Baustelle „Ortsbetonkanal Rothrist“


Unsere Baustelle des Monats Januar führt uns in den Spickel zwischen der Aare und dem Fluss Pfaffern zwischen Rothrist und Aarburg. Zugfahrer haben die Baustelle wohl schon einmal aus luftigen Höhen vom Viadukt aus betrachtet. Nur fährt die SBB zu schnell daran vorbei, um einen wirklich Augenschein zu nehmen. Wir gehen näher.

Ivan Kym, Bauführer und Baukader bei der Hallwyler AG steigt vor dem Werkhof aus dem Auto und rüstet mich in der Baracke mit Helm und Weste aus. Bei traumhaftem Baustellen-Wetter stapfen wir durch den Wintermatsch zur Aare. Hier hat die Geschichte dieser Baustelle begonnen. Die Geschichte eines 150 Meter langen und 2,5 Meter breiten und 1,85 Meter hohen Ortsbetonkanals mit aufgesetztem Konus, der zu einem Regenrückhaltebecken führt. Zuerst schickt mich Kym zum Eingang des Kanals, denn dieser muss fotografisch festgehalten werden. Ich klettere den grossen Steinbrocken entlang nach unten, auf die die Höhe der Aare, und hoffe, dass ich nicht ausrutsche. Ein Bad wäre mir im Sommer lieber.

Kanalbauen ist nicht alltäglich

Die Fotos sind in der Kamera und Kym und ich wieder auf Augenhöhe. „Einen Kanal zu bauen ist nicht alltäglich, und das macht Spass“, sagt er. Angefangen hat er mit seinem Team im November. Fertig soll der Kanal Ende Februar werden. Pro Woche machen die Bauprofis 15 Meter vorwärts, drei Mann arbeiten am Kanal und zwei kümmern sich um den Tiefbau – alles schön im Takt, wie die SBB.

Kym führt mich zu einem wichtigen Mann auf der Baustelle: Polier und Baukader Martin Zimmerli. Wie man einen solchen Kanal möglichst rasch und effizient bauen könne, sei bei diesem Projekt die Herausforderung gewesen, sagt Kym. „Und da muss man erfinderisch und handwerklich begabt sein.“ Und das ist Polier Zimmerli. Er hat seine Baustelle im Griff, packt überall mit an und bestimmt mit dem Gefällslaser das Gefälle von 0,5 %. Als Unterlage dient Splitbeton, damit das Gefälle auch nach dem Betonieren der Bodenplatte noch stimmt.

Auch die ganze Vermessung ist die Sache von Polier Zimmerli. Er arbeitet dabei mit dem Tachymeter und verarbeitet jeweils die Punkte, die ihm der Geometer angegeben hat. Die knallpinken Markierungen am Boden geben seinem Team an, in welche Richtung es weiter geht.

Damit es schnell geht, werden so viele vorgefertigte Elemente gebraucht, wie nur möglich. Z. B. die bereits zusammengestellten Armierungseisen, die gerade über der Baustelle schweben und vom Kran langsam an die richtige Stelle gebracht werden. Die Armierungseisen werden aufgestellt, bevor die Schalung steht. Dies, damit sie mit der Bodenplatte verbunden werden können. Neben Menschen und Kran sind auch Pneubagger, Dumper und Schaffusswalze im Einsatz.

 

Vorgefertigte Deckenelemente

„Da sind die vorgefertigten Deckenelemente“, sagt Kym und zeigt auf einen Stapel. Die Verbundeisen ragen einem Bergpanorama gleich aus acht Zentimeter dicken Beton. Die Deckenelemente können direkt auf die bereits betonierten Seitenwände gelegt werden. Danach kommt eine abschliessende Schicht Ortsbeton drauf. So müssen die Bauleute nicht in den 1,5 Meter hohen Kanal kriechen um auszuschalen.

Bei jeder der beiden Richtungsänderungen braucht es zudem eine Dehnungsfuge, auch Dilatationsfuge genannt, damit der Beton sich je nach Temperatur ausdehnen oder zusammenziehen kann. Diese werden mit Körperfugenband und Kombiflex abgedichtet. Eine Richtungsänderung bedeutet zudem den Einbau eines Einstiegssachtes, damit die Zuständigen wenn nötig später in den Kanal steigen können.

Und welche Funktion hat so ein Regenrückhaltebecken? Es soll die örtliche ARA und den Fluss Pfaffern entlasten. Denn Regenwasser ist sogenanntes Sauberwasser. „Es wird im Rückhaltebecken mit einem Rechen von Festteilen gereinigt und kann danach direkt in die Aare geführt werden“, sagt Kym und steigt aus der Baugrube an die Sonne. Das Wetter ist den Bauprofis der Hallwyl AG nicht nur heute wohlgesinnt. Nur zwei Tage im Januar musste die Baustelle wegen Minus-Temperaturen geschlossen werden. Wenn es so weitergehe mit dem Wetter, könne der Termin der Fertigstellung per Ende Februar eingehalten werden, meint er.


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