Baustelle des Monats März: Endspurt auf dem Baufeld G an der Europaallee Zürich


Auf Baufeld G der Europaallee geht es verhältnismässig ruhig zu und her. Der Rohbau ist in der Endphase. Eindrücklich ragen die aktuell 12 von 16 Stockwerken des Gullturms über dem Sockelbau auf. Auffällig sind die blauen Netze, mit denen die Fensteröffnungen gesichert sind.

 

Und tatsächlich: „Wir haben uns beim Schalungssystem für den sogenannten gerüstlosen Rohbau entschieden“, erklärt Oliver Dietschi, Bauführer Hochbau bei der Anliker AG und momentan zuständig für diese Grossbaustelle. Grossbaustelle? „Im Vergleich zu meiner vorherigen, der Messe Basel, geht es hier verhältnismässig beschaulich zu und her“, sagt Oliver Dietschi und schmunzelt.

Seit Dezember 2012 wirkt Bauführer Dietschi hier in unmittelbarer Nähe von SBB-Geleisen zwischen dem HB Zürich und der Langstrasse. Zu Spitzenzeiten waren zwei Bauführer, ein Chefpolier, vier Poliere und weitere rund 50 Bauprofis inklusive Unterakkordanten für Eisenlegerarbeiten und Deckenschalungen am Werk. Heute sind es noch 16 Mann, die die letzten Stockwerke am Gullturm fertig stellen. Vier Krane waren im Einsatz, der Grösste mit einer Hakenhöhe von 79.80 Metern und einer Ausladung von 50 Metern. Derzeit sind es noch zwei, die auf dem Bauplatz stehen.

Am Sockelbau mit fünf Stockwerken und am Residenzturm mit acht Stockwerken sind die Rohbauarbeiten beendet. Der für die Baubranche ideale Winter hat mitgeholfen, dass der leichte Rückstand aufgeholt werden konnte. Mittlerweile sieht es gut aus. Im April 2014 wird auch der Gullturm mit seinen 16 Stockwerken fertig gestellt sein. „Rund 12 – 14 Tage brauchen wir momentan für die Fertigstellung eines Stockwerks.“, erläutert Oliver Dietschi, als einer der beiden der 1,5tönnige Fassadenlifte in die Höhe rumpelt. Oben angekommen bietet sich eine atemberaubende Aussicht: SBB-Geleise, Landesmuseum, ETH und Zürichsee auf der einen, der Residenzturm, der Sockelbau, der momentan als Warenlager dient, der Prime Tower, unzählige Hausdächer und weit hinten grüne Wiesen auf der anderen Seite.

Gerüstloser Rohbau

„Ich fühle mich sicher hier oben.“, sagt Oliver Dietschi und ergänzt „Auch bei Wind und Wetter.“. Die blauen Netze schützen und sind auf einer Höhe von 60 Metern bedeutend komfortabler, als das Balancieren auf wackeligen Gerüsten. Und wie funktioniert dieser gerüstlose Rohbau genau? Zurück in der Baubaracke zückt Oliver Dietschi eine Zeichnung, die das erklärt. In einem ersten Schritt wird das Sicherheitsnetz zwischen den Elementstützen gespannt. Anschliessend wird im zweiten Schritt das Gerüstlos-Element inkl. Brüstungsschalung  mit Hilfe von Richtstützen montiert. In einem weitern dritten Schritt kann die Decke sowie die Brüstung geschalt und Betoniert werden. Danach kann ausgeschalt werden die Netze werden nach justiert und das Gerüstloselement wandert einen Stock nach oben.

 

Herausforderungen und Besonderheiten

Und welche Herausforderungen galt es sonst noch zu bewältigen? „Bei einer Baugrube mit einer Grösse von 5‘000 m2 und einer Tiefe von rund 9 Metern war das Grundwasser eine erhebliche Herausforderung“ berichtet Oliver Dietschi. Eine Besonderheit war, dass im 1. Und 2. UG die Aussenwände „geklettert“ wurden. Das heisst, dass die Aussenwände beider Geschosse in einem Arbeitslauf betoniert wurden. Das hat den Vorteil, dass laufend gedämmt und hinterfüllt werden konnte. Mit dieser Methode wurde Zeit gespart in einem Moment, in dem jede Minute gezählt hat. Und Platzprobleme mitten in der Stadt Zürich? „Nicht eigentlich.“, bestätigt Oliver Dietschi. Eine Herausforderung sei eher der Transport des Recycling-Betons durch die verstopften Strassen von Zürich gewesen.

Alles in allem wirkt Oliver Dietschi gelassen.  Ein vertrauensvoller Bauherr, eine gute Planung (GP) und eine gute Bauleitung und Koordination (TU) sind von nicht zu unterschätzender Bedeutung für eine sorgenfreie Arbeit des Baumeisters.  Er hat schon einiges erlebt und ist gerne auf der Baustelle unterwegs, um mit anzupacken. Das war mit einem Grund, weshalb er nach seiner Lehre als Hochbauzeichner noch eine Maurerlehre in Angriff genommen hat. „Das Gezeichnete umsetzen ist befriedigend.“, sagt er und geht zu einem Kollegen, der ihn gerufen hat.

 

Weitere Infos und Webcam: www.europaallee.ch


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