leben können, dass einmal was schief gehen kann, dann muss man dafür auch gerade stehen können.» Dann muss der Schaden behoben werden. «Doch wir blieben weit gehend verschont.»

Hervorragende Zusammenarbeit  

Ausgesprochen interessant und optimal gestaltet sich die Zusammenarbeit mit dem Ingenieur Müller der Maggia AG. «Wir sind sehr interessiert, dass wir kostengünstig bauen können, dass jedoch die Qualität keineswegs leiden darf. Die gemeinsamen Sitzungen dauern oft von 07.00 morgens bis abends um 22.00 Uhr. Wir betrachten zu zweit die Abläufe drei- bis viermal, was haben wir an Möglichkeiten haben. Das ist sehr anstrengend, aber sehr interessant. Diese enge Zusammenarbeit ist für mich einmalig. Es wäre schön, wenn es immer so wäre. Ingenieur Müller des Ingenieurbüros Maggia AG hat eine riesige Erfahrung, von der wir viel profitieren können. Das ist sensationell».

Die Bauführung als Kommunikator und PR-Verantwortlicher  

Selbstverständlich haben die Limmatkraftwerke viel Informationsarbeit für die Bevölkerung geleistet. Denn anfänglich war Skepsis angesagt. Auch der WWF musste überzeugt werden. Und der Umweltverträglichkeitsprüfung war Genüge zu leisten. Zudem wurde die ETH für umfassende Strömungsmodelle und Strömungsverlaufe verpflichtet usw. (ein Thema für sich!). «Mit ganz wenigen Ausnahmen haben wir heute ein sehr gutes Einvernehmen mit der Bevölkerung. Das Echo ist jetzt sehr gut.

Informationsabende waren angesagt, eine regelmässige Zeitung erscheint, Informationstafeln auf der Baustelle beidseits der Limmat sind stets aktualisiert. Natürlich gibt’s auch etwa Telefone, wenn gerammt werden muss, das gibt halt Vibrationen. «Sehr viele Badener und Ennetbadener kommen heute vorbei auf die Baustelle und interessieren sich sehr. Diese Zeit nehme ich mir gerne, das ist absolut wichtig. Wir wollen, dass die Leute überzeugt sind, dass wir ein tolles Projekt machen wollen. Wir haben keine Geheimnisse, es ist schön, wenn die Leute kommen. Und ich mache das gerne. Ja wir sind im Schaufenster.» Es trifft sich auch alle sechs Wochen eine Begleitkommission, in welcher unter anderem der Kanton, aber auch die Anrainer vertreten sind, wo Fragen auch bauseitig ausdiskutiert und beantwortet werden. Für einige Anwohner gibt’s natürlich etwas mehr Publikumsverkehr Erholung Suchender, denn es bildet sich im Staubereich ja ein neuer See, der auch zu Badefreuden verlockt.

Behutsam werden die Bäume gerodet, die zukünftig im Staubereich ohnehin untergehen werden. Dies in Etappen, um die Bevölkerung nicht unnötig aufzuschrecken. Auch die Zusammenarbeit mit der Bauherrin, der Limmatkraftwerke (Herr Kunz) und allen weiteren Projektpartnern und innerhalb der ARGE ist Rolf Seeholzer hochgradig

Sicherheitsdispositiv und stete Ausbildung Arbeitssicherheit bei Zschokke  

Sicherheitsaspekte auf der Baustelle sind für Rolf Seeholzer tägliches Brot: Alarm- und Notfalldispositive nach Standard. Doch hier sind auch Rettungsboot, Schwimmwesten, und eine Ölsperre im Unterwasser Zusatz. Wir haben hier auch eine Birne im Einsatz, die allenfalls Wassereinbruch überwacht. Wenn sie anschlägt, heisst es Alarmbereitschaft, die für mich zum Job gehört. Wenn aber später Maschinenteile drin sind, gehen wir kein Risiko einer Überflutung mehr ein. Dann werden wir Dammbalken drin haben.

Die Zschokke AG hat ein vorbildliches Weiterbildungskonzept für ihre Bauteams. Jeden Monat findet eine Weiterbildungslektion in Sachen Arbeitssicherheit für alle Bauarbeiter durch ihre Poliere statt. «Dazu gehören Themen wie Lasten optimal und sicher angehängt werden, Gehörschutz, Sonnenschutz, Vermeidung von Stürzen und allgemeines Sicherheitsbewusstsein bei den Leuten usw.» Dieses Konzept der Zschokke AG verzeichnet signifikant weniger Unfälle und weniger Ausfallstunden. 

Im Bauprojekt Erweiterung der Limmatkraftwerke wurde verbaut:

14'000 Kubik Beton
770 Tonnen Armierung
6000 Tonnen Granitblöcke
30'000 Kubik Aushub, 15’000 Kubik abgeführt aus Wehrfelder und Maschinenhaus und durch die tiefere Flusssohle.
900 Tonnen Spundwände.
250 Tonnen Stahl für Spriessung der Baugrube.
200 Tonnen Stahl für Dienstbrücke
40 Anker, davon 15, die stationär drin bleiben mit Korrosionsschutz, ausgelegt auf eine Lebensdauer für 100 Jahre.

Im Bereich des Grundwassers wurde bei Injektionen stets ein Sack eingesetzt. 

Szenenwechsel: Fahrt zur Plyfa AG in Unterägeri Nun geht die Fahrt mit Paul Imhof vom Limmatkraftwerk in Baden, wo die tonnenschweren Spezialschalungen der Plyfa AG zum Einsatz kommen, nach Unterägeri, wo uns der Firmeneigner der Plyfa AG, Urs Wüthrich, herzlich empfängt. Vorerst besprechen er und Paul Imhof fachsimpelnd Montagedetails und einige kleine Probleme und Schwierigkeiten der Montage der Spezialschalungen des Turbinenhauses.

Text: Andreas Moning Fotos: Paul Imhof, Andreas Moning

Lesen Sie weiter über die Spezialschalungen und weiteren Unternehmensbereiche der Firma Plyfa in Baukader 04 2005

 

 








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