Karetten-Rallye und Asphaltstampfen in Sursee


Leonie, Jessica und Anja versetzen zwar keine Berge, aber Randabschlüsse.

Ein Riesenpylon weist auf dem Campus Sursee den Weg zu „Mädchen – bauen – los!“ im Rahmen des Zukunftstages am 13. November 2014. Und tatsächlich ein paar Schritte weiter sind rund 35 Mädchen aus der Region Luzern dabei, die Bauwelt zu entdecken. Ivan Rothenbühler, Ausbildern an der Berufsfachschule Verkehrswegbauer hilft ihnen dabei.

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In der ersten Halle der Berufsschule für Verkehrswegbauer in Sursee hat Ivan Rothenbühler, Ausbildner und zuständig für den heutigen Tag, mit seinem Team einen spannenden Parcours aufgebaut. Am Posten 1 bei Ausbildner Albert Liebi ist Baggerfahren angesagt. Es braucht Feingefühl, das am Bagger befestigte Senkblei in die verschiedenen Vertiefungen zu platzieren. Und da wird auch schon klar: Die Mädchen beweisen Feingefühl und sind bei dieser Aufgabe vielleicht sogar etwas schneller als die Jungs. Bei Posten 2 ziehen Leonie, Anja und Jessica Knieschoner und Handschuhe an. Hier werden Randabschlüsse versetzt und die drei Girls machen das mit grossem Engagement. „Wow, deine Steine sind ja superschön platziert!“ sagt Leonie zu Jessica. Und tatsächlich: Jessica gibt nicht auf und schaut, dass jeder Stein sitzt. Die beiden männlichen Zaungäste, Auszubildende im 1. Lehrjahr, fragen, wie alt die Mädchen denn seien. „7. Klasse? Dann machen die das aber sehr gut. Und versetzen in Beton wäre ja dann auch einfacher, als wie hier im Sand.“

Weiter geht’s zu Posten 3, bei dem „Nivellieren“ die Aufgabe ist. Bei Posten 4 geht’s gerade hoch her. Ausbildner Rolf Theiler, steckt seine Tochter Vivienne in die Karette und fährt los. Rallye ist hier angesagt. Bei Posten 5 geht’s etwas ruhiger zu und her. Auf einem Schaltafel-Boden ist ein Bau-Memory bereit. Egal an welchem Posten, die Mädchen sind eifrig daran, Bauluft zu schnuppern.

Aber als Ausbildner Rothenbühler ruft „Achtung! Letzte Chance, ein Stück Strasse zu asphaltieren!“, kommt Bewegung in die Truppe. In der nächsten Halle sind die Auszubildenden am Werk und lassen sich gerne von den Mädchen helfen. Asphalt fliesst aus dem Lastwagen in die Karette, wird zum Bauplatz befördert und dort steht es bereit, das typische Handwerkszeug für Strassenbauerinnen und –bauer: Der Belagsschieber, oder wie die Profis sagen, die Krucke, und die Belagsschuhe. Dies sind archaisch anmutende Holzböden mit Lederriemen, die an die eigenen Schuhe angeschnallt werden. Die Mädchen feuern sich gegenseitig an, schön zu stampfen und Ausbilder Theiler schmunzelt und sagt: „Die stampfen ganz von selbst immer schneller, sobald die Fusssohlen warm werden.“ Und tatsächlich, neben dem Dampf und dem Geruch des Asphalts spürt man hier auch die Wärme und die eine oder andere Jacke wird ausgezogen.

Der Nachmittag geht seinem Ende entgegen. Eine Schlange hat es nach wie vor bei Posten 1, dem Bagger-Geschicklichkeitsposten. Ivan Rothenbühler nimmt sich Zeit. Es ist ihm wichtig, dass alle Mädchen diesen Posten absolvieren können. Überhaupt ist er stolz darauf, dass an der Berufsfachschule Verkehrswegbauer engagierter Nachwuchs ausgebildet wird. Davon in allen drei Jahrgängen rund 15 Frauen. Man sehe sofort, ob eine oder einer für den Verkehrswegbau gemacht sei, und das nicht daran, dass er aussehe, wie ein Schwinger oder eine Schwingerin, sagt er. „Viel wichtiger ist, dass Verkehrswegbauer anpacken und im Team arbeiten können.“ Natürlich braucht es, wie in allen Bauberufen, physische und psychische Robustheit, aber ob Mann oder Frau, das spielt in der Regel keine Rolle.

Rothenbühler trommelt die 35 Teilnehmerinnen noch einmal zusammen und macht mit ihnen einen kurzen Besuch bei den Auszubildenden im 1. Lehrjahr. Er fragt in die Runde, was denn der Vorteil an einer Lehre im Verkehrswegbau sei. Und ein Auszubildender bringt das fehlerfrei auf dem Punkt: „Abwechslungsreiche Arbeit, frische Luft, guter Lohn und gute Aufstiegsmöglichkeiten.“ Weiter geht es zum Riesenpylon fürs Gruppenfoto und anschliessend zurück in den Schulungsraum. Auf dem Weg frage ich Leonie und Anja, ob sie sich eine Lehre auf dem Bau denn nach dem heutigen Tag vorstellen könnten. Leonie weiss es noch nicht. Was sie aber weiss, ist, dass sie draussen arbeiten möchte. Anja meint: „Ja, aber wohl eher als Maurerin.“

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„Mädchen – bauen –los!“

„Mädchen – bauen – los!“ ist ein Projekt von Baukader Schweiz im Rahmen des Nationalen Zukunftstages. Bei der Durchführung wird Baukader Schweiz vom Schweizerischen Baumeisterverband unterstützt. Dieses Jahr waren rund 200 Mädchen dabei. Wir danken folgenden Ausbildungsstätten für ihr Engagement:

Weitere Informationen:
www.baukader.ch
www.baumeister.ch
www.nationalerzukunftstag.ch

 


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