Die Sektion Zofingen von Baukader Schweiz nimmt Einblick in die faszinierende Produktionshalle des Holz-Tragwerkelementenspezialisten.

Zu Besuch bei der Roth Holzleimbau + Stahlbau AG in Burgdorf


Schon das Brettschichtholzlager, also die Holzlamellen, stapeln sich bis an die hohe Decke, erzeugt Staunen. 18 000 Kubik Holz lagert hier als hochwertiges Brettschichtholz. In der Qualitätsprüfungs-Anlage vor der eigentlichen Produktion der Tragwerk-Konstruktionen prüft ein erfahrener Holzspezialist jede Holzlamelle auf seine Qualität und sondert mangelnde Qualität aus, versieht sie je nach Auftrag mit Daten eines Barcodes. Dieser enthält alle Daten gemäss Kundenangaben oder Angaben von Planern usw. Dieser Barcode läuft mit dem entstehenden Produkt bis zur Auslieferung mit. Die Qualität der Holzlamellen ist der Anfang der hohen Qualität der Holztragwerkprodukte von Roth als führendem Lieferanten Tragwerkelementen.

Zertifizierung gewährleistet höchste Qualität
Seit dem Jahr 2000 ist die Roth Holzleimbau + Stahbau AG ISO zertifiziert. Dadurch haben die Kunden die Gewissheit, dass nach klar definierten Arbeitsläufen gearbeitet wird und so eine höchst mögliche Qualität und Sicherheit geboten wird, wie Lehnherr orientiert. Roth liefert europaweit.
Roth ist spezialisiert auf die Planung und Herstellung sowohl im konventionellen Zimmereibereich von komplexen Ingenieurholzbauten. Die hohe Qualität fusst gemäss Franz Lehnherr einerseits auf erfahrenen und motivierten Mitarbeitern, aber andererseits auch auf dem neuesten Stand der Technik befindlichen Infrastruktur. Bei der Betriebsbesichtigung wird dies offensichtlich, seien es die verschiedensten grossen Ständerpressen, die Trocknungsanlagen, und vor allem auch die augenfälligste grosse modernste hydraulische Bogenpresse, die minutiös eingestellt werden kann. Ganz zu schweigen von der eigentlichen Konstruktionshalle, wo die Tragwerkskonstruktionen montiert und in der Hoblerei gemäss Barcode endverarbeitet werden.
Hier sind schwere Holzleim-Tragwerkelemente und eine schwere und lange Holzbrücke eines Privatkunden in der Endverarbeitung. Spätestens hier wird sichtbar, was Lehnherr darauf hingewiesen hat: «Nur hohe Qualität des Brettschichtholzes sichert die Qualität der Produktion der Tragwerkelemente.»

Reiche Produktpalette
Roth liefert gemäss Vorgaben kommissionierte Brettschichtholzträger in unterschiedlichen Formen und Oberflächenqualitäten für nicht sichtbare Tragkonstruktionen oder für ästhetisch anspruchsvolle Sichtkonstruktionen bis zu einer Länge von 36 Metern pro Werkstück. Seien dies Boden- und Deckenelemente im Wohnbereich oder Geschossdecken von Industrie- und Landwirtschaftsbauten.
Die geraden Tragwerkelemente oder die Bogenträger in Brettschichtholz bieten Planern, Architekten und Ingenieuren fast unbegrenzte Möglichkeiten mit den fertig abgebundenen, montagefertigen Elementen. Roth unterstützt mit weitreichem und erprobtem Engineering Know-how bei der Konstruktion und Planung des Tragwerks, wo dies erforderlich und erwünscht ist. Zudem führt die Roth AG im Haus eine eigene Stahlbau-Abteilung. Denn nicht selten werden auf Wunsch Verbindungselemente in Holz und Stahl mitgeliefert und in den Bauteilen vormontiert, wie Franz Lehnherr erläutert. Stahl bildet zu Holz oft eine hervorragende Ergänzung. In der Stahlbauabteilung bemisst, konstruiert und fertigt Roth auch reine Stahlkonstruktionen.

Die Brettschichtlamellen oder der Rohstoff
Den Rohstoff bezieht die Roth AG laut Lehnherr vorwiegend aus der Schweiz von leistungsstarken Sägereien in der West-, Zentral- und Ostschweiz hauptsächlich in Fichte und auf Wunsch auch in Lärche. Für den sichtbaren Innenbereich (BSH) werden Hölzer aus den besten Wuchsgebieten von Norwegen, Finnland und Schweden verwendet. Deren Oberflächen besticht durch Ihre Feinjährigkeit, Klein- und Verwachsenastigkeit. Die Lieferungen werden in der Regel über die Bahn spediert.

Der Produktionsweg
Nach der technischen Trocknung auf zehn Prozent Feuchtigkeit und der Qualitätsprüfung der Rohlamellen werden je nach Auftrag die Lamellen miteinander mit einer Leimspur (Polyurethanleim) auf der Fläche versehen und gerade gepresst (Ständerpresse vertikal). Die kontrollierte Trocknung verhindert Schwinden und Rissbildungen in den Holzlamellen. Die beleimten Lamellen werden automatisch in die Presse gefahren. Je nach Leimart variiert die Presszeit. Bei Balken wird die nach aussen gewendete Herzseite des Holzes eingesetzt, was die Formstabilität erhöht, wie Franz Lehnherr erklärt.

Die eindrückliche Bogenpresse horizontal
Das Ingenieurteam der Roth AG übermittelt für die gebogenen Tragwerkkonstruktionen die Koordinaten dem Leitrechner. Der Leitrechner übergibt via Funkstrecke dem Einstellwagen das Einstellprogramm. Der Einstellwagen stellt das Pressbett automatisch ein. Er fährt jeden Ständer an, löst ihn und bringt ihn auf die neue Position. Das Pressbett von 28 Meter (72 Ständer) sind in 45 Minuten verstellt. Die beleimten Lamellen werden als Binderpaket in das Pressbett gelegt und von hinten hydraulisch verpresst, wie Franz Lehnherr erklärt.

Hoblerei und das Abbundteam
Die Brettschichtholzträger werden generell durch einen Barcode während der Produktion überwacht. Das gilt auch für den Hobelmeister, der den Barcode einliest. Dann wird die bestellte Dimension automatisch eingestellt. Danach bearbeitet das Abbundteam die Träger millimetergenau. Die Konstruktionen werden mit allen gewünschten Zubehörteilen montagefertig auf die Baustelle geliefert. Roth liefert die montagefertigen Bauteile zum Kunden und auf die Baustelle «just in time».

Angeregte Diskussionen beim Apéro
Die Baukader der Sektion Zofingen zeigen sich in der Betriebsbesichtung ausgesprochen interessiert, denn nicht selten ergeben sich durchaus interessante Kombinationen in Projekten mit dem Bauhauptgewerbe und Holztragwerkträgern. So nutzen die Baukader den Apéro für Detailfragen und angeregte Diskussionen. Sektionspräsident Daniel Gerber bedankt sich schliesslich für die ausführliche Betriebsbesichtigung, für die der Geschäftsführer Franz Lehnherr sich viel Zeit genommen hat. Wir lassen hier aber vor allem auch die Fotos sprechen.

Text und Fotos: Andreas Moning






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