Alles dreht sich um Beton


Die Schalung wird angeliefert.

In Lüthärtigen, einem kleinen Weiler in der Gemeinde Menzingen im Kanton Zug hat Polierund Baukader-Mitglied Marcel Bachmann einen besonderen Kundenwunsch verwirklicht.Für einmal wurden zuerst Cheminée, Treppe und Küchenabdeckung gebaut, bevor die Wände und das Dach aufgerichtet wurden. Was denn da wohl gebaut würde, meinte ein Spaziergänger. Das sehe fast aus wie ein Krematorium... Aber die Bauprofis konnten den Passanten beruhigen: Ein Einfamilienhaus entstehe hier, aber eben kein alltägliches…

Bereits seit 1776 ist das Bauerngut Lüthärtigen im Besitz der Familie Zürcher. Die beiden Bauernhäuser, die in typsicher Mischbauweise erbaut wurden, stehen unter Denkmalschutz.Der Neubau des Wohnhauses Zürcher war nur deshalb möglich, weil die Bauherrschaft dasgeschützte Bauernhaus mit dem Rückbau eines Anbaus in seinen Originalzustand zurückversetzte und renovierte. Für den Neubau wurde neben der Fläche und Volumetrie auch das Fassadenmaterial vorgegeben.

Für Sohn Jan Zürcher, der vor kurzem sein Architekturstudium an der ETH in Zürich abgeschlossen hat, war dieses Projekt mit dem kleinen Spielraum Herausforderung und Chance zugleich. «Die Zusammenarbeit mit den Fachleuten vor Ort hat mich viel auf der praktischen Seite gelehrt », sagt er und schmunzelt. Eine schöne Erfahrung sei es gewesen,bei diesem Projekt so eng mit der Familie zusammenzuarbeiten. Seine Eltern bewohnen jetzt den Neubau. Das renovierte Bauernhaus wird sein ältester Bruder mit seiner Familiebeziehen. Als ETH-Ingenieure haben er und seine Frau viel Wissen in dieses Projekt eingebracht. «Das grosse Vertrauen der ganzen Familie in mich hat mich aber teilweiseauch belastet.» Umso wichtiger war es für Jan Zürcher, dass er bei seinem Götti Alphons Wiederkehr, selber Architekt, und seinen Studienfreunden immer wieder Rat holen konnte.

Sichtbeton ohne Arbeitsfugen und Bindlöcher

Mit am Tisch im Einfamilienhaus, welchen Jans Eltern Franziska und Albert Zürcher im November bezogen haben, sitzt Josef Bachmann, Inhaber der Firma Bachmann Bau und Baukader-Mitglied. Bei diesem Projekt war er zuständig für die aussergewöhnlichen Betonarbeiten. In drei Etappen wurde der gut sechs Meter hohe Kern aus Cheminée, Treppe und Küchenabdeckung ohne sichtbare Fugen betoniert. Und natürlich hat es genau am wichtigsten Tag wie aus Kübeln geschüttet!

Für Josef Bachmann waren die Betonarbeiten aus verschiedenen Gründen eine Herausforderung, bei der er sein Können bewies. Zum einen wurde der Beton nach Wünschen der Bauherrschaft kohleschwarz eingefärbt, tatsächlich mit einem Anteil an Kohlenfarbstoff und zum anderen war für ihn von Anfang an klar, dass dieses Sichtbeton-Kunstwerk ohne sichtbaren Arbeitsfugen und Bindlöcher machbar sein muss - vor allem beim über 5m hohen Kamin keine leichte Aufgabe. Wenn Bachmann heute in dem hohen, offenen Raum vor dem Cheminée steht, spürt man seinen Stolz. Aber Ehre, wem Ehre gebührt. «Auch mein Sohn Marcel war massgeblich am Erfolg dieses schönen Projekts beteiligt», betont Bachmann.

In nur einem Tag, Ende Juli 2017, wurde anschliessend der Holzelementbau von der Firma Zürcher Holzbau AG aus Finstersee ZG errichtet. Und auf meine Frage, wie das Haus denn beheizt werde, antwortet Bauherr Albert Zürcher, ein Heizungs-Freak, und wie sich bald herausstellt auch ein Pionier in Sachen Wärmepumpe. Schon vor 35 Jahren hat er im Bauernhaus eine Wärmepumpe, zu dieser Zeit noch mit Bachwasser gespiesen, eingebaut. «Damals sagten alle, die spinnen», erinnert sich Bauherrin Franziska Zürcher. Für die Heizung wird für die Wärmepumpe das Wasser vom Überlauf der nahe gelegenen Quelle genutzt. Dabei wird 4/5 der Energie aus dem Wasser gewonnen, 1/5 ist elektrische Energie.

Für die Familie Zürcher war das A und O bei ihrem Bauprojekt, dass alle Handwerker ausder Umgebung waren. «Dass jeder jeden kennt, hat sicher viel geholfen», sagen sie und Franziska Zürcher doppelt nach: «Josef Bachmann hat mir die nötige Sicherheit gegeben,dass der dominante Betonkern so aussehen wird, wie wir uns das vorgestellt haben.» Und prompt überzeugt das Resultat durch die saubere Ausführung derart, dass auf jegliche Betonkosmetik verzichtet werden konnte.

(Flurina Schenk)


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