Mauern vor laufender Kamera


Mädchen bauen Mauern! Bild: Jessica Loi

Acht Mädchen lauschen den Worten von Heinz Zweifel, dem Kursleiter der Maurerlehrhalle in Ziegelbrücke. Es ist Donnerstag, der 10. November 2016 - Zukunftstag. Das Projekt „Mädchen – bauen – los!“ bietet Mädchen einen sogenannten Rollentausch, einen Einblick in eine Männerdomäne.

„Wen braucht es denn eigentlich, um ein Haus zu bauen“, fragt Heinz Zweifel, Kursleiter der Maurerlehrhalle Ziegelbrücke, in die Runde. Acht Augenpaare verfolgen seine spannende Präsentation und die Hände heben sich. „Eine Architektin“, eröffnet eines der Mädchen, die hier den Zukunftstag verbringen, den Reigen der Antworten. Zusammen mit Zweifel entdecken sie in den nächsten 10 Minuten, welche Berufsgruppen es in der Baubranche gibt. Am meisten aber freuen sie sich aufs Mauern. Zweifel erklärt kurze Zeit später in der Maurerlehrhalle, wie eine Mauer gebaut wird. Da gibt es nicht nur den „Spatz“, sondern auch viele andere spannende Dinge zu entdecken. Die anfängliche Zurückhaltung verschwindet rasch – und nicht einmal die Anwesenheit einer Journalistin und eines Kameramanns kann die Mädchen bremsen.

Zu clever für eine Lehre auf dem Bau?

Julia Fritschi packt mit ihren Kolleginnen an. Nichts mit Lehrerin, Krankenschwester oder Coiffeuse. „Ich möchte auf dem Bau arbeiten“, sagt sie mit fester Stimme. Sie sei als Kind oft mit ihrem Vater, einem Lastwagen-Chauffeur, unterwegs gewesen. Am besten habe es ihr immer gefallen, wenn Baumaterial auf Baustellen geliefert werden musste. „Es war immer mega spannend zuzuschauen.“ Sie selber packt an. Und nimmt das Headset vom Kameramann von TV Südostschweiz ohne zu zögern entgegen. Auf jeden Fall spreche sie mit ihm über ihre Erfahrungen beim Mauern heute. Nein, langweilig werde ihr das nicht – vielleicht irgendwann schon, aber dann gebe es ja anderes zu tun. Auch die Frage der Journalistin beantwortet sie souverän. Wie sie denn diesen Einblick in einen klassischen Männerberuf finde? „Heute sind die Zeiten anders“, antwortet sie und „Mauern als reiner Männerberuf doch ein Klischee.“ Etwas nachdenklicher wird sie, als die Journalistin sie fragt, ob ihre Eltern ihren Berufswunsch denn unterstützen würden. „Sie finden eigentlich, ich sei viel zu clever, um einen Bauberuf zu erlernen.“ Aber da können wir Julia Fritschi beruhigen. Wer auf dem Bau clever ist, hat attraktive Karrieremöglichkeiten, einen guten Lohn und einen aussergewöhnlich kreativen und abwechslungsreichen Job.

Genug robust für eine Lehre auf dem Bau?

„Was den Frauen auf dem Bau eventuell an Körperkraft fehlt, machen sie mit Köpfchen wett“, sagt Heinz Zweifel kurze Zeit später in die Kamera von TV Südostschweiz. Und eine Durchmischung der Geschlechter sei auf jeden Fall wünschenswert. Da bleibt mir etwas später als Statement von Baukader Schweiz nur noch, dem Bild von der Arbeit bei Wind und Wetter im Kopf ein Gegengewicht zu geben: „Die Baubranche bietet coole Karrierechancen, attraktive Löhne und einen abwechslungsreichen und befriedigenden Arbeitsalltag. Frau auf den Bau ist eine gute Sache.“ Wir freuen uns auf den nächsten Zukunftstag mit dem Projekt „Mädchen – bauen – los!“ am 9. November 2017.


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