Mauern am Zukunftstag 2012

„Mädchen – bauen – los!“


Es riecht nach Zement und Backstein zerscherbelt unter den Maurerhämmern von acht Mädchen, die im Rahmen des Projektes „Mädchen – bauen – los!" Bauluft schnuppern. Im Ausbildungszentrum des Schweizerischen Baumeister-Verbandes in Burgdorf lernt der ausgebildete Polier Pascal Rettenmund die Mädchen Häuser bauen. Zuerst eine Aussparung, dann eine Mauer und beim Backstein zerschlagen sagt Pascal Rettenmund: „Das brucht e chli Gfühl!".

 

Der Tag beginnt mit einer Präsentation der Bauberufe und dem Film „Keine Angst vor der Männerdomäne Bau", die sich die bunte Schar von Mädchen der 4. – 6. Klasse anschaut. Anschliessend spricht Pascal Rettenmund über seinen Beruf und sein Berufsstolz ist spürbar. Viele Vorteile habe es, wenn man auf dem Bau arbeite. Die Freude an einem vollendeten Bauwerk vorbei zu gehen und zu wissen, da habe ich mitgebaut, sei sehr schön. Und multikulturell sei der Beruf. Man komme mit Menschen aus verschiedenen Nationen zusammen und da gebe es immer etwas zu feiern, allein alle Nationalfeiertage gäben schon manches Fest. In der Baubaracke könne man dann auch ab und an Spezialitäten aus anderen Ländern zu geniessen. Aber auch der abwechslungsreiche Berufsalltag, die attraktiven Löhne und Karrierechancen sind grosse Pluspunkte.

 

Die Mädchen hören mit grossen Augen zu, freuen sich aber auch darauf, etwas mit den Händen zu tun. Pascal Rettenmund macht mit ihnen eine Aussparung für ein Fenster. Die Mädchen Hämmern fleissig und ärgern sich über krumme Nägel und Astgabeln. Alles in allem nicht so befriedigend, finden sie.

 

Da kommt beim Anblick von Zement und Backsteinen schon mehr Freude auf. Pascal Rettenmund zeichnet die Aufgabe an die Wandtafel: Ein rechtwinkliges Mauerwerk mit Verputz sollen die Mädchen machen. „Das Zement machen war lustig", sagt Lea und „mou, i gloube, das wär öppis für mi!". Aber vorerst muss die Mauer in die Höhe. Pascal Rettenmund hilft, gibt dem zu trockenen Zement etwas Wasser nach und den wissbegierigen Maurerinnen Tipps. Fragt man ihn, ob es Unterschiede gebe zwischen Mädchen und Jungen in der Maurerlehre so sagt er ohne zu zögern: „Ja, die Mädchen haben das Gefühl für Finessen und arbeiten schöner im Detail, und oft genauso schnell wie Jungs." Von rund 120 Maurerlehrlingen, die hier in Burgdorf unter anderem von Pascal Rettenmund ausgebildet werden, hat es eine einzige Frau. An was das liegt, ist nicht ganz einfach zu beantworten. Sicher ist: Auf dem Bau muss man körperlich und psychisch robust sein – und schlagfertig. Aber Pascal Rettenmund schätzt den gelungenen Mix und erzählt, dass oft die Frauen auf dem Bau die Visitenkarte für die Firma sind. Und dies deshalb, weil sie den Männern sagen, wie man sich zu benehmen hat.

 

Die Mädchen haben inzwischen drei bis vier Reihen ihrer Mauern hochgezogen, Backsteine zerschlagen, Mörtel in die Zwischenräume gestopft. Jetzt kommt Brigitte Gämperle, die die Arbeit der Mädchen bewundert. Brigitte Gämperle ist Baumeisterin und Geschäftsleitungsmitglied der KIBAG AG. Sie fragt die Mädchen, wie es ihnen bis jetzt gefallen hat und erzählt ihnen noch ein wenig mehr über den spannenden Bauberuf aus Frauensicht. Sie ist – anders als Pascal Rettenmund – als Hochbauzeichnerin in den Bauberuf eingestiegen und sagt, dass sie sich manchmal wünschen würde, sie hätte das Bauhandwerk von der Pike auf gelernt. Anderseits vertraut sie ihrem Team auf der Baustelle. Nicht jeder muss alles können.

 

Die Mädchen werden langsam müde und der Zement fliegt in alle Richtungen. Zeit zum Aufräumen und putzen, sagt ihr Lehrmeister und „ja, das gehört halt immer auch dazu: den Arbeitsplatz am Ende des Tages sauber zu hinterlassen."

 

Nun geht's noch einmal in den Schulungsraum im oberen Stock, vorbei an den Maurerobjekten der Lehrlinge, die heute Besuchstag haben. Bald kommen die Lehrmeister und Eltern und bestaunen die Werke ihrer Zöglinge. Im Vergleich zu den Mauern der Mädchen im Keller sind hier schon halbe Häuser zu sehen und entsprechend gross ist das Staunen. Trotzdem, auch hier hat es weniger schöne und schönere Mauerwerke, erklärt Pascal Rettenmund.

 

Im Schulungsraum wird es ruhig. Nach einem Tagesrückblick stellen die Mädchen Pascal Rettenmund noch ein paar Fragen. Ob er gerne arbeite, ob er einen anderen Beruf gewählt hätte, wenn er eine Frau wäre, was seine Eltern von Beruf seien. Es wird geschmunzelt, bisweilen gelacht. Und alle wissen etwas zu erzählen als Pascal Rettenmund sagt, seine Mutter verkaufe Güetzi bei der Kambly. Genau, da wo man so viele Güetzi essen kann, wie man mag!

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