Baustelle des Monats Dezember: Südumfahrung Küssnacht


Die Sektion Schwyz und Umgebung hat Ende Oktober eine spannende Baustelle besichtigt. Ausgerüstet mit Leuchtwesten machten sich rund 40 Baukader nach einer kurzen Einführung durch Kurt Waber, dipl. Bauingenieur ETH und Projektleiter im Tiefbauamt des Kantons Schwyz, auf Entdeckungsreise.

Das Projekt Südumfahrung Küssnacht hat eine bewegte Geschichte. Noch vor 50 Jahren rollte der gesamte Nord-Süd-Verkehr durch das Dorf Küssnacht. Mit der Nordstrasse im Jahr 1972 hatte sich die Situation zum Teil beruhigt. Bereits damals war aber klar, dass die Südumfahrung der nächste logische Schritt wäre. Umgesetzt wurde diese aber trotz vieler Anläufe nicht. Dafür ging es dann plötzlich relativ schnell: Aufgrund einer im Jahr 2007 eingereichten Einzelinitiative und der Annahme des Bezirks eines Planungskredites von CHF 4 Mio. im Sommer 2008. Nach einer kurzen und intensiven Planungszeit legte der Bezirk den Stimmberechtigten des Bezirks Küssnacht im Sommer 2012 zwei Baukredite für die Südumfahrung vor. Der für den Abschnitt 1 Ebnet – Räbmatt von CHF 67,7 Mio. wurde angenommen, derjenige für den Abschnitt 2 hingegen abgelehnt. Das Schwyzer Parlament genehmigte im April 2014 den Verpflichtungskredit des Kantons Schwyz für Abschnitt 1. Der Spatenstich erfolgte im Sommer 2015.

 

Stützmauer in Unternehmervariante

 

Wir machen uns auf den Weg. Vorbei an zahlreichen Edelkastanien-Bäumen geht es zuerst bergauf Richtung Schulhaus. „Diese Baustelle vereint verschiedene Geologien, die ein Sammelsurium an geotechnischen Massnahmen erfordern“, sagt Waber und zeigt auf die Baustelle für Stützmauer Räbmatt am Südportal des Tunnels. Besonders spannend ist, dass hier eine sogenannte Unternehmervariante  - also eine Lösung, die der Unternehmer als Alternative zum ursprünglich geplanten Bauvorgang vorgeschlagen hat - ausgeführt wird.

 

An der Stelle des vorgesehenen Tunnelportals befindet sich eine rund 20 Meter hohe Steilböschung, an der ab 1910 Kies abgebaut wurde. Die Frage, wie der dicht gelagerte Kies gefahrenfrei abgetragen und danach die für den Tunnelbau notwendige Stützmauer gebaut werden soll, war nicht ganz einfach zu beantworten. Die Lösung: Die Stützmauer in der Unternehmervariante besteht aus einer Betonmauer mit horizontal angeordneten Longarinen. In den Longarinen werden permanente vorgespannte Bodenanker aus hochfesten Stahllitzen bis zum 25 Metern tief in den Boden verankert. Dies erfolgt in verschiedenen Etappen und zwar von oben nach unten.

 

Zuerst wurde an die bestehende Kieswand eine Steilböschung aus bewehrter Erde (Geogitter) aufgeschüttet. Einerseits dient diese der Stabilität, anderseits wird auf dieser Böschung die Arbeitsplattform errichtet. Von dieser Plattform wird die Böschung in Etappen abgetragen und mit Bodennägeln und Spritzbeton provisorisch gesichert. Anschliessend werden die Longarinen erstellt und die Anker vorgespannt und das darüber liegende Stück der Mauer ausbetoniert. Danach erfolgt die nächsttiefere Aushubetappe nach dem selben System, so dass die obere Mauer hängt, bis zuletzt der Mauerfuss sbetoniert wird.

Berg-und-Tal-Tunnel-Fahrt

 

Weiter geht’s zur Baustelle des Tunnels Burg, dessen Anstich am 7. September 2016 stattfand. Nach fleissigem Treppensteigen stehen wir in der Baugrube und werden von Waber mit weiteren spannenden Informationen versorgt. Neben der speziellen Geologie, die im Bereich des Tunnels berücksichtig werden muss, unterquert dieser auch bestehende Gebäude, Werkleitungen und Strassen mit zum Teil sehr geringer Überdeckung (ca. 4 Meter). Der Vortrieb des rund 347 Meter langen bergmännischen Teils des Tunnels erfolgt im Vollausbruch in 29 Etappen zu 12 Metern im Schutz eines Rohrschirms mit systematischer Brustankerung und vorauseilenden Drainagen. Gesichert wird mit faser- und netzbewehrtem Spritzbeton. Während dem Ausbruch werden die Arbeiten mit Messungen an der Oberfläche und im Tunnel permanent überwacht. Es werden Bohrlochmessungen, automatisierte geodätische Messungen, Schlauchwaagensysteme und Neigungsmesser im Rohrschirm eingesetzt. Bis jetzt haben diese glücklicherweise keine Abweichungen von der Norm ergeben – und das soll bis zur Inbetriebnahme des Tunnels voraussichtlich im Jahr 2019 so bleiben. Dafür sorgt die heilige Barbara in ihrem Schrein oberhalb des Tunneleingangs.
Flurina Schenk, Kommunikation


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