Baustelle des Monats: Fast nichts als grüne Wiese


In sechs Wochen findet hier eines der grössten Volksfeste der Schweiz statt und wir werden wissen, wie der Schwingerkönig 2013 heisst. Im Moment sind ganze sechs Bauprofi auf dem Festplatz am Werk. In sechs Wochen wird die momentan noch fast grüne Wiese von über 250’000 Besuchern bevölkert sein.

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Beschaulich geht es auf der Baustelle für das Schwingfest zu und her. Eine riesige Fläche Kulturland breitet sich zwischen Emme und Waldrand in Burgdorf aus. Jörg Amport, Gesamt-, Ressort- und Abteilungsleiter Stellvertreter Infrastruktur des ESAF 2013, erklärt mir in der Baubaracke die Pläne. „Zentraler Punkt ist die Arena, die mit sechs Tribünen à 110 Metern Breite über 52‘000 Zuschauern Platz bietet.“

Fixpunkte oder Begrenzungen sind der Wald, die Eybrücke und die Emme. Das aussergewöhnliche an dieser Baustelle ist, dass hier gebaut wird, um dann sofort wieder rückzubauen. Zum Beispiel 3,8 Kilometer Wasserleitungen und 8 Kilometer Kabelschutzröhren. Speziell ist auch, dass auf dieser Baustelle keine Infrastruktur vorhanden ist. „Keine Wasser-, Abwasser- oder Stromleitungen, die wir anzapfen können“ erklärt Jörg Amport. Zudem prallten extrem viele verschiedene Bedürfnisse aufeinander. Seit 2009 werde geplant, aber erst im März 2013 seien die sieben Festzeltbetreiber ausgewählt worden. Das brauche einen extrem flexiblen Polier, der mitdenke und pragmatisch sei. Und dieser Polier ist Thomas Meier der Marti AG Bern. Den grossen Bauprofi mit dem drahtigen roten Haar bringt wenig aus der Ruhe – auch meine Fragen nicht. Was den das Spezielle sei für ihn auf dieser Baustelle. „Dass ich den Platz für die Schwinger vorbereiten kann, ist schon ein aussergewöhnliches Erlebnis.“, sagt der Hornusser-Schweizermeister, der seit anfangs April auf dieser Baustelle wirkt.

Mit einem kleinen Team arbeitet der Polier hier, heute endlich bei Sonnenschein. Sechs Personen sind am Werk: Ein Polier, zwei Maschinisten, zwei Bauarbeiter und ein Lehrling. Auch der Maschinenpark ist nicht riesig: ein Pneubagger (16 Tonnen), 1 Raupenbagger (25 Tonnen) und ein Walzenzug (12 Tonnen).

Ein Augenschein

Wir treten aus der Baubaracke und marschieren das Gelände ab. Wir wandern über Kiespisten und nähern uns langsam dem Zentrum. Dem mit einem Elektrozaun geschützten „Golfräseli“, wie die Baufprofis das Innerste der Arena liebevoll und vielleicht auch etwas spöttisch nennen. Es wird sieben Ringen mit 14 Metern Durchmesser Platz bieten und ist bereits jetzt verkabelt, damit die Schiedsrichter via iPad die Resultate weitergeben können. Und wofür ist die Reihe Betonrohre mit 1.5 Metern Durchmesser, die in Reih und Glied am Waldrand liegen? „Diese werden für die Schwingerallee gebraucht.“, sagt Jörg Amport. Und was ist eine Schwingeralle? Das ist eine Art „Walk of Fame“ für die Schwinger und die Besucher. Durch diese Gasse werden die Stars marschieren, links und rechts flankiert von Markt- und Essenständen, beschattet von einer Baumstammallee, die mit Hilfe dieser vorbetonierten Behälter aufgestellt wird.

Vorbereiten, vorbereiten, vorbereiten

Und was hat Polier Meier bis jetzt hier gemacht? Vorbereitet, vorbereitet, vorbereitet. Einerseits die Kiespisten für die Zufahrt. Dafür werden 16‘000 m3 gebrochenes Aarekies 50 cm hoch auf Geotextil gehäuft. Anderseits müssen die Rohre für Strom-, Wasser- und Swisscom-Leitungen bereit gelegt werden. Ob er denn wirklich an alles gedacht hat, darauf ist er schon noch ein wenig gespannt. Bald fahren die Zeltbauer auf und beginnen mit Ihrer Arbeit. Für diese muss Thomas Meier mit seinem Team 12‘000 m2 Schwerlastplatten für 40-Tönner ausgelegen, alle wenn möglich genau an der richtigen Stelle. Danach kommen die Gerüstbauer und stellen eine gewaltige Arena mit einem Durchmesser von 260 Metern und einer Höhe von 18 Metern auf.

Bauen auf Kulturland

Zurück zum Ressortleiter Bau. „Eine besondere Herausforderung ist da natürlich die Pedologie“ sagt Ressortleiter Amport. Pedologie? Noch nie gehört. „Das ist der Bodenschutz, der bei Kulturland einen besonders hohen Stellenwert hat“. Besonders wichtig ist dabei die Belüftung des Bodens. Damit wird zwar auch der Oberboden geschützt. Viel wichtiger aber, ist der Unterboden, der – anders als der Oberboden – nicht erneuert werden kann.

Und wer wird denn Schwingerkönig? Ich versuche, Thomas Meier noch einmal ein wenig aus der Reserve zu locken. „Kilian Wenger, oderThomas Zaugg. Aber wissen kann man’s nie. Den Namen Wenger haben vor Frauenfeld 2010 auch noch nicht viele gekannt“ gibt Thomas Meier trocken zur Antwort.

 

Zahlen und Fakten allgemein

  • 25 Mio. CHF Budget
  • 250 000 Besuchende
  • 240 OK-Mitglieder
  • 4000 Helferinnen und Helfer
  • 70 000 Helferstunden
  • 5381 Mannstage der Armee
  • 5000 Mannstage Zivilschutz
  • 90 Hektaren Festgelände

Zahlen und Fakten Bau

  • Arena
    • 52‘013 Plätze
    • 47‘000 m2 Gesamtfläche
    • 800 m Umfang
    • 18 m Firsthöhe
    • 2 ‘900 to Material
    • 250‘000 Einzelteile
    • 4200 Manntage Auf- und Rückbau Armee
    • 16‘000 m3 Kiessand
    • 3‘800 m Hauptwasserversorgung
    • 2‘800 m Elektro Hochspannung
    • 7 Trafostationen
    • 2‘500 Hauptleitungen Kommunikation
    • 12‘000 m2 Schwerlastplatten
    • 9‘000 m2 Gehwegplatten
    • 90 Baucontainer
    • 32 Sanitärcontainer (420 WC)
    • 330 MobiToil

Zahlen und Fakten Gastronomie

  • 80‘000 Würste
  • 6‘000 Schweinssteaks
  • 4‘000 Poulets
  • 660 Kilo Pferde-Entrecôtes
  • 500 Kilo Fleischkäse
  • 210‘000 Liter Bier
  • 105‘000 Liter Mineralwasser
  • 86‘000 Liter Süssgetränke
  • 70‘000 Kaffee
  • 65‘000 Liter Apfelsaft
  • 30‘000 Schwingerkaffee
  • 20‘000 Flaschen Wein
  • 6‘000 Liter Schnaps
  • 25‘000 Kilo Gebäck und Brot

(Quelle: esaf2013.ch)


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