Geschichte und Zukunftsmusik auf dem Bürgenberg


Mauern mit Aussicht auf den Vierwaldstättersee

Sogar die Schüler auf ihrer Schulreise haben es bemerkt, obwohl sie eigentlich anderweitig beschäftigt sind: „E huere geili Ussicht!“ Das Postauto windet sich von Stansstad die Strasse hoch auf den Bürgenberg, zum Bürgenstock Resort, und bald sind wir in einer anderen Welt – nicht nur der Aussicht wegen. Unsere letzte Baustelle des Monats vor der Sommerpause führt uns an einen Ort, der seit 1873 Tourismusgeschichte schreibt.

 

Ganze zehn Krane ragen auf dem Bürgenberg, dort wo das neue Bürgenstock Resort realisiert wird, in die Höhe. Zwei davon gehören zur Baustelle Grand Residence-Suiten, für die Bauführer und Baukader Daniel Niederberger zuständig ist. „Schön, dass du da bist. Ich freue mich, dir unser spezielles Bauprojekt vorzustellen.“ Am 9. Juni 2015 hat Dani sein 5jähriges Jubiläum hier auf dem Bürgenberg. Und man merkt, er fühlt sich hier zu Hause. Für seinen Arbeitgeber, die Bürgi AG, war er zuständig für den Bau der Ausweichbuchten, die das Kreuzen von LKWs auf der Strasse Obbürgen – Bürgenstock Resort ermöglichen. Zudem hat er den Bau der Servicestrasse, inklusive Böschungen und Werkleitungen, für den grössten Teil des Resorts begleitet. Und last but not least war er zuständig für die Vorbereitung diverser Baugruben für die neu zu erstellenden Hotels.

Wir lehnen uns über die Brüstung und schauen zu den bereits fertiggestellten Panorama Residence-Suiten, die vom satten Grün der Wiesen umgeben sind. „Stell dir mal vor, hier geht es noch einmal 8,5 Meter tief in den Boden, bis das Fundament auf Fels trifft.“ Und so ging es bei allen Baugruben für die insgesamt fünf grossen Hotelkomplexe, die hier gebaut werden: Baugruben vorbereiten, sprengen, Aushub abtransportieren, im Nahen Obbürgen lagern und zu Kies verschiedener Grössen verarbeiten. Auch deshalb, weil Nachhaltig gebaut wird und möglichst wenige Lastwagen auf den Berg fahren sollen.

 

Sickerteppiche leiten das Meteorwasser in den Fels

Wir nähern uns dem Projekt Grand Residence-Suiten und treffen auf unserem Weg eine weitere Spezialität an. Das von den bei Vollbesetzung rund 800 Hotelgästen in 400 Zimmern verursachte Abwasser ins Tal zu führen, ist eine grossen Herausforderung und die bestehenden Leitungen sind diesem Ansturm nicht ganz gewachsen. Damit die Leitungen nicht überfordert werden, wurden drei Retentionsbecken in den Berghang integriert. Das Grösste, mit einer Abmessung von 14 m Länge, einem Durchmesser von 2 m und einem Gewicht von 4 to, musste mit einem Super-Puma versetzt werden. „Damit nicht auch noch sämtliches Meteorwasser in die Kanalisation fliesst, wurde bei jedem Objekt ein sogenannter Sickerteppich angelegt.“, erklärt Niederberger. Dieser lässt dem Wasser Zeit, in die Felsklüfte abzufliessen. Falls der Sickerteppich einmal überlastet sein sollte, so gibt es Notüberlaufleitungen, welche das Meteorwasser in die Kanalisation leiten.

 

Alt und neu beim Bauen vereinen

Und nun stehen wir vor dem Gebäude, welches die Grand Residence-Suiten beherbergen wird. Das Aussergewöhnliche an diesem Projekt fällt sofort auf: Zwei U-förmige Gebäude-Teile stammen noch vom vorherigen Grand Hotel aus dem Jahr 1873 und werden erhalten und in das neue Gebäude integriert. Das ist denn für Niederberger und seinen Polier und Baukader Iwan Frei eine der grossen baulichen Herausforderungen. Pläne bestehen von damals keine mehr, ausgemessen für die Planung wurde von den Architekten so viel wie möglich. Dennoch: „Es gibt immer wieder Überraschungen.“ bestätigt Frei. Da braucht es ein erfahrenes und flexibles Team.

Und das hat Niederberger auf dieser Baustelle. „ Ich kann mich auf meinen Polier zu 100 % verlassen. Er plant vorausschauend und arbeitet sehr genau.“ Das ist bei einem Projekt von dieser Grösse und einer Bauherrschaft aus Katar enorm wichtig.

 

Herausforderungen und Weitsicht

Wir stehen im 3. Obergeschoss. Es wird betoniert. „Die Bauarbeiter müssen den Kopf bei der Sache haben beim Vibrieren,“, sagt Niederberger, „damit der Beton seinen Weg zwischen den vielen farbigen Schläuchen für Strom und Wasser findet und kein Hohlraum entsteht.“ Aber auch hier wird klar: Das Team ist eingespielt, und jeder kennt seine Aufgabe und nimmt sie ernst. Polier Frei steht am Pult beobachtet, runzelt die Stirn, schmunzelt. Was ist denn für ihn neben der Verbindung von alt und neu die grosse Herausforderung hier im neu entstehenden Bürgenstock Resort? „Ich hatte noch nie ein so grosses Projekt, seit ich 2011 die Polierschule abgeschlossen habe.“ Und das ist auch gut so, denn bevor man eine solche Baustelle übernimmt, sollte man entsprechende Erfahrungen sammeln können. Und das hat Frei bei kleineren Projekten getan. Hier hat er es mit Kubaturen von insgesamt 27‘634 m3, verteilt auf zwei Untergeschosse (Einstellhalle, Technik/Suiten), Erdgeschoss mit Mezzanin (Empfang, Büros, Suiten), drei Obergschosse und einem Dachgeschoss (Suiten), zu tun. Zudem wird jedes Stockwerk von 90 Stützen gestützt. Bei der Eröffnung im Jahr 2017 schlussendlich, werden 30 Grand Resicence-Suiten zur Verfügung stehen.

Und was ist das Schöne an diesem Projekt? Schon bei meiner Frage schmunzeln Niederberger und Frei: „Die Aussicht natürlich!“. Aber Spass beiseite. „Wir haben im Februar auch einmal einen halben Meter Schnee von der Baustelle geschaufelt.“, sagt Frei. Rund 400 m3 mussten damals zusammengeschaufelt und mit dem Krankübel aus dem Weg geschafft werden. Und – da sind sich Bauführer und Polier einig: „Es gibt keine befriedigendere Aufgabe, als mit einem tollen Team ein abwechslungsreiches und herausforderndes Projekt zu bewältigen.“ Und wenn es sich dabei noch um einen Teil des für die Region einmaligen Bürgenstock Resorts handelt, umso schöner.

Weitere Informationen: www.buergenstock.ch


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