Ballett der Giganten auf dem Flughafen Zürich


Von März bis Oktober 2014 wird ein 22.5 m breiter Streifen der Hauptlandepiste 14-32 des Flughafens Zürich einer Totalsanierung unterzogen. Ein ganzer Tross von Baumaschinen setzt sich nach dem Start des letzten Flugzeugs um 22.00 Uhr in Bewegung und leistet ganze Arbeit mit einer perfekten Choreographie. Bis um 06.20 Uhr die Flugzeuge wieder die Hauptrolle spielen.

In Reih und Glied stehen Sie bereit, die rund 50 Spezialfahrzeuge der ARGE Midnightspeed. Die Fahrer und Bauprofis tauschen sich aus, trinken einen Schluck Wasser, lachen über einen Witz. Hinter den Bäumen brummt es: „Das war wohl das Letzte.“ sagt einer der Männer. Der für die Sicherheit Zuständige des Flughafen Zürich zeigt mit dem Damen nach oben und lotst den Tross zur Baustelle von heute Nacht: Eine von 48 Etappen für die Erneuerung der Hauptlandepiste 14-32.

Die Nacht wird zum Tag

Und dann geht es unglaublich schnell. Während ringsherum die Nacht hereinbricht, werden auf der Piste Scheinwerfer montiert, gigantische Lärmschutzwände heruntergeklappt und jede Baumaschine – vom Abbauhammer bis zum 39-Tonnen-Dumper - hat ihren Auftritt. Auch Manpower braucht es einige: rund 85 Bauprofis sind an der Arbeit. Dass bei diesem Gewusel alles rund läuft, dafür sind unter anderen Marcel Albisser und Ueli Huber zuständig. Aber Bauführer Huber winkt ab: „Nicht mich müssen sie fotografieren, sondern diejenigen, die am Arbeiten sind“. Auf die Frage, ob dies heute Nacht denn nicht Arbeit sei für ihn, erklärt er: „Es braucht mich, falls etwas schiefgehen sollte“ Gross reagieren könne man vor Ort nicht mehr. Perfekte Planung sei unabdingbar. Und gutes Wetter natürlich.

Perfekt vorbereitet sind die Profis auf dem Platz. 2008 haben sie bereits bei der Sanierung der Piste 16-34 mitgewirkt und dabei wertvolle Erfahrungen gesammelt. „Viele unserer Fahrer und Bauprofis sind auch diesmal wieder mit dabei.“, sagt Huber. „Und mit dem Wetter hatten wir bis jetzt auch sehr viel Glück“, ergänzt er. Nur fünf Nächte habe es so stark geregnet, dass der Belag zu schnell abgekühlt wäre und deshalb nicht gearbeitet werden konnte.

Perfekte Choreographie

Die Piste 14-32 wurde vor 38 Jahren neu gebaut. Bei einer Lebensdauer von durchschnittlich 30 Jahren ist sie somit zu Recht renovationsbedürftig. Die Piste hat eine Gesamtlänge von 3300 Metern und eine Breite von 60 Metern. Saniert werden 22.5 Meter in der Mitte. Dort, wo bei Start und Landung die grösste Belastung entsteht. Damit der Flugverkehr während der gesamten Bauzeit tagsüber Aufrecht erhalten werden kann, wird die Piste in 48 Etappen saniert, diese Nacht rund 90 Meter.

Und so geht das: Zuerst bricht ein schwerer Abbauhammer die vorderste Reihe Betonplatten auf und gleichzeitig wird ein schmaler Streifen der letzten Belagsetappe herausgefräst. Gerade soviel, dass anschliessend der Reisszahn Platz hat, um die Betonplatten anzuheben und umzukippen. Rund 1500 Tonnen Betonplatten reissen die beiden nebeneinander arbeitenden 100-Tonnen-Bagger mit ihren, an Tortenschaufeln erinnernden Löffeln weg und verladen sie auf die elf bereitstehenden knickgelenkten Volvo-Muldenkipper vom Typ A25, A35 und A40. Ist der eine Muldenkipper voll, folgt der nächste. Und laut Urs Peyer, Dipl. Bauing. HTL und Marketingassistent bei den Eberhard Unternehmungen, ist dabei nicht unbedingt das Gewicht die Herausforderung, sondern dass die 30 cm starken Platten teilweise extrem sperrig sind. Transportiert wird das Abbruchmaterial zu einem Installationsplatz auf dem Areal des Flughafens Zürich. Der Platz dient einerseits als Zwischenlager für den Betonabbruch und andererseits steht dort eine riesige Halle in der die, ab 19.00 Uhr angelieferten, rund 1800 Tonnen Asphalt  warm gehalten werden.

36 cm Asphaltbelag, Lärmschutz und ein Flug nach Australien

Kaum sind ein paar Meter Betonpiste entfernt, startet eine Kaltfräse mit dem 60-Millimeter-Abtrag der darunterliegenden stabilisierten Tragschicht. Vorhanden sind 20 cm Untergrundstabilisierung und eine 39 cm dicke zementstabilisierte Fundationsschicht. Das Verlegen und Einbetonieren der Kabelschutzrohre für die neue Pistenbefeuerung (Fachausdruck für Pistenbeleuchtung) ist noch am Laufen, als die ersten Lastwagen bereits dampfenden Asphaltbelag kippen. Der Einbau der 26 cm starken Tragschicht erfolgt mit einem GPS-gesteuerten Caterpillar D6N Bulldozer. Während sechs Walzen für die nötige Verdichtung der Tragschicht sorgen, machen sich zwei Belagsfertiger für den Einbau der 10 cm dicken Binderschicht bereit. Sind genügend Laufmeter Piste saniert, werden in grösseren Etappen, rund 250 Meter pro Nacht, 4 cm der Binderschicht abgefräst und der definitive Deckbelag eingebaut. Starten und landen können die Flugzeuge auch auf der 10 cm starken Binderschicht.

Eine weitere eindrückliche Spezialität auf dieser Baustelle sind die von den Eberhard Pionieren gebauten gigantischen mobilen Lärmschutzwände. Dabei handelt es sich um drei je 41.3 Meter lange Sattelzüge, die je drei zusammengeschweisste Schiffscontainer transportieren. An diesen sind Schalldämmmatten angebracht, die sich bis auf den Boden herunter klappen lassen. Das Thema Lärmschutz ist in der Nacht für die Anwohner ein besonderes Anliegen, das ist klar. Und tatsächlich: Um 05.30 Uhr ist der Spuk vorbei, die Piste und die Anfahrtswege werden gereinigt und sind bereit für das erste Flugzeug.

Empfehlenswert ist der neunminütige Animationsfilm.


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