Geklettert und nicht gerüstet


Die ERNE AG baut in Basel das 73 Meter hohe Biozentrum der Universität. Bauführer Pascal Alabor und Chefpolier und Baukader Beat Senn zeigen uns ihre Baustelle, auf der wir nicht nur Mickey-Mouse-Ohren antreffen.

Auch in Basel ist es mild an diesem Dienstag im November. Wir nähern uns der Baustelle der ERNE AG, dem Biozentrum in Basel. Bauherr sind die beiden Kantone Basel-Stadt und Basel-Land. Es ist das erste Mal, dass die beiden Kantone ein bikantonales Neubauprojekt verwirklichen. Das Biozentrum der Universität Basel ist eines der grössten Hochbauprojekte in ihrer Geschichte. 73 Meter hoch wird das Laborhaus werden, mit drei Geschossen unter und 16 Geschossen über der Erde. 60 % des Gebäudevolumens sind über der Erde und immerhin 40 % darunter. Eine Hauptnutzfläche von 23 400 Quadratmetern und der Kostenrahmen von rund 328 Millionen Franken zeigen die Dimensionen unserer Baustelle des Monats auf.

Vor Ort treffe ich Pascal Alabor, Bauführer dieser Baustelle, im Bürocontainer an. Er erzählt von den rund 80 Bauprofis, die momentan auf der Baustelle sind, von den drei Kranen, die pausenlos im Einsatz sind und der stationären Betonpumpe, die eine enorme Arbeitserleichterung bedeutet. Alabor wirkt auf der Grossbaustelle ruhig und souverän. Für ihn ist denn auch das absolut wichtigste bei einem solchen Projekt die Arbeitsvorbereitung. In der Vorphase werden Arbeitsabläufe und technische Lösungen studiert und erarbeitet – dies in enger Zusammenarbeit mit den Polieren. Danach werden sie mit den Planern besprochen und die optimalen Lösungen schliesslich umgesetzt. „Die grosse Herausforderung ist es, den kritischen Ablauf eines so komplexen Projektes zu planen“, sagt Alabor. Mit komplex meint er – neben dem üblichen Termin- und Kostendruck – die spezielle Architektur. Aber dazu später.

5500 Tonnen Bewehrung für 42 000 m3 Beton

Die Zahlen des Projektes hat Alabor im Kopf. 42 000 m3 Konstruktionsbeton, 5500 Tonnen Bewehrung und 167 000 m2 Schalfläche.

Wir verlassen den Bürocontainer und betreten das Gebäude, hier treffen wir Chefpolier und Baukader Beat Senn an. „Der wichtigste Mann auf der Baustelle ist der Polier“, weiss Alabor und „ein solches Projekt kann man nur mit einem kompetenten Team verwirklichen“. Wir beginnen ganz unten mit dem Rundgang. Eindrücklich ist die 2 Meter dicke Bodenplatte, die das Fundament für das Gebäude bildet. Neben gut 800 Tonnen Bewehrung wurden 5500 Tonnen Beton verbaut und rund 7000 Einzelanker gesetzt. Während der Aushubphase musste der Grundwasserspiegel abgesenkt werden. Bis zur Erstellung des dritten Untergeschosses liefen die Wasserabpumpgeräte ohne Unterbruch. Erst dann war das Gebäude schwer genug um dem Wasserauftrieb stand zu halten. Ich bestaune die hohen Räume hier unten. Ein wenig Höhe geht dem Raum aber noch ab. Es werden noch rund 12 cm isoliert, damit das Grundwasser nicht erwärmt wird. Und darauf kommt eine zusätzliche Betonplatte.

Wir steigen über einige Treppenstufen – die einzigen Fertigelemente auf dieser Baustelle – nach oben und betreten das eindrückliche Atrium. Hier wird klar, was Alabor zu Beginn mit der speziellen Architektur gemeint hat. Wie Mickey-Mouse-Ohren schweben hier Betonteile im 13,5 Meter hohen Atrium und bilden sogenannte Galerien. „Eine Bubbledecke nennt man das“, erklärt er. „Für diese aussergewöhnlichen runden Flächen liessen wir spezielle Schalungen anfertigen.“ Die auffallende Architektur stellte eine technische Herausforderung für das Team dar: Verschiedene Höhen und Geometrien, unterschiedliche Radien, Wendeltreppen, etc. waren zu berücksichtigen. Aufgrund des knappen Zeitfensters für diesen Bereich und der Komplexität, waren dann alle Mitarbeitenden nach Ausführung dieses spannenden Teils des Baus doch froh, konnten sie sich nun den Regelgeschossen widmen. Momentan arbeiten die Teams am 5. OG und auf 30 Metern Höhe. Bis das 15. OG erreicht ist, sind es 73 Meter.

Bei der Suva reichte die ERNE AG ein umfassendes Sicherheitskonzept für den Bau des Biozentrums ein. Dieses beinhaltete eine Ausnahmebewilligung für das gerüstlose Bauen. Dabei werden, wie der Name bereits verrät, die 15 Stockwerke ohne Gerüst fertiggestellt. Ein Schutzschild um die Aussenmauern klettert zusammen mit dem Gebäude Stock um Stock. Zudem dient es als Sichtschutz gegen aussen und vermittelt den Arbeitern das Gefühl, sich stets im Parterre zu befinden. Ein Sicherheitsaspekt mit dem gewährleistet ist, dass niemandem schwindlig wird. Denn Sicherheit ist der ERNE AG ein grosses Anliegen. Für Alabor wäre es das Schlimmste, einen schweren Unfall auf seiner Baustelle zu haben. Um dem vorzubeugen, wird viel Zeit in die Prävention gesteckt: „Von den bisher 68 000 geleisteten Arbeitsstunden investierten wir rund 4000 Stunden in die Sicherheit unserer Mitarbeitenden“, verdeutlicht er dieses Anliegen.

Der Chefpolier ist der Dirigent – die Mitarbeiter ein hervorragendes Orchester

Wir stehen im 5. OG – hinter dem mächtigen Schutzschild. Chefpolier Beat Senn erklärt geduldig, wie hier gebaut wird. Immer in vier Quadranten und mit vier Gruppen baut er ein Stockwerk auf. Angefangen wird jeweils mit den Wänden. Die Schalungen werden vom Kran angeliefert, genau wie die Armierungen, die unten auf dem Bauplatz vorgebunden werden. Das Ganze erfolgt im Takt: Fassaden, Fassadenpfeiler, Kernwände und dann die Decke. Beim Zuschauen wird klar: Hier arbeitet ein eingespieltes Team und jeder weiss, was er zu tun hat. Senn ist ein erfahrener Polier und seit 25 Jahren bei der ERNE AG. Er wirkt hier wie ein Dirigent, der seine Mitarbeiter orchestriert. Beim Sprechen schweifen seine Augen über die Baustelle und wenn er etwas sieht, das ihm nicht passt, reagiert er sofort. Er wirkt äusserst präsent. Schlaflose Nächte bereitet ihm seine Baustelle selten, aber sie ist eine Herausforderung. Und genau das zeichnet ihn und die gesamte ERNE AG aus. Denn die Bauunternehmung steht für hohe Kompetenz, Leistungsbereitschaft und nicht zu vergessen Leidenschaft.


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