Baustelle des Monats im Mai: Renovation der Stadtkirche St. Martin in Olten


Von Herbst 2016 bis voraussichtlich im Spätsommer 2018 wird die Stadtkirche St. Martin in Olten für rund 6.5 Millionen CHF renoviert. Die Christkatholische Kirchgemeinde Region Olten möchte die Kirche danach als offene Kirche führen und für Kulturveranstaltungen nutzen. Momentan wird die Aussenhülle aufgefrischt und das Dach erneuert – und unter diesem ist ein besonderes bautechnisches Denkmal verborgen.

Peter Schibli, Architekt im Ruhestand und Präsident der Baukommission wartet unter den blühenden Kastanienbäumen und betritt anschliessend zielstrebig die Stadtkirche Olten. Er erzählt dabei ganz kurz, welche Geschichte die Kirche hat: Erbaut wurde sie 1813 im Auftrag der Einwohnergemeinde Olten. 1872 wurde die christkatholische Kirchgemeinde Olten gegründet, eine moderatere Form der katholischen Kirche. Im Jahr 1900 hat die christkatholische Kirchgemeinde der Einwohnergemeinde Olten die Stadtkirche abgekauft. Während vieler Jahre blieb die Kirche – ausser während der Gottesdienste – für die Öffentlichkeit geschlossen. Mit der Schaffung der Begegnungszone Kirchgasse soll sie aber wieder für Besucher geöffnet sein und auch als Veranstaltungsort vermehrt genutzt werden. Das braucht bauliche Veränderungen, die immer in enger Zusammenarbeit mit dem eidgenössischen Denkmalschutz geplant werden.

Viel Neues…

Im Kirchenraum wird der Chor neu gestaltet und mit einer Bodenheizung ausgerüstet. Die Heizung wird insgesamt saniert und die Isolation über der Kirchendecke vom Estrich her verbessert. Sekretariat und Pfarrbüro werden in den riesigen Raum integriert. Eine weitere Neuerung ist ein mit Intarsien verziertes Allgemeingrab, das in den Kirchenboden eingelassen wird. Drei Unternehmer werden ab Spätsommer zudem mit den Restaurierungsarbeiten im Kircheninnenraum beauftragt. Ein Gipser wird die vorhanden Rosetten und Stuckarbeiten auffrischen und restaurieren, ein Restaurator wird die Bilder waschen und restaurieren und auch für eine Malerfirma gibt es einiges zu tun. Wichtig ist bei all diesen Arbeiten, dass die Kirche danach nicht allzu herausgeputzt da steht. Man darf ihr das würdige Alter ansehen.

„Sind Sie gut zu Fuss“, fragt Schibli, der sich selber als U80er bezeichnet. Schibli steigt in die Höhe, die Treppen werden enger, die Räume niedriger, der Lärm der Motorsägen lauter. Im riesigen Estrich tanzt Holzstaub im Sonnenlicht. Hier sind die Arbeiten in vollem Gang. „Leider war der Dachstock in einem schlechteren Zustand, als wir uns erhofft haben“, sagt Schibli. Mittlerweile sind Dachstock und Dach erneuert – alt und neu geschickt kombiniert. Zum Glück haben die Dachdecker einen Fundus an alten Ziegeln, die für solche Renovationen wiederverwendet werden.

…und etwas Altes.

Und hier steht es, das Hamsterrad, das eigentlich Tretrad heisst. Es ist vermutlich rund 200 Jahre alt, hat einen Durchmesser von knapp vier Meter, eine 30 Zentimeter dicke Radachse für das Tau, eine einen Meter breite Lauffläche – und ist ein ganz besonderes bautechnisches Denkmal. Welche Aufgabe es wahrgenommen hat ist genauso logisch wie eindrücklich: Damit wurde beim Bau der Kirche anfangs des 19. Jahrhunderts alles Material aufs Dach gehievt. Und wenn wir gedanklich gerade im 19: Jahrhundert sind, so gibt es noch ein wenig Geschichte: Für die Kirchtürme wurden 325 Eichen verbraucht, für das ganze Gebäude 1‘989 Bäume. Und: Damals war Fronarbeit noch ganz normal. Obwohl auch von den Dörfern der Umgebung solche geleistet wurde, gab es scheinbar eine Budgetüberschreitung - bei Gesamtkosten von CHF 102‘000.–.

Zurück in die Gegenwart: Der Abstieg beginnt, vorbei an der verhüllten Orgel, an Mustern für neue Lampen… Bis August 2018 bleibt noch viel zu tun. Aber Schibli bleibt gelassen. Mittlerweile ist die Blache, die das Gerüst auf der Frontseite geschützt hat verschwunden. Der Spruch Salomos, der sie geziert hat aber bleibt: Durch Weisheit wird ein Haus gebaut und durch Verstand erhalten.


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